Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Seit dem 25.10.21 überschlagen sich die Ereignisse hier in Moshi. Es passieren immer wieder unvorhergesehene Dinge und ich werde unglaublich in Beschlag genommen. Zur Ruhe kommen, gibt es für mich in diesem Jahr überhaupt nicht! Von allen Ereignissen kann ich gar nicht berichten, das würde den Rahmen sprengen, daher konzentriere ich mich ausschließlich auf die Hilfe für Mama Emanuel, die Mutter des Kindes mit dem Down-Syndrom, von der ich schon berichtete.

Da ich bereits einige Gespräche mit dem Vorsitzenden der Region des großen lokalen Marktes zusammen mit Kagera hatte, die zu keinem Ergebnis führten, entschied ich, Jimmy, einen anderen Tansanier, zum nächsten Gespräch als Dolmetscher mitzunehmen. Mama Emanuel konnte bei den Gesprächen leider nicht dabei sein, weil sie sehr krank war; dazu später mehr. Die Gespräche zogen sich teilweise hin wie Kaugummi und waren immer wieder mit irre Wartezeiten vorher und zwischendurch verbunden. Die Tansanier sagen nicht umsonst „pole, pole“ (langsam, langsam); ich dagegen bin eher in Richtung „harakaraka“ (schnell, schnell). Inzwischen hatten sich 3 Vorsitzende von verschiedenen Marktregionen eingeschaltet – hm, ich halte die Leute scheinbar auf Trapp. Vielleicht bin ich auch nur in gewisser Weise interessant, weil ich momentan eine der wenigen Weißhäutigen in dieser Gegend bin und dann auch noch eine, die sich für ein Business interessiert; das kommt hier nicht alle Tage vor! Man zeigte mir verschiedene Plätze, die für Mama Emanuel vergeben werden könnten, allerdings waren die für mich nicht gut genug. Sie lagen abseits von der Straße, wo sich die meisten Leute tummeln. Meine Hartnäckigkeit hat sich letztlich ausgezahlt – jetzt habe ich einen wirklich guten Standort mit einem kleinen Container ergattern können! Erst dachte ich, dass ich die Vorsitzenden mit meiner Hartnäckigkeit vermutlich nerve, denn afrikanische Frauen würden sich bestimmt anders verhalten, aber es schien, als hätten alle irgendwie Spaß daran gehabt. Außerdem hatte ich darüber informiert, dass ich Mama Emanuel unterstütze und ich den Platz benötige, um ihr die Möglichkeit zu geben, Geld zu verdienen um selber für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können. Das kam wohl gut an. Morgen wird schon mal gestartet, ein paar Dinge zu organisieren, u.a. Vertragsunterzeichnung mit Mama Emanuel bzgl. eines Mikrokredites. Am Montag wird dann die Ware gekauft.

Und nun zu Mama Emanuel. Sie fühlte sich, wie ich bereits berichtete, am letzten Montag schon nicht wohl. Als ich sie am Dienstag besuchte, ging es ihr so schlecht, dass ich mit ihr zum Arzt gegangen bin, der nur ein paar Meter entfernt seine Praxis betreibt. Dort ein paar Aufnahmen machen zu können, wäre super gewesen, aber meine Frage danach wurde leider verneint. Ich rief Kagera an, um ihn über die Situation zu informieren und er kam dann auch innerhalb von 1/2 Stunde. Mama Emanuel bekam eine Infusion, die sie zu Kräften kommen lassen sollte. Die Ärztin meinte, es sei das Beste, Mama Emanuel ins Krankenhaus zu bringen, aber da sie es selber nicht wollte, haben wir sie nur nach Hause gebracht. Am nächsten Morgen habe ich mich mit Kagera bei Mama Emanuel getroffen. Ich war ein bisschen früher dort und sah schon, dass sie unbedingt ins Krankenhaus gebracht werden musste. Kagera wollte als Transportmittel ein Tuk-tuk nehmen, da dies nur 2.000 TZS anstatt, wie das Taxi, 5.000 TZS kosten würde; der Unterschied sind umgerechnet ca. 1,13 €. In ihrem Zustand ein Tuk-tuk zu nehmen, wäre für mich undenkbar gewesen, aber für die Tansanier, die zu der armen Gruppe der Bevölkerung gehören, eine ganz normale Sache! Nach ca. 10 Minuten erreichten wir das St. Joseph Hospital in Moshi, ein privates Krankenhaus. Mama Emanuel hat die Möglichkeit, hier kostenfrei behandelt zu werden, da ihr Ehemann, der sie verlassen hat, irgendwo als Angestellter tätig ist und sie somit eine Krankenversicherung hat. Lediglich die Medikamente mussten bezahlt werden.

Der Aufenthalt hier im Krankenhaus war wirklich spannend. Eine Privatsphäre gibt es nicht. Die Türen von den Besprechungszimmern sind offen und wer vorbei läuft, kann alles mitbekommen. Die irre langen Wartezeiten waren für mich nervenzerreißend – echt nix für mich! Gott sei Dank waren Kagera und Jimmy mit dabei, die zum einen übersetzen und mich damit auf dem Laufenden halten konnten und mit denen ich die Wartezeit mit Informationsaustausch vertreiben konnte. Von Angehörigen seitens Mama Emanuel keine Spur! Der Arzt entschied, dass sie über Nacht im Krankenhaus bleiben müsste, da sie sehr schwach war, weitere Injektionen benötigte und man außerdem darauf achten müsste, dass sie ihre neuen Medikamente pünktlich und regelmäßig nimmt. Hm, jetzt hatten wir ein echtes Problem! Die beiden Kinder von Mama Emanuel waren zuhause geblieben und hatten keine Betreuung. Mama Emanuel hatte niemanden, der die Kinder hätte zu sich nehmen können oder wollen. Meine Güte – was tun?! Kagera und ich sind also schnurstracks (inzwischen war es ca. 17h oder 17:30h) zu den beiden Kindern gefahren, die irgendwo unterwegs waren, wo auch immer. Wir hatten mit einer Nachbarin gesprochen, die sich bereit erklärte, sich irgendwie um die beiden Kinder zu kümmern. Abends mussten wir nochmal ins Krankenhaus zurückfahren, um Mama Emanuel etwas zu essen zu bringen; im Krankenhaus bekommt man nichts – das wusste ich nicht und weder Kagera noch sonst irgendjemand hat mir davon etwas gesagt. Hier ist es üblich, dass die Angehörigen, Nachbarn oder sonst wer Essen bringt. Hat man niemanden, bekommt man nichts; harte Sitten! Gegen 19:30h erhielt ich von Sekunda, einem Tansanier, der sich netter Weise ebenfalls um Mama Emanuel kümmerte, die Nachricht, dass der Großvater die beiden Kinder abgeholt hatte; das gab mir ein gutes Gefühl.

Am nächsten Tag, also letzten Donnerstag, habe ich sie morgens wieder im Krankenhaus besucht. Sie hatte sich schon etwas erholt und wirkte wesentlich stabiler. Trotzdem musste sie eine weitere Nacht dort verbringen und ist erst heute entlassen worden. Wir haben Aufgabenteilung gemacht: teilweise haben Jimmy oder Sekunda ihr etwas zu essen gebracht, teilweise habe ich das übernommen. Morgen früh werde ich sie zuhause aufsuchen. Sie schrieb mir heute in Swahili, dass es ihr gut ginge. Ich hoffe, das bleibt so.

Ein neues Zuhause

Nachdem die Entscheidung gefallen war, Mama Emanuel finanziell zu unterstützen, haben Kagera und ich sie am Freitag, 22.10.21, nochmals besucht und ihr gesagt, dass sie Unterstützung bekommt. Die Freude war natürlich groß! Da Mama Emanuel einen „Marktstand“ auf dem großen lokalen Markt in Moshi bekommen soll, war es notwendig, dass sie aus ihrem derzeitigen Zuhause erst einmal umziehen musste in Richtung Moshi Town. Theoretisch könnte sie täglich ein Tuk-tuk nehmen, das sie zum Markt bringt, aber in der Regenzeit (ca. Ende Februar bis Ende Mai) sind die Wege in ihrer Region meist nicht begehbar, so dass es für sie kaum möglich wäre, ihrer Arbeit nachzugehen. Außerdem waren die Zustände in ihrem Zuhause wirklich mehr als miserabel! Erschwerend kommt hinzu, dass Mama Emanuel Diabetes und ein Magengeschwür hat, was oft große Schmerzen für sie bedeutet.

Mit dem Vorsitzenden der Marktregion hatten Kagera und ich bereits zwei Gespräche betreffend die Möglichkeit einer Platzvergabe für Mama Emanuel geführt. Kagera erklärte auf Swahili, dass ich die behinderten Kinder der Moshi Primary School unterstütze und Mama Emanuel die Mutter eines behinderten Kindes sei. Uns wurde zugesichert, dass sie ab Dienstag, 26.10.21, einen Platz erhalten kann und dieser für sie sogar ggf. kostenfrei ist. Heute früh mussten Kagera und ich ein – wie ich eigentlich dachte – letztes Gespräch mit dem Vorsitzenden führen. Bei dem Gespräch wurde uns ein Platz in der Nähe von Mama Emanuel’s Zuhause vorgeschlagen; es ist nur in der Nähe des großen Marktplatzes. Kagera wusste wo der Platz war. Wir gingen also dorthin. Oh nein – der Platz muss es nun wirklich nicht sein! An diesem Ort wird sie kaum Geld verdienen können, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. So einen ärmlichen Markt habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen! Kagera hat den Vorsitzenden sofort angerufen und wir warten nun auf einen neuen Vorschlag; ich gehe davon aus, dass wir morgen einen besseren Vorschlag bekommen.

Der Umzug von Mama Emanuel ging ruck zuck. Ein neuer Raum war schnell gefunden, nur etwa 15 Gehminuten zum Markt in Moshi. Kosten für den Raum 40.000,00 TZS pro Monat = rd, 15 €. Für das nächste halbe Jahr ist die Miete nun bezahlt. Danach muss sie es mit ihrem Business schaffen, für ihre Lebenshaltungskosten selber zu sorgen. Zusätzlich muss sie monatlich 10.000,00 TZS für Strom und Wasser bezahlen, umgerechnet rd. 3,80 €. Es gab nicht viel zu transportieren; als große Teile lediglich das Bett. Der Transport erfolgte direkt am Freitag, ca. 4 Stunden nach Vertragsunterzeichnung; Umzugskosten rd. 3,80 €.

Beim Transport war ich nicht dabei, ich bin erst einen Tag später, also letzten Samstag, nachmittags zusammen mit Kagera zu ihr gegangen. Die Begrüßung, insbesondere von Emanuel, war unglaublich herzlich und stürmisch. Er nahm mich direkt in die Arme, drückte mich ganz fest, sagte etwas auf Swahili – was ich leider nicht verstand – und zeigte auf die Glübirne, die von der Decke runterhing. Klar! Er war überaus glücklich, dass sie nun ein Zimmer mit Licht hatten und nicht mehr im Dunkeln sitzen mussten. Außerdem hatte er schon Freundschaft mit Nachbarskindern geschlossen! Auch für mich ein unglaublicher Glücksmoment!

Letzten Samstag Nachmittag sind wir noch zu Dritt (Mama Emanuel, Kagera und ich) zum Markt gefahren, da sie dringend Lebensmittel wie Reis, Mais, Öl und Fisch brauchte. Zusätzlich wurde ein Gefäß aus Ton gekauft, das zum Kochen benötigt wird; gefüllt wird das Gefäß mit Holzkohle, die wir natürlich ebenfalls besorgten.

Heute (25.10.21) war Screening für die behinderten Kinder in der Moshi Primary School. Die Eltern bzw. Mütter müssen bei der Untersuchung ihres Kindes anwesend sein. Da Mama Emanuel heute über große Schmerzen klagte und sie vor Verzweiflung, dass sie mit Emanuel nicht zum Screening gehen konnte, bitterlich weinte, schlug ich direkt vor, dass Kagera und ich ihn zum Screening zur Schule bringen würden. Gesagt, getan! 10 Minuten später waren wir in der Schule, wo ich auch meinen kleinen Freund Theo, den immer fröhlichen, leider im Rollstuhl sitzenden, Jungen nach einem Jahr wiedersah. Wir beide hatten zusammen viel Spaß beim Rumalbern! Nach Emanuel’s Untersuchung bekam ich 1 Tablette für ihn mit nach Hause, die er morgen früh als erstes nehmen muss und erst nach 2 Stunden etwas essen darf. Ich bat darum, dass man dies bitte auf Swahili aufschreiben möge, damit Mama Emanuel auch wirklich verstand, was zu tun war. Ich brachte Emanuel dann anschließend per Tuk-tuk wieder nach Hause. Der Tuk-tuk-Fahrer kannte die Adresse, die ich ihm sagte nicht, aber zwischenzeitlich kenne ich mich hier in der Gegend ganz gut aus, so dass wir den Weg Gott sei Dank fanden. Mama Emanuel war glücklich, dass es mit dem Screening funktioniert hatte und das sind die Dinge, die mich dann mindestens genau so glücklich machen!

Eine schwere Entscheidung

Am Dienstag, 19.10.21, hat mich Kagera mittags im We Travel Hostel abgeholt um 5 Familien mit behinderten Kindern zu besuchen, zu denen Kagera meinte, dass sie ggf. Unterstützung bräuchten. Wir nahmen also ein Tuk-tuk, das uns zunächst zu Mama Angela brachte. Wir haben übrigens alle Mütter bzw. Eltern gefragt, ob ich Aufnahmen machen kann, um zu zeigen, unter welchen Umständen manche Menschen leben müssen. Alle willigten ein bzw. fanden es sogar wirklich gut. Mama Glori lebt mit ihrer behinderten Tochter in unmittelbarer Nähe von Mama Emanuel; der Vater hat die Familie verlassen – wie alle Väter der 5 Familien, bis auf Vater Wilson. Ihr Raum ist etwa doppelt so groß wie der von Mama Emanuel. Theoretisch hat sie Strom (anders als Mama Emanuel), wenn das Geld dafür auch tatsächlich bezahlt wird. Ansonsten sind die Zustände vergleichbar mit denen von Mama Emanuel. Sie hatte wohl einmal Kleidung ge- und verkauft, scheint derzeit aber keiner Arbeit nachzugehen. Ihr Plan wäre, Kleidung + Schuhe zu kaufen und zu verkaufen. Sie wirkte auf mich ein wenig antriebslos, anders als die anderen 4 Mütter.

Danach gingen wir noch einmal zu Mama Emanuel. Wir kannten ihr Zuhause zwar schon, aber da sie Nachbarn von Mama Glori sind, war es ein Leichtes, nochmal „Hallo“ zu sagen. Sie und ihre Kinder waren, wie immer, wenn ich sie treffe, super herzlich und irgendwie strahlen sie immer, als ginge es ihnen richtig gut. Dabei leidet Mama Emanuel unter Diabetes und hat zusätzlich ein Magengeschwür und sie sagt selber, dass sie oft große Schmerzen hat.

Als Nächstes fuhren wir zur Familie von Wilson. Er ist eines der autistischen Kinder. Als wir eintraten, begann er direkt zu schreien und ist weggelaufen. Die Familie wohnt mit 3 Kindern in 2 Räumen. Hier sieht es im Vergleich zu anderen Unterkünften ein bisschen besser aus, insbesondere gibt es im Außenbereich eine etwas bessere Kochgelegenheit. Wilson’s Vater verdient Geld durch Häuten von Kühen; ob er diese auch schlachtet, habe ich noch nicht so ganz verstanden. Die Mutter verdient ein bisschen hinzu, indem sie das Kind einer Lehrerin betreut. Vater Wilson roch ziemlich stark nach Alkohol – wie so viele Männer hier in Moshi. Ich muss aber sagen, dass er und seine Frau sehr nett waren.

Danach machten wir uns auf den Weg zu Mama Angela. Angela ist vollkommen auf fremde Hilfe angewiesen; sie kann nicht laufen, nicht sprechen und auch nicht selbständig essen. Mama Angela wohnt bei ihren Eltern und wird von ihnen, soweit wie möglich, unterstützt. Wir waren nicht im Innenbereich, aber von außen machte das Haus einen guten Eindruck. Mama Angela verdient ein bisschen Geld, indem sie durch die Straßen läuft und Erdnüsse sowie Erdnussbutter verkauft.

Als letztes fuhren wir zu Mama Rose. Sie lebt mit ihren beiden Kindern in einem Raum, der mit Fliesen ausgestattet ist; für ärmere Leute hier eher selten. Alles wirkt sauber und aufgeräumt, anders, als bei vielen anderen Familien. Sie empfing uns direkt mit Essen. Es gab Pilau (auch „Pilaw“ geschrieben) und ein wenig Gemüse. Pilau ist ein Reisgericht, das hier sehr verbreitet ist; ich mag es! Mama Rose übt mit ihrer behinderten Tochter fleißig für die Schule, was wohl dazu geführt hat, dass Rose dieses Jahr von der behinderten Klasse in die normale Klasse der Moshi Primary School wechseln konnte (ich berichtete schon kurz darüber). Mama Rose hat einen ganz kleinen Marktstand auf dem großen lokalen Markt in Moshi. „Marktstand“ bedeutet, sie hat einen kleinen Tisch, auf dem sie Gemüse anbietet (überwiegend Tomaten und Zwiebeln). Sie würde gerne ab Ende November/Anfang Dezember frische Bohnen mit in ihr Sortiment nehmen, da viele Tansanier zu dieser Zeit Gerichte mit Bohnen zubereiten und sie damit etwas mehr Geld verdienen könnte. Außerdem würde sie ihr Sortiment generell gerne um Möhren und Erbsen erweitern; ihr fehlt allerdings das Kapital dafür.

Die Entscheidung zu treffen, wen man hier wie am sinnvollsten unterstützt, ist furchtbar schwierig; man möchte am liebsten allen helfen! Zusammen mit Kagera habe ich die Entscheidung getroffen, dass erst einmal Mama Emanuel und Mama Rose unterstützt werden. Bei beiden haben wir ein gutes Gefühl, dass das klappt und damit von Dauer ist.

Am Donnerstag, 21.10.21, hat Mama Rose ihr Startkapital bekommen. Es wurde mit einem besonderen Vertrag als „Teil-Darlehen“ gegeben, was bedeutet, dass nur die Hälfte des Darlehens zurückgezahlt werden muss, sofern die monatlichen Raten immer pünktlich und vollständig gezahlt werden. Das soll ein Anreiz sein, Geld zu verdienen, um den Vertrag einhalten zu können. Ich hatte bereits einen Vertrag als Muster in meinem Computer in englischer Sprache und darunter in Deutsch. Da Mama Rose jedoch weder der englischen noch der deutschen Sprache mächtig ist, musste das ganze zusätzlich in Swahili übersetzt werden. Das haben Gott sei Dank Gladness und Eliza vom We Travel Hostel in Teamarbeit gemacht. Hätte ich Google-Übersetzer genutzt, wäre etwas komplett Falsches herausgekommen!

Die Sache mit Mama Emanuel läuft gerade – diese ist viel aufwändiger. Dazu in meinem nächsten Bericht mehr.

Selber kochen in Tansania

Am Sonntag (17.10.21) habe ich zusammen mit Dingi und Nuru gekocht. Ich wollte einmal wissen, welches Essen man hier in welcher Weise zubereitet. Die Tansanier essen meist Reis oder Ugali. Ugali besteht nur aus Maismehl und Wasser. Es wird gekocht, bis ein Brei entsteht. Dazu gibt es viel Gemüse, das kleingeschnitten und in Öl gedünstet wird. Hat man ein bisschen mehr Geld, nutzt man Sonnenblumenöl. Sofern es der Geldbeutel zulässt, gibt es dazu Fleisch oder Fisch; wir hatten uns für Fisch entschieden, denn das Fleisch finde ich hier ziemlich zäh.

Da die Märkte hier jeden Tag geöffnet sind, konnten wir das Gemüse am Sonntag frisch kaufen. Einkaufen auf dem Markt ist immer wieder ein Erlebnis! Das Gemüse hat 8.300 TZS gekostet, umgerechnet ca. 3,14 €.

Den Fisch hatten wir schon 2 Tage vorher gekauft. Ein kleiner Eimer voll Fisch kostet umgerechnet ca. 3,78 €.

Treffen mit Pastor Njau und Pastor Tumaini und Neues von Invocavity

Am Donnerstag (14.10.2021) war in Moshi Feiertag, Nyerere-Day, der Todestag des ersten tansanischen Präsidenten Julius Kambarage Nyerere (13.04.1922 – 14.10.1999). Er wurde 1960 Ministerpräsident und führte am 9.12.1961 das seit 1919 unter britischer Hoheit stehende ostafrikanische Gebiet Tanganjika in die staatliche Unabhängigkeit. Nyerere sieht man heute noch auf der Vorderseite der tansanischen 1.000 Schilling Banknote (umgerechnet sind 1.000 TZS ca. 0,37 €).

Aufgrund des Feiertages waren die Schulen geschlossen, so dass ich die Zeit nutzte, um mich mit den neuen Pastoren der Longuo Lutheran Church zu treffen. Invocavity, der inzwischen wieder verfügbar war (dazu später mehr) holte mich morgens mit dem Tuk-tuk ab. Allerdings war er nicht der Tuk-tuk-Fahrer, denn er hatte immer noch kein Tuk-tuk zur Verfügung. Wir trafen uns mit seiner Mutter und den Pastoren bei der Kirche. Ich hatte ein sehr nettes und ausgiebiges Gespräch mit ihnen. Pastor Njau, der Nachfolger von Pastor Mosh, möchte hier einiges vorantreiben. Seine Idee ist, die behinderten Kinder von der Moshi Primary School auf das Gelände direkt neben seiner Kirche umzusiedeln. Der Vorteil wäre, das Gelände gehört der Kirche und man wäre freier in seinen Entscheidungen; bei der Moshi Primary School sind die Kinder dort ja lediglich „geduldet“; das Gelände dort gehört dem Staat. Pastor Njau sieht weitere Vorteile insofern, als er meint, dass es die meisten Kinder nicht mehr so weit zur Schule hätten und somit mehr Kinder zur Schule kämen, denn für manche Kinder ist der Schulweg zu weit; manche können aufgrund ihrer Behinderung nicht so weit laufen und die Eltern haben keine Transportmöglichkeit. Zusätzlich würde für eine bessere Betreuung gesorgt werden können. Ich werde das Projekt mit ihm nächste Woche nochmal besprechen, denn eine Sache würde meines Erachtens fehlen: momentan gibt es 3 speziell für behinderte Kinder ausgebildete Lehrer. Diese sind aber vom Staat angestellt. Wer unterrichtet dann also die Kinder?

Ja, und dann ist da noch die Geschichte von Invocavity. Man hatte ihn tatsächlich von Montag abend bis Mittwoch früh inhaftiert. Ich hatte ja bereits berichtet, dass dies in Tansania üblich ist. Allerdings hat man ihn nicht geschlagen, um ihn unter Druck zu setzen und die Wahrheit zu sagen, falls seine Geschichte nicht die Wahrheit war. Da Invocavity sein Tuk-tuk an einem Ort abgestellt hatte, wo es eine Überwachungskamera gab, konnte man wohl den Dieb sehen. Bis heute fehlt allerdings jede Spur von ihm und dem Tuk-tuk. Wie das mit Invocavity und dem Eigentümer des Tuk-tuk’s nun weitergeht, weiß ich noch nicht. Ob sich Invocavity ein anderes Tuk-tuk leihen kann, steht scheinbar noch nicht fest, denn die meisten Tuk-tuk’s s hier in Moshi sind bereits vermietet.

Mama Mushi wollte, dass wir nach dem Treffen noch zu ihr nach Hause gehen um ihre 81-jährige Mutter, die dort für eine Weile lebt, zu besuchen. Der Fußweg führte an dem Gelände des KCMC-Hospitals vorbei und dauerte nur ca. 15 Minuten.

Anschließend fuhren wir in ein Restaurant nach Moshi Town. In dieses Restaurant gehen eher Einheimische, kaum Touristen. Umgerechnet kostete dort das Essen inkl. Getränke pro Person rd. 4,60 €. Für einen Tansanier ist das sehr viel Geld, bedenkt man, dass der Verdienst z.B. eines Kochs manchmal nur bei 57 € pro Monat (netto) liegt.

Ein Besuch bei Mama Emanuel

Am Dienstag (12.10.2021) erwartete mich morgens in der Schule schon ein Handwerker, den wir bestellt hatten, um sich die notwendige Reparatur der im letzten Jahr gebauten Schaukel anzusehen und außerdem einen Blick auf ein ziemlich demoliertes Gestänge zu nehmen, das vor etlichen Jahren einmal eine Schaukel gehalten hatte. Dieses Gestänge sollte zusätzlich repariert werden um dann hieran eine neu zu bauende Schaukel aufzuhängen. BCC hatte bereits vor längerer Zeit ein Angebot eingeholt, hat dann letztlich aber doch kein Geld hierfür verwendet. Da ich die Schaukeln als wirklich sinnvoll erachte – zum einen haben die Kinder mächtigen Spaß und zum anderen beruhigt es die Autisten, wenn sie auf der Schaukel sitzen können – bin ich in das Angebot eingetreten; alles zusammen für 300.000 TZS = 114,50 €. Die Schaukeln müssten in Kürze fertiggestellt sein. Die im letzten Jahr gebaute und von deutschen Spendengeldern finanzierte Schaukel wurde von Leuten von außerhalb demoliert; scheinbar dadurch, dass zu viele Leute gleichzeitig auf ihr gesessen hatten. Nun ist nachts und am Wochenende ein Sicherheitsdienst zugegen. Außerdem werden derzeit Überlegungen angestellt, ob ein Teil des Geländes eingezäunt werden könnte. Ich bin bzgl. einer Einzäunung zusammen mit Kagera zu einer anderen Schule gefahren, da er meinte, wir könnten uns dort eine Idee holen; wir arbeiten noch daran.

Nachmittags bin ich dann mit Kagera zu Mama Emanuel gefahren. Wir haben als Taxi ein Motorrad genommen – das ist hier neben einem Tuk-tuk üblich; Helme werden hier im Normalfall allerdings nicht getragen. Dass wir zu Dritt darauf gesessen haben, war schon spannend; der Fahrer vorne, Kagera hinten und ich in der Mitte. Erlaubt ist das eigentlich nicht, aber man sieht viele Motorräder in dieser Weise besetzt. Wird man angehalten, was sehr selten vorkommt, muss eine Strafe bezahlt werden, aber sonst scheint nichts weiter zu passieren. In dem Gebiet, in dem Mama Emanuel lebt, leben viele sehr arme Menschen. Mama Emanuel ist die Mutter des Jungen Emanuel, der das Down-Syndrom hat (ich berichtete bereits kurz von ihm). Wenn man sieht, wie Mama Emanuel lebt, dann überlegt man, wie man das jemandem beschreiben soll. Und bei einem solchen Anblick wird mir immer wieder bewusst, wie abgesichert man doch in Deutschland ist! Ich fragte Mama Emanuel, ob ich Bilder machen dürfte, um anderen Menschen zu zeigen, unter welchen Umständen manche Menschen in und um Moshi leben müssen. Ich fragte in Englisch, da meine Swahili-Kenntnisse dafür noch nicht ausreichen, zusätzlich fragte Kagera auf Swahili, damit es auch keine Missverständnisse geben konnte; Mama Emanuel fand es gut, dass ich darüber berichten wollte.

Mama Emanuel’s Ehemann hat die Familie verlassen. Das tun sehr viele Väter von behinderten Kindern, da sie ohne ihre Ehefrauen und behinderten Kinder bessere Entwicklungsmöglichkeiten haben. Traurig, aber die Sitten hier in Afrika sind eben sehr rauh! Mama Emanuel lebt mit ihrem behinderten Kind und ihrem Zweitgeborenen nicht behinderten Kind in einer Region ziemlich weit weg von Moshi Town mitten im Wald. Sie hat nur 1 Raum in dem ein Bett steht und damit ist der Raum auch quasi schon ausgefüllt. In dem Bett schläft sie zusammen mit ihren beiden Kindern. Gekocht wird draußen an einer Feuerstelle. Die Waschmöglichkeit und Toilette sind ebenfalls draußen. Eine Dusche gibt es nicht. Wenn sie „duschen“ möchte, kippt sie sich einen Eimer Wasser über den Körper – natürlich kalt. Wasser holt sie vom Nachbarn. Das Wasser ist – soweit ich das verstanden habe – von morgens 6 oder 7 Uhr bis abends ca, 7 Uhr verfügbar, danach läuft kein Wasser mehr. Wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, kann man es sich gar nicht wirklich vorstellen, selbst die Bilder drücken nicht das aus, wie es tatsächlich ist!

Wiedersehen in der Schule

Am Montag früh (11.10.2021) hatte mich Invocavity, wie vereinbart, um 9h im Hotel abgeholt und zur Schule gebracht. Dort war die Wiedersehensfreude groß – besonders mit Mama Mushi. Die beiden Lehrer, Kagera und Dodo, unterrichten nach wie vor an dieser Schule. Es sind einige neue Kinder hinzugekommen, allerdings mussten auch manche Kinder die Schule aufgrund ihres Alters verlassen. Zwei der Kinder haben es sogar geschafft, in die normale Grundschule zu wechseln, die auf demselben Gelände ist – einfach klasse! Emanuel, mein kleiner Freund, der das Down-Syndrom hat, hat mich zur Begrüßung direkt umarmt. Er ist immer fröhlich und gut drauf! Kagera meinte, er hätte mich erkannt, auch wenn es fast 1 Jahr her ist, dass er mich das letzte Mal gesehen hat. Über „Corona“ darf man hier nicht nachdenken. Abstand von Behinderten zu halten, ist schwierig und tut mir außerdem in der Seele weh; gut, dass ich geimpft bin! Zusätzlich nehme ich „Cistus Plus“ aus dem Reformhaus und Manuka-Honig, auf den ich ja in jeder Beziehung schwöre!

Von dem Unterricht am Montag früh war ich ziemlich begeistert. Die Lehrer schienen viel engagierter zu sein, als im letzten Jahr.  Eigentlich wollte ich an diesem Tag auch direkt die neue Schulleiterin begrüßen, allerdings war sie nicht da, so dass ich entschied, direkt am Dienstag früh wieder zur Schule zu fahren, um sie kennenzulernen.

Wie ich ja schon in meinem letzten Bericht erwähnte, konnte mich Invocavity am Dienstag nicht mit seinem Tuk-tuk abholen, so dass mich ein anderer Tuk-tuk-Fahrer zur Schule brachte. Von ihm ließ ich mich an der Universität absetzen. Von dort aus brauchte ich nur noch über das Universitätsgelände zu laufen und erreichte nach einem 10-minütgien Fußweg auch schon die Moshi Primary School. Die Leute auf dem Universitätsgelände sind immer super freundlich (und nicht nur dort) und man begrüßt sich am Morgen automatisch mit „Habari za asubuhi“, was „Guten Morgen“ bedeutet, aber eigentlich übersetzt ist mit: „Wie ist der Morgen?“ oder „Wie sind die Informationen über den Morgen?“ und man antwortet darauf mit „Nzuri“, was „Gut“ bedeutet. Man grüßt aber auch mit „Mambo“, heißt „Hallo“ und geantwortet wird mit „Poa“, was „Gut“ bedeutet. Allerdings grüßt jemand, der jünger ist als der zu Grüßende, niemals mit „Mambo“. Auf dem Weg zur Schule hat man einen tollen Blick auf den Kilimanjaro.

Zunächst wollte ich zu Mama Mushi gehen, um zu erfahren, was mit ihrem Sohn, Invocavity, passiert war und wie es ihm ging. Mama Mushi hatte die Schule allerdings schon wieder verlassen; sie war nur kurz zur Schule gekommen, um mitzuteilen, dass sie mit ihrer Mutter zum Krankenhaus gehen müsse. Bei Kagera holte ich mir Informationen über die Art und Weise, wie man sich hier als Angestellter krank melden müsse. Kagera sagte, dass man zur Schule gehen müsste um sich krank zu melden. Wenn man selber nicht in der Lage wäre, zur Schule zu gehen (manche schleppen sich allerdings zur Schule), müsse man ein Familienmitglied oder einen Nachbarn um Hilfe bitten, dies zu erledigen. Ein Anruf – so Kagera – würde als Krankmeldung nicht ausreichen.

Als nächstes ging ich in das Büro der Schulleiterin (ein äußerst kleiner Raum), um sie kennenzulernen. Sie ist eine sehr sympathische Frau, die scheinbar ein bisschen schneller Dinge verändern oder voran treiben möchte, als der vorangegangene Schulleiter; ich glaube, das ist hier für Frauen typisch.

Der von Pastor Anna von BCC im letzten Jahr versprochene Bau der Farm ist übrigens nicht erfolgt (die Farm sollte – nach Aussage von Pastor Anna – im Januar/Februar 2021 fertig sein); ziemlich traurig. Der Grund sei, dass man auf dem Grund und Boden der Regierung nun doch nichts errichten wollte. Ich erfuhr einige Tage später dann, bei einem Besuch des neuen Pastors der Longuo Lutheran Church (sie kümmert sich zusammen mit BCC um die behinderten Kinder), dass die behinderten Kinder evtl. zu einem anderen Ort umziehen sollen; dazu in einem anderen Bericht mehr.

Nach dem Meeting mit der Schulleiterin sah ich mir noch die Klassenräume der „normalen“ Grundschule an. In 7 von 9 Klassenräumen fehlen Elektroleitungen, so dass die Kinder hier in der Winterzeit im Dunkeln sitzen; sie werden – so die Aussage von Kagera – trotzdem unterrichtet.

Später fuhr ich mit Kagera in die Stadt, da dringend ein Teppich für den Klassenraum der behinderten Kinder benötigt wurde. Er sollte zum Spielen, insbesondere für die autistischen Kinder, sein. Wir gingen in verschiedene Geschäfte um die Preise zu vergleichen und erstanden letztlich ein Stück blauen Teppichboden in der Größe 3,5m x 2m. „Blau“, da diese Farbe eine beruhigende Wirkung auf Autisten hat. Preis: 96.000 TZS, umgerechnet 36,64 € (= 5,23/qm); für hiesige Verhältnisse sehr teuer! Er hat aber auch eine wirklich gute Qualität, so dass ich davon ausgehe, dass er strapazierfähig ist und somit nicht so schnell kaputt geht. Beim Teppichkauf lief uns Sekunda zufällig über den Weg, der uns half, den Teppich zur Schule zu transportieren. „Blau“ wirkt übrigens nicht nur beruhigend auf Autisten. Die Farbe „blau“ steht generell für Entspannung, Ruhe und Gelassenheit. Sie wird eingesetzt bei Unruhezuständen, Aggressionen oder auch Schlafproblemen. Okay, Schlafprobleme habe ich nun weiß Gott nicht, aber vielleicht sollte ich „blau“ trotzdem auch mal ausprobieren, um in manchen Situationen gelassener zu reagieren?!

Merkwürdige Geschehnisse

Mit Invocavity, „meinem“ Tuk-tuk-Fahrer, hatte ich am Samstag vereinbart, dass er mich am Sonntag früh abholen sollte, damit wir zusammen zur Longuo Lutheran Church, nahe dem KCMC-Krankenhaus, fahren konnten um dort seine Mutter zu treffen und zusammen zur Kirche zu gehen. In einem Telefonat am Sonntag früh erklärte er mir, dass er mich aufgrund eines Problems mit seinem Tuk-tuk nicht abholen könnte. Er würde mich aber bestimmt am Montag früh abholen und mich zur Moshi Primary School bringen.

Ich entschied kurzfristig, zur Moshi Lutheran Church zu gehen, denn diese liegt nicht weit entfernt von meinem Hotel und ist somit fußläufig. Es war – wie immer – ein Erlebnis, in der Kirche zu sein. Ich hatte mich absichtlich in die vorletzte Reihe gesetzt, weil ich mir zum einen nicht sicher war, ob ich tatsächlich 1 1/2 Stunden in der Kirche zubringen wollte, zumal ich ja kein Wort verstand, und zum anderen frische Luft haben wollte. Meine Maske hatte ich zunächst nicht aufgesetzt, denn die Kirche war um 9:40h relativ leer. Als sie sich dann bis zum Beginn der Messe um 10h doch sehr füllte und neben als auch vor und hinter mir Leute saßen, zog ich schließlich doch meine Maske auf. Ich war im übrigen auch nicht die Einzige, die eine Maske trug, allerdings sah man nicht wirklich viele Maskenträger.

Am Montag früh holte mich Invocavity, wie verabredet, um 9h im Hotel ab. Ich fragte ihn nach dem Problem seines Tuk-tuks worauf er meinte, dass es am Samstag gestohlen worden sei. Er habe das Tuk-tuk für etwa 1 Stunde abgestellt und abgeschlossen und als er zurückkam, wäre es weg gewesen. Er war auch schon bei der Polizei und müsse am Montag nochmals dorthin. Das Tuk-tuk ist nicht sein eigenes, sondern er mietet es von jemandem. Nach der Schule hatte Invocavity mich wieder nach Moshi Town gebracht und wir hatten verabredet, dass er mich am Dienstag (also heute, 11.10.21) wieder abholen und zur Schule bringen würde. Gestern Abend um 17:30h schrieb er mir eine WhatsApp-Nachricht in der er mir mitteilte, dass es ihm leid täte, aber er könne mich am Dienstag früh nicht abholen, weil man ihn eingesperrt hätte. Ich versuchte direkt, ihn zu erreichen, aber leider vergebens.

Ich hatte abends ein Meeting mit meinem Safari-Guide John (mit dem ich letztes Jahr auf Safari war und zu dem ich auch von Deutschland aus immer den Kontakt halte) und fragte ihn, wie ich das ganze verstehen solle. John sagte, dass es nicht unüblich sei, dass Leute behaupten, es sei ihnen etwas gestohlen worden, deren Besitzer sie allerdings gar nicht sind, und dann haben sie es letztendlich selber entwendet. Er meinte, dass man Invocavity eingesperrt hätte, um unter gewissem Druck herauszufinden, ob er das Tuk-tuk selber entwendet hat.

Auch heute habe ich mehrere Male versucht, Invocavity per WhatsApp und über meine tansanische Telefonnummer zu erreichen, aber es kommt nur eine Ansage, er sei nicht verfügbar. Mama Mushi, seine Mutter, die für die behinderten Kinder in der Schule sorgt, war heute früh, bevor ich dort war, nur kurz in der Schule und teilte mit, sie müsse sich um ihre kranke Mutter kümmern und sie ggf. ins Krankenhaus bringen. Hm,….. ? Ich mache mir jetzt wirklich Sorgen um Invocavity, zumal ich von Dingi die Information habe, dass die Polizei hier nicht zimperlich ist. Sie versuchen oft, die Wahrheit mit Stöcken aus den Leuten heraus zu prügeln! Dingi’s Worte: „Sie schlagen sie oft halb tot.“

Morgen Früh bin ich um 9:30h wieder in der Schule und hoffe, dass Mama Mushi dort ist und ich irgendetwas erfahre.

Covid 19 – wie geht es weiter?

Am Donnerstag früh (07.10.21) empfingen mich Gladness, Eliza und Mwesa zum Frühstück – was für eine Wiedersehensfreude! Bahati hatte ich erst am Nachmittag getroffen und auch hier war die Freude natürlich riesig!

Eigentlich war mein Plan, am Donnerstag oder spätestens Freitag zur L Primary School zu gehen um die behinderten Kinder zu besuchen, aber ich erfuhr, dass die Lehrer zur Fortbildung in Arusha (ca. 80 km von Moshi entfernt) und die behinderten Kinder daher nicht in der Schule waren. Außerdem sagte man mir, dass die Kinder grundsätzlich freitags nicht mehr in der Schule sind, sondern von Sister Woinde von BCC (Organisation, die sich um behinderte Menschen kümmert) und von einem Lehrer zuhause besucht werden.

Nun hatte ich also mehr Zeit als geplant, die ich dafür nutzte, erst einmal Geld umzutauschen und mich mit mir bekannten Tansaniern zu treffen, um etwas über die Situation in und um Moshi herum zu erfahren. Man sagte mir, dass die Situation in den Monaten April bis Juni 2021 sehr schlimm war; in diesen 3 Monaten sind wohl besonders viele Menschen gestorben. Ob es nun nur an „Corona“ lag, weiß man in den meisten Fällen nicht. Seit dem Tod des tansanischen Präsidenten, John Magufuli, im März 2021, der als Corona-Skeptiker die Existenz des Corona-Virus dementierte, geht die neue Präsidentin, Samia Suluhu Hassan, wesentlich offener mit dem Thema „Covid 19“ um. Mir wurde gesagt, dass sich jeder kostenfrei impfen lassen kann. Zwei Tansanier haben mir erzählt, dass es hierbei nur folgendes Problem gibt: man braucht eine Personal ID. Diese hat aber nicht jeder, insbesondere nicht die armen Leute. Viele Leute haben nicht einmal eine Geburtsurkunde und die ist eigentlich notwendig, um eine Personal ID zu bekommen. Mit Geld lässt sich da natürlich eine Lösung finden, nur Geld haben die armen Leute nun mal nicht. Von einem Angestellten des „We Travel Hostel“ habe ich allerdings die Information, dass man die Impfung auch ohne eine Personal ID bekommt; man erhält dann nur kein entsprechendes Zertifikat. Reicht man entweder die Persona ID, einen Führerschein oder eine Wahlberechtigung nach, erhält man nachträglich ein entsprechendes Impfzertifikat (er hatte sich für mich telefonisch extra bei einem Arzt erkundigt). Ich werde mich in den nächsten Tagen auf jeden Fall mal um das Thema „Impfungen“ kümmern. Manche Tansanier denken, sie würden nach der Impfung sterben. Das ist vermutlich der Situation geschuldet, dass einige Tansanier verstorben sind, nachdem sie die Impfung bekommen haben; wahrscheinlich hatten diese aber bereits eine Corona-Infektion und sind letztlich daran gestorben. Zusätzlich hatte der ehemalige Präsident der Bevölkerung vermittelt, dass Impfungen sehr gesundheitsschädlich oder sogar tödlich seien. Hier wird übrigens der Impfstoff von Johnson & Johnson und ein chinesischer Impfstoff eingesetzt; den Namen konnte mir bisher niemand sagen. Im Internet habe ich herausgefunden, dass es wohl der sog. „Sinopharm-Impfstoff“ ist. China spendete im Rahmen der internationalen COVAX-Impfinitiative 1.065.000 Dosen und weitere 435.000 sollen folgen. Bisher wurden ca. 1% -1.4% der tansanischen Bevölkerung vollständig geimpft.

An einem Schulgebäude der Moshi Primary School hängt noch ein Plakat, auf dem die Verhaltensregeln bzgl. Covid 19 erklärt sind. Bis auf das Tragen der Masken hat man diese – so die Auskunft des Lehrers Kagera – eingehalten. Nur derzeit befolgt man die Regeln nicht mehr, weil man von „Corona“ nichts mehr spürt; es ist heiß und somit scheint das Virus hier kein Problem zu sein.

Aller Anfang ist schwer

Meine diesjährige Tansania-Reise begann damit, dass ich meinen Flug umbuchen musste. Eigentlich hatte ich meinen Reiseantritt bereits für den 23.9.2021 geplant und dementsprechend auch bereits den Flug gebucht, aber da ganz kurzfristig beruflich etwas dazwischen gekommen war, musste ich meinen Flug umbuchen, so dass ich erst am 06.10.2021 starten konnte.

Wer mich kennt, weiß, dass ich die Nacht vor dem Abflug immer durchmache, aus Angst, ich könnte verschlafen und das Flugzeug verpassen. Also habe ich auf meinen Schlaf am Dienstag Nacht verzichtet und stattdessen meine Koffer gepackt und noch Kleinigkeiten organisiert. Das Kofferpacken war gar nicht so einfach, durfte ich doch in 2 Koffer jeweils max. 23 kg packen. Da ich wieder unglaublich viele Spenden mitzunehmen hatte und zwar in Form von Kleidung, Malbüchern, Buntstiften, Spielen und Brillen, musste ich so platzsparend wie möglich packen um möglichst viele Sachen mitnehmen zu können. Am Ende musste ich leider ein paar Sachen in Kaarst zurücklassen, da es vom Gewicht nicht hinkam; also habe ich schon etwas für meinen nächsten Trip nach Tansania. An dieser Stelle danke ich wieder tausend Mal meiner Familie, Freunden und Bekannten sowie den Mitarbeitern von Augst & Lickes PartG mbB und von Georg Lickes für die tollen und zahlreichen Spenden – DANKE!

Hier nur ein Teil der Spenden.

Um 3h wurde ich zuhause vom Taxi abgeholt. Ca. 3:30h am Düsseldorfer Flughafen angekommen, hieß es dann mit 2 Koffern (46 kg) und Handgepäck (10 kg) zum Schalter gehen. „Handgepäck“ bedeutet an dieser Stelle 1 Reisetasche gefüllt mit meinem Laptop und entsprechendem Zubehör, einigen Spendensachen u. Schuhen, 1 Handtasche gefüllt mit Reisedokumenten, Geld etc. und 2 Paar Kinderkrücken, die mir meine Schwester als Spende mitgegeben hatte und die ich nun als drittes Handgepäck mit mir trug, obwohl nur zwei erlaubt waren. Bis der Schalter geöffnet wurde und ich an der Reihe war verging mind. 1 Stunde. Am Schalter ergab sich dann eine Situation, die für mich mal wieder typisch war – ich hatte ein Gesundheitsformular, das für die Einreise nach Tansania nötig war, nicht ausgefüllt. Dieses Formular hätte ich mind. 24 Stunden vor Ankunft in Tansania ausfüllen müssen. Hm, nun stand ich da und konnte nicht einchecken! Hinzu kam, dass die Mitarbeiterin auch noch furchtbar unfreundlich war. Ich bekomme zwar nicht so schnell Panik, aber dennoch wurde mir etwas mulmig zumute, denn ich wurde zur Seite geschickt mit den Worten „ Dann füllen Sie mal das Formular schnell Online aus und dann müssen Sie eben abwarten ob man Sie einreisen lässt.“ Das Formular auszufüllen war für mich schon eine Herausforderung und hätte mir nicht ein super nettes Ehepaar geholfen, weiß ich nicht was passiert wäre. Aber eines ist immer wieder schön: durch Situationen wie diese habe ich schon manche super nette Menschen kennengelernt, die ich sonst nicht kennengelernt hätte! Also insofern alles gut! Letztendlich hatte es dann mit dem Einchecken doch noch geklappt. Und die Krücken als drittes Gepäckstück mitzunehmen, war auch kein Problem, obwohl die „freundliche“ Mitarbeiterin am Schalter meinte: „Na, dass Sie die mit ins Flugzeug nehmen dürfen, kann ich mir aber nicht vorstellen!“

Um 6:20h ging der erste Flug mit dem Cityhopper von Düsseldorf nach Amsterdam. Neben mir saß eine 26-jährige junge Frau, Myriam, mit der ich sofort ins Gespräch kam und wir lagen direkt auf einer Wellenlänge. Sie ist Mexikanerin, macht bei van der Valk in Düsseldorf eine Ausbildung zur Hotelkauffrau und war auf dem Weg nach Mexiko um ihre schwer an Krebs erkrankte Mutter zu besuchen. Ihren Arbeitgeber, der ihr kurzfristig Urlaub gegeben hatte, hat sie unglaublich positiv beschrieben; es war toll, ihr dabei zuzuhören. Myriam hat ein echtes Problem – sie weiß noch nicht, ob sie tatsächlich wieder nach Düsseldorf zurückkehrt, denn sie möchte sich um ihre Mutter und ihre 23-jährige Schwester kümmern. Andererseits findet sie es unglaublich wichtig, ihre Ausbildung in Deutschland zu beenden. Wir haben unsere Nummern ausgetauscht und bleiben in Kontakt – haben auch schon über WhatsApp geschrieben. Weil wir uns so gut verstanden, hatten wir die Zeit auf dem Schiphol Flughafen bis zu meinem Check-in zusammen verbracht.

Gegen 10:00h begann dann das Boarding für den Flug zum Kilimanjaro International Airport. Das Flugzeug war voll besetzt! Ich schätze, es waren mindestens 390 Passagiere an Bord. Ich hatte einen Fensterplatz und die beiden Plätze neben mir waren ebenfalls besetzt. Die Maske musste den Flug über getragen werden. Wir starteten um 11:00h, Ankunftszeit war 20:20h Ortszeit; die Flugzeit betrug damit 8 Stunden 20 Minuten, denn die Zeitverschiebung zwischen Tansania und Deutschland beträgt 1 Stunde – zumindest noch bis zum 30.10.2021. Der Flug war super ruhig, keine Turbulenzen, aber geschlafen habe ich trotzdem nicht. Nach der Landung fing dann das Chaos an: auf dem Weg zum Flughafengebäude musste man erst einmal seine Boardingkarte vorzeigen, um das Rollfeld verlassen zu dürfen. Anschließend stellte ich mich an eine unglaublich lange Menschenschlange an, um dann nach ca. ½ Stunde beim 2. Checkpunkt anzukommen, wo ich meinen Reisepass vorzeigen musste als auch Fieber gemessen wurde. Danach musste man zu einem 3. Checkpunkt und einen Zettel vorweisen, den man beim 2. Checkpunkt erhalten hatte. Dieser zeigte, in welcher Schlange man sich im Flughafengebäude anstellen musste; ich stand nun in der Schlange zur Visumbeantragung. Bisher war es immer super einfach, das Visum direkt am Kilimanjaro International Airport zu beantragen – war bisher nur eine Minutensache – dieses Jahr war die Schlange aber so lang, dass es eine knappe Stunde dauerte, bis ich nun am 4. Checkpunkt an der Reihe war. Nochmals den Reisepass vorzeigen, Fingerabdrücke nehmen, Foto machen und ab zum 5. Checkpunkt wo dann der Betrag für’s Visum bezahlt werden musste. Merkwürdig war nur, dass ich nirgends meinen PCR-Test vorzeigen musste, der Voraussetzung für die Einreise nach Tansania ist; ich kann mir nicht vorstellen, dass das in Tansania alles schon online geht, aber wer weiß?! Jetzt hieß es nur noch meine Gepäckstücke zu nehmen, die schon vom Band genommen waren, und durch die Kontrolle zu gehen. Meine größte Sorge war, meine Koffer öffnen zu müssen, denn ich hatte mindesten 20 Brillen im Gepäck, die ich hier in und um Moshi verteilen möchte. In 2018, als ich das erste Mal mit Yvonne nach Tansania geflogen bin, musste sie nämlich ihre Koffer öffnen und die Brillen, die sie im Gepäck hatte, am Flughafen zurücklassen. Die Kontrolle ging reibungslos – keiner interessierte sich für den Inhalt meiner Koffer. Jetzt waren inzwischen fast 2 ½ Stunden vergangen und ich konnte endlich das Flughafengebäude verlassen, in dem es natürlich aufgrund der hohen Temperatur und der Pflicht Maske zu tragen extrem warm war. Draußen wurde ich von Dingi, den ich bereits vor 2 Jahren in Moshi kennengelernt hatte und seitdem in regelmäßigem Kontakt stehe, und von Edward, der als Fahrer geschickt wurde, herzlich begrüßt. Die schönste Begrüßung folgte allerdings im Hotel, in dem ich gegen 23:45h ankam. Was ich nicht wusste war, dass die drei Mitarbeiterinnen des „We Travel Hostel“ – Gladness, Bahati und Eliza – bis 22h als Empfangskomitee auf mich gewartet hatten. Nachdem sie merkten, dass es bei mir länger dauerte, blieb nur Eliza dort, die an diesem Abend Dienst hatte. Es war eine riesengroße Wiedersehensfreude! Als ich dann mein Zimmer betrat, war ich vom Anblick meines Bettes total gerührt.

Nach einem kurzen Snack in der Nähe des Hotels fiel ich dann irgendwann gegen 1 Uhr todmüde ins Bett; kein Wunder, ich war ja auch schon 43 1/2 Stunden auf den Beinen!