Abschied unter Tränen

Vorgestern war mein letzter Tag in Tansania – leider! Yvonne bleibt noch eine Woche länger.

Eigentlich waren wir vorgestern Morgen um 8 Uhr mit Mama Mushi in der Schule verabredet und wollten zusammen mit ihr zum BCC-Office gehen, dort den Pastor treffen und über die Gegebenheiten in der Schule sprechen. Weil ich morgens noch Dinge bzgl. meines Check-Outs im Hotel regeln musste, waren wir erst gegen 8:30h in der Schule. Da Mama Mushi noch nicht da war, gingen wir schon mal in Richtung Universität, wo wir ein Tuk-Tuk (Minitaxi) anhalten wollten, das uns nach Moshi-Town bringen sollte. Mama Mushi kam uns entgegen und wusste von unserem Meeting nichts; tja, das nennt man Kommunikationsproblem. Um nicht unnötig Zeit zu verlieren, versuchten wir, Mama Mushi zu erklären, dass wir dann schon mal alleine zu BCC fahren würden und sie sollte doch nachkommen; auch hier gab es wohl ein Verständnisproblem (man muss wissen, dass Mama Mushi weder gut Englisch spricht noch gut versteht. Yvonne kann zwar einiges auf Swaheli sagen, aber für eine komplette Konversation reicht es natürlich nicht). Wie auch immer, wir gingen also durch das Unigelände, das direkt neben „unserer“ Grundschulde ist und versuchten ein Tuk-Tuk zu bekommen. Da Yvonne nur die Richtung wusste, aber keine Adresse hatte (ich war vollkommen ahnungslos!), fragten wir verschiedene Tuk-Tuk-Fahrer, ob sie uns zu BCC fahren könnten, aber niemand kannte diese Organisation. Selbst der Wachmann bei der Universität, den ich verzweifelt nach BCC fragte, kannte die Organisation nicht. Also sind wir erst einmal in die Stadt gefahren wo wir auch nochmal nach BCC fragten; NIEMAND kannte die Organisation! Wir sind letztlich unverrichteter Dinge zur Schule zurückgefahren.

Kurze Zeit darauf kam der Pastor zusammen mit einem Mann, dessen Funktion mir nicht so ganz bekannt ist, der wohl aber irgendwelche Aufgaben in der Kirche bzw. Gemeinde übernimmt; mit ihm hatten wir in der vorangegangenen Woche auch schon ein Treffen in der Pfarrei. Wir erzählten sehr lange mit ihm und berichteten ihm offen, welche Missstände wir bei der Betreuung der behinderten Kinder erlebt haben. Er war sichtlich entsetzt und meinte, dass die beiden Lehrerinnen besonders ausgebildet sind, was wir ja bereits wussten. Angestellt sind sie beim Staat, so dass es vermutlich schwierig sein wird, hier etwas zu ändern. Nach unserem wirklich ausgiebigen Gespräch, ging der Pastor zum Schuldirektor um ihm das ganze vorzutragen. Bei meiner kurz darauf folgenden Verabschiedung sagte der Direktor sowie eine der Lehrerinnen noch ein paar nette Worte; ebenso auch der Pastor. Und als letztes war ich dann an der Reihe, wobei so etwas für mich immer schwierig ist, da ich so nah am Wasser gebaut und immer so gerührt bin, dass bei mir regelmäßig die Tränen fließen. So natürlich auch dieses Mal! Da ich die Lehrerinnen mit meiner Kritik nicht bombardieren wollte – schließlich war ich ja nur ein paar Tage in dieser Schule und muss dann nicht daherkommen und die Arbeit schlecht machen – sagte ich nur, dass ich hoffe, man kümmert sich ein bisschen mehr um die Kinder, schließlich könnten sie sich nicht selber kümmern und seien auf die Hilfe der Lehrerinnen angewiesen. Ich denke, es war damit rübergekommen, was ich kritisiere. Yvonne und ich bekamen dann noch ein Geschenk in Form eines Stoffes, den man als Umhang tragen kann (ich werde mir wohl ein tansanisches Kleid daraus machen lassen) und in Form von Kaffeebohnen. Der Abschied von den Kindern fiel mir besonders schwer – hatte ich sie doch wirklich schon in mein Herz geschlossen!

Bevor mich abends um 18:45h ein Taxifahrer beim Hotel abholte, habe ich mit Yvonne noch bei der benachbarten Taverne etwas getrunken und die vergangenen zwei Wochen Revue passieren lassen. Yvonne fragte mich nach meinen Eindrücken von Tansania. Ganz ehrlich, ich kann überhaupt nichts Negatives über Tansania sagen! Das, was ich vorher im Internet gelesen hatte und wovor ich auch von manchen meiner Freunde, Bekannten oder Familie gewarnt worden bin, insbesondere die hohe Kriminalität und Gewaltbereitschaft, habe ich in keinster Weise erfahren und kann sie damit nicht bestätigen. Es wird sie möglicher Weise geben, aber die gibt es in Deutschland und anderen Ländern auch! So lange man sich an die Regeln hält, behaupte ich, passiert einem auch nichts. Natürlich geht man abends nach Einbruch der Dunkelheit als Weiße(r) in Tansania nicht mehr raus. Selbstverständlich holt man sein Portemonnaie nicht auf der Straße raus – das muss ja auch nicht sein! Und klar ist auch, dass man durch sein Auftreten nicht noch verstärkt den Anschein erwecken soll reich zu sein. Selbstverständlich trinkt man kein Leitungswasser, isst kein ungeschältes Obst oder isst Dinge, die nur gewaschen, nicht aber gekocht sind, wie z.B. Salat. Ich habe mich an diese Regeln gehalten und habe weder Kriminalität erfahren noch Gesundheitsprobleme bekommen. Und noch etwas: ich hatte meine Kamera nach der Safari blöder Weise im Jeep vergessen, was mir erst am folgenden Tag abends aufgefallen war. Yvonne hatte daraufhin die Bekannte angerufen, die sich darum gekümmert hatte, dass wir die Safari machen konnten. Sie führte dann wohl ein paar Telefonate – Fazit: der Guide hat die Kamera gefunden und gibt sie bei Yvonne’s Bekannten ab; Yvonne wird mir diese mitbringen, wenn sie nach Deutschland zurückfliegt. Es wäre für den Guide doch ein Leichtes gewesen zu behaupten, dass die Kamera nicht im Auto war! Also auch hier keine negativen Erfahrungen – im Gegenteil!

Pünktlich um 18:45h war der Taxifahrer (leider nicht „unser“ Taxifahrer, der uns sonst überall hingefahren hat) da und hat mich zum Kilimanjaro International Airport gebracht. Über die Fahrt möchte ich gar nicht viel sagen, damit ich sie schnell vergesse. Ich habe nur gebetet – und das meine ich ernst! – dass wir keinen Unfall bauen und ich heil beim Flughafen ankomme. Das Problem war nicht die Geschwindigkeit, er ist sogar recht langsam gefahren, sondern ich hatte das Gefühl, er konnte bei der Dunkelheit nicht gut sehen. So verkrampft wie bei dieser Fahrt, sitze ich höchsten auf dem Behandlungsstuhl beim Zahnarzt.

Beim Flughafen angekommen, ging das Einchecken relativ problemlos. Ein etwas größeres Bild, das ich in Moshi gekauft hatte, konnte ich als Handgepäck mitnehmen, das war schon mal gut, und einzig hatte mein Koffer 3 kg Übergewicht, so dass ich einen Teil meiner Klamotten in meine Reisetasche umpacken musste – easy. Als ich dann Richtung Passkontrolle ging – sah ich, dass sich durch die Glasscheibe des Flughafengebäudes zwei Männer durch Winken bemerkbar machten. Beim zweiten mal hinsehen erkannte ich, dass draußen fast die komplette Hofgemeinschaft von Sanya Juu stand; sie waren extra gekommen um mich zu verabschieden – unglaublich! Man muss wissen, dass Sanya Juu etwa 45 Autominuten vom Airport entfernt ist und ich wüsste nicht, wer von der Hofgemeinschaft ein Auto hat. Wie sie also zum Flughafen gekommen sind, weiß ich bis jetzt noch nicht. Ich bin sofort zum Eingangsbereich des Flughafens zurück gegangen und habe einen Mitarbeiter gefragt, ob ich ganz kurz noch mal raus könnte um mich zu verabschieden; keine Chance! Auch durften die Hofbewohner nicht in das Flughafengelände; habe ich irgendwie alles nicht verstanden. Es war super traurig, dass wir uns nicht noch ein letztes Mal umarmen konnten, wo sie doch extra den weiten Weg gemacht hatten. Ich war so gerührt und berührt, dass …….. na ja, ihr kennt mich ja nun schon… natürlich flossen auch hier wieder ohne Ende Tränen! Und auch im Flugzeug konnte ich bei dem Gedanken an die Situation im Flughafengebäude meine Tränen nicht zurückhalten.

Eines ist sicher: ich war zwar das erste Mal in Tansania, aber bestimmt nicht das letzte Mal!

 

 

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Verlassen in der Walachei

Am Wochenende hatten wir schulfrei, Also hatten wir uns über die Möglichkeit einer Safari informiert. Über Yvonne’s Kontakte haben wir schließlich eine Safari zum Tarangire-Nationalpark und Ngorongoro-Park gebucht. Yvonne kannte den Guide, der uns am Samstag und Sonntag begleiten sollte; mit ihm hatte sie vor zwei Jahren schon einmal eine Safari gemacht und war von der Führung vollkommen begeistert. Es wurde vereinbart, dass wir eine Gruppe von maximal vier Leuten sind und am Samstag Früh um 7:15h abgeholt werden. Unsere Vorfreude war groß!

Samstag Früh kam dann ein Guide mit einer halben Stunde Verspätung und stellte sich als „unser“ Guide für Samstag und Sonntag vor. Er meinte, sein Bruder, der ursprünglich für die Führung vorgesehen war, könnte nicht kommen. Na ja, toll fanden wir das jetzt nicht gerade, aber o.k., was soll’s, was soll schon schiefgehen! Wir stiegen also in den Jeep, in dem bereits eine junge, etwas fülligere Frau, auf der Rückbank saß. Sie wurde uns als Tansanierin, die gerne Reisen macht, vorgestellt. Also waren wir nur zu Dritt zuzüglich Guide – das war gut!

Wir fuhren zunächst von Moshi zum Tarangire-Nationalpark. Bis auf die Tatsache, dass man aufgrund des Fahrstiles des Guides denken musste, er wäre auf der Flucht, war die Fahrt trotz ihrer Dauer von rund 5 Stunden bis zum Tarangire Nationalpark gut auszuhalten. Im Tarangire-Nationalpark war es dann richtig klasse. Wir konnten die unterschiedlichsten Tiere sehen: jede Menge Gnus, Zebras und Elefanten, Büffel, Strauße, Giraffen, Antilopen und Warzenschweine. Sogar drei Löwinnen konnten wir beim Jagen beobachten; sie blieben allerdings erfolglos. Auch die Erklärungen des Guides waren umfangreich und gut.

Den Nationalpark haben wir nach ca. 5 Stunden verlassen und uns auf den Weg zu unserer Unterkunft gemacht, die wir nach 45 Minuten erreichten. Nach dem wirklich leckeren Abendessen teilte uns der Guide mit, dass wir am folgenden Tag zu einer Gruppe von bereits vier Leuten kämen – er könnte uns am Sonntag nicht fahren. Yvonne und ich machten ihm klar, dass er eine andere Lösung suchen müsste, da wir beim Buchen der Safari ausdrücklich gesagt hatten, dass wir maximal mit noch zwei anderen Personen fahren wollten. Es gab ein hin und her, der Guide rief verschiedene Leute an, ich bekam mit, dass es Trouble gab und der Guide meinte dann nur, dass er bis zum nächsten Morgen einen Fahrer für uns hätte. Trotz der eigentlich blöden Situation konnten Yvonne und ich noch Witze darüber machen und wir hatten dadurch jede Menge Spaß – vielleicht war es aber auch nur Galgenhumor.

Der nächste Morgen brach an. Es war vereinbart, um 6:30h zum Ngorongoro-Park aufzubrechen, also bedeutete es, kurz nach 5h aufzustehen. Unser Guide hatte inzwischen geregelt, dass wir mit einer Zweier-Gruppe einer anderen Company, mitfahren sollten – zwei junge Schweden mit denen wir uns direkt gut verstanden. Nach zwei Stunden Fahrt sollte für Yvonne und mich die Tour vorerst enden! Am Ngorongoro-Krater angekommen, gab es Schwierigkeiten in der Form, dass man dort meinte, unser Eintritt wäre nicht bezahlt. Es half keine Erklärung, dass wir doch die komplette Safari bezahlt hätten, kein wildes Gestikulieren oder sonst was, wir wurden vom Guide zu einem Standort im Ngorongoro-Park gefahren, der dafür vorgesehen ist, dort in Zelten zu übernachten. Der Guide meinte dann nur, dass er uns nach etwa 3 1/2 Stunden abholen und nach Moshi zurückbringen würde. Hä?! Das war’s also? Und warum 3 1/2 Stunden? Eine Fahrt durch den Ngorongoro-Krater dauert eigentlich mindestens 5 Stunden, wenn man einen guten Guide hat. An dem Standort war ein Wachmann, der Yvonne die Möglichkeit gab, ihre Bekannte anzurufen, die für die Safari gesorgt hatte. Es hieß dann irgendwann, dass nun unser Guide vom Vortag direkt käme und mit uns die Tour durch den Ngorongoro-Krater machen würde. Zeit verging, wir warteten und warteten und warteten und …………. . Yvonne und ich machten schon Witze über unsere Situation. Yvonne drehte ein Video davon, wie wir mit unseren Rucksäcken und Lunchpaketen irgendwo in der Walachei standen und kommentierte das ganze noch. Wir lachen heute noch darüber, wenn wir uns das Video ansehen!

Nach zwei Stunden kam dann endlich unser Guide, wieder mit der Frau vom Vortag. Es stellte sich später heraus, dass sie seine schwangere Freundin war. Hm, warum hat er das nicht gleich gesagt? Vermutlich hatte er sie gar nicht mitnehmen dürfen. Na ja, so was ist mir eigentlich vollkommen egal. Was nicht egal war, ist, dass er an diesem Tag keine Lust auf die Safari zu haben schien. Er telefonierte ständig, gab nicht sonderlich viele Erklärungen und war wenig aufmerksam. Schade eigentlich. Wir hatten trotzdem einige Highlights! So hielten wir z.B. unmittelbar neben zwei Löwinnen, die im Gras lagen und faulenzten.

Außerdem entdeckten wir ein Nilpferd, das wohl kurz zuvor ein Junges zur Welt gebracht hatte; die Plazenta schwamm noch im Wasser.

Und als weiteres Highlight konnten wir ein Nashorn entdecken, allerdings war es ca. 400 bis 500m von uns entfernt.

So wenig, wie der Guide während der Fahrt durch den Ngorongoro-Krater gesprochen hat, erklärte er auf der Rückfahrt nach Moshi um so mehr über Land und Leute, allerdings, weil ich angefangen hatte, über Massai ein paar Fragen zu stellen. Und so kamen wir noch zu anderen Themen wie Schulbildung, Gesundheitswesen, Steuersystem etc. Er war die ganze Zeit über gesprächig, so dass er auch erzählte, dass er immer samstags oder sonntags seine sechsjährige Tochter in Arusha besucht. Ah! Jetzt konnte ich mir das zusammenreimen: er hatte die Tour als Ersatz für seinen Bruder sicherlich von vornherein nur für den Samstag zugesagt, da er Sonntag zu seiner Tochter wollte. Über den Bruder hatten wir gestern von Yvonne’s Bekannten erfahren, dass er eine andere Tour angenommen hatte, da diese über 5 Tage ging und er somit mehr Geld verdienen konnte. Die ganze Angelegenheit wird z.Zt. aufgeklärt. Bin gespannt, was wir da noch erfahren werden.

Besuch in Sanya Juu

Da heute ein Besuch in Sanya Juu anstand, hatten wir gestern in der Schule schon Bescheid gegeben, dass wir erst am Montag wieder kämen. Yvonne hatte für heute Früh geplant, in die Stadt zu fahren, da sie noch zur Bank musste, und ich bin um 8:30h spontan für zwei Stunden zur Schule gegangen. Traurig, was ich dort vorgefunden habe. Obwohl nur Angle und Leila da waren, saß die Lehrerin abseits an der Wand und beschäftigte die Kinder in keinster Weise. Es wäre ein Leichtes gewesen, mit den Kindern zusammen zu malen oder ihnen etwas vorzulesen! Also setzte ich mich zu Angle, gab ihr ein Malbuch und Stifte und sagte immer, wenn sie etwas gut ausgemalt hatte, „zuri“ oder „zuri sana“, was bedeutet „gut“ oder „sehr gut“; man kann doch schließlich Kinder auch mal motivieren! Kurz darauf kamen auch Theo und Bryan zur Schule und wir sahen uns gemeinsam die Tanz-Videos vom gestrigen Tag an – das war eine riesige Freude für die Kids. Die Lehrerin verschwand zu dieser Zeit und war für die nächste Stunde, also bis ich ging, nicht mehr gesehen! Ich hatte mit den Kindern dann noch die Vokale a, e, i, o und u geübt sowie die Zahlen von 1-10, wobei ich feststellte, dass Theo und Bryan sowohl die Buchstaben als auch Zahlen nur in der ihnen bekannten Reihenfolge aufsagen können; sobald es durcheinander geht, funktioniert es nicht mehr. Angle dagegen sagt die richtigen Buchstaben und Zahlen, auch wenn man sie durcheinander abfragt. Sie kann sogar lesen. Angle ist dadurch leider in der Klasse vollkommen unterfordert, sie müsste extra gefördert werden!

Die Missstände in der Klasse werden wir bei unserem anstehenden Besuch bei BCC am kommenden Dienstag mal vorbringen in der Hoffnung, dass sich etwas ändert. BCC steht für „Building a Caring Community“ (Errichten einer fürsorglichen Gemeinschaft). Das BCC-Center ist ein Zweig der evangelischen Lutheran Church in Tansania. BCC unterstützt Kinder mit Behinderungen und deren Familien. Und da wir gestern zusammen mit Mama Mushi beim Stellvertreter des Pastors waren, haben wir mit ihm vereinbart, dass wir uns am Dienstag bei BCC treffen.

Heute Mittag wurden wir dann von unserem treuen Taxifahrer abgeholt um nach Sanya Juu zu fahren, wo wir ja schon am vergangenen Freitag waren und uns für heute nochmals verabredet hatten. Ich hatte noch ein paar Kleiderspenden mitgenommen über die man sich riesig gefreut hat. Es waren auch warme Sachen darunter, wo man meinen würde, dass diese bei den warmen Temperaturen in Tansania gar nicht benötigt würden. Weit gefehlt! Da bei subtropischem Klima die Tagestemperatur meist zwischen 29 und 34 Grad liegt, frieren die Tansanier vermutlich in den Monaten Juni bis August am meisten, da die Temperaturen nachts bis auf ca. 15 Grad zurückgehen. Jedenfalls freute man sich über Pulli und Schal!

Chris, der sich als Ältester der Hofgemeinschaft um sämtliche Angelegenheiten kümmert, hatte uns – wie versprochen – eine Liste mit Namen derer gemacht, die dringend Hilfe in Form von Schulgeld und Krankenversicherung benötigen. Ausgenommen die Familie von Mama Gifty (ich berichtete schon darüber, dass Yvonne sich um diese Familie kümmert) sind noch ein Ehepaar mit vier Kindern und zwei alleinerziehende Frauen mit jeweils einem Kind zu unterstützen; fast ausschließlich nur in Form der Krankenversicherung. Wir sagten die Unterstützung zu. Die Krankenversicherungen werden sofort abgeschlossen. Sie kostet pro Kind 52.400 TZS pro Jahr, das sind umgerechnet rund 20 €. Und damit sind die Kinder vollkommen abgesichert. Da mir die Kosten unglaublich niedrig vorkamen fragte ich nochmal nach und man versicherte uns, dass auch Untersuchungen in Form von CT, MRT o.ä. dadurch abgedeckt seien. Die Versicherung wird auch direkt in Anspruch genommen. Zum einen muss eine der Töchter von Mama Gifty dringend untersucht werden und zum anderen wurde gestern ein kleiner Junge einer in der Hofgemeinschaft lebenden Familie beschnitten, so dass auch hier dringend ein Arzt aufgesucht werden muss.

Abends hieß es dann für mich Abschied von den Menschen der Hofgemeinschaft nehmen – Abschied von Menschen, die für mich eine absolute Bereicherung waren!

Letzte Augenblicke mit der Hofgemeinschaft

Ein Tag voller bewegender Momente

Gestern war ein ganz besonderer Tag! Er fing damit an, dass Yvonne und ich kurz nach 8h beim Klassenzimmer ankamen und man dort schon die Tische und Stühle an die Wand schob, da der Raum gründlich gesäubert werden sollte. Die Kinder wurden auf den „Hof“ geschickt. Schon bald kam eine der Lehrerinnen und begann dort mit dem Unterricht, der aus dem Vorlesen einer Geschichte über Ferien bestand. Zu der Zeit waren nur drei von den z.Zt. 8 Schülern, die „regelmäßig“ zur Schule gehen, da. Und diese drei Kinder schien die Geschichte nicht die Bohne zu interessieren, denn sie guckten die ganze Zeit nur umher; der Lehrerin fiel das kaum auf. Nachdem sie das Vorlesen beendet hatte, stellte sie den Kindern ein paar Fragen über die Geschichte und auch über die eigenen Ferien, die Ende nächster Woche hier in Tansania beginnen. Nachdem die Kinder ein paar Fragen beantwortet hatten, war der Unterricht – nach ca. 1/2 Stunde – für den Rest des Tages auch schon erledigt. Hm, ein bisschen dürftig, wie ich meine!

Dann kamen auch noch zwei weitere Schüler – Bryan und Theo – zur Schule. Theo, unser kleiner Rollstuhlfahrer, wird jeden Tag von der Mutter auf dem Rücken zur Schule getragen; sie hat einen Fußweg von einer halben Stunde! Einen Schulbus gibt es hier nicht.

Für Theo und seine Mutter sollte es ein ganz besonderer Tag werden, denn der Rollstuhl- und Toilettenstuhlkonstrukteur lieferte heute beides. Er passte den Rollstuhl noch vor Ort an Theo’s Körper an und beim Toilettenstuhl musste lediglich der Sitz noch etwas verkleinert werden – Theo drohte durchzurutschen!

Das ganze war für Theo vermutlich ziemlich aufregend. Er bekam einen epileptischen Anfall, was ich als Laie, auf die Aufregung schiebe. Seine Mutter war sofort zur Stelle und von Yvonne bekam er eine Elektrolytlösung, die in solchen Fällen etwas hilft. Bei dieser Gelegenheit erfuhren wir, dass das Geld von Theo’s Familie nicht ausreicht um genügend Medikamente für Theo zu kaufen. Yvonne hat daher die Medikamente, ausreichend für ein komplettes Jahr, übernommen. Die Mutter bringt dafür die Quittung, damit sichergestellt ist, dass das Geld auch tatsächlich dafür verwendet wird. Kostenfaktor der Medikamente für ein Jahr: 60.0000 TZS (umgerechnet 23 €); für wie wenig Geld kann man hier Großes bewirken!

Ein Rollstuhl für Theo zuhause
Der Rollstuhl- und Toilettenstuhlkonstrukteur im Gespräch mit Theo’s Mutter

Der Direktor kam und ordnete den Kindern einer anderen Schulklasse an, Steine zu sammeln, vor eine bereits vorhandene Rampe zu legen und – da sie sehr groß waren – klein zu hacken. Das ganze soll dann später noch mit Zement gefüllt werden, so dass die Rampe für Theo verbessert wird; klasse! Beim Sammeln der Steine wurde ein Mädchen von einem Skorpion in den kleinen Finger gebissen. Sie weinte bitterlich, denn der Schmerz schien den Arm bis zur Schulter hinauf zu wandern, Yvonne fragte, ob man sie nicht ins Krankenhaus bringen solle, worauf der Direktor nur meinte, es gäbe in Tansania ein Heilmittel und zwar Erde. Also wurde ihr Finger mit Erde „eingekleistert“, was aber nicht zu helfen schien. Das Mädchen musste sich hinsetzen und niemand sollte zu ihr gehen. Auch durfte sie nicht zu mir kommen; ein Tansanier muss Schmerzen aushalten können, das scheint die Mentalität zu sein. Mittags kam die Lehrerin zusammen mit dem Mädchen in unseren Klassenraum und erzählte, dass sie doch ins Krankenhaus gebracht wurde wo man ihr eine Spritze gab – Gott sei Dank!

Am Mittag war dann auch der Elektriker mit seiner Arbeit schon fertig. Die Elektroleitung war verlegt und das Radio funktionierte. Und das war das absolute Highlight! Als Mama Mushi’s Sohn sein Handy an das Radio schloss und die Musik ertönte, leuchteten die Augen der Kinder regelrecht auf und sie fingen sofort an zu klatschen und zu tanzen. Selbst unsere Angle, die sonst fast den ganzen Tag nur auf ihrem Stuhl sitzt und auf ihren Tisch starrt, stand auf und klatschte und tanzte! Was für eine Stimmung! Als die „gesunden“ Kinder, die draußen auf dem „Hof“ waren, mitbekamen, dass bei uns Musik lief und getanzt wurde, ließen sie sich ermutigen, in den Klassenraum zu kommen und mitzumachen; das nenne ich mal Inklusion! Da bleibt es auch nicht aus, dass man hier und da mal eine Träne verdrücken muss (natürlich heimlich, denn in Tansania zeigt man schließlich keine Schwäche). Eins muss auch noch gesagt werden: der Elektriker hatte von sich aus noch 3 Deckenlampen angebracht ohne dafür zusätzlich Geld zu verlangen; welcher Handwerker würde das bei uns tun! Er schien sich genauso wie wir darüber zu freuen, dass er für die Kinder etwas Gutes tun konnte.

Tanzen bei Musik – endlich Abwechslung im sonst so tristen Alltag

Zu guter Letzt wurde der Installateur am Nachmittag mit seiner Arbeit auch fertig, so dass Mama Mushi nun fließendes Wasser in der Küche hat!

Mama Mushi ist überglücklich über das Spülbecken

Es hat also bisher alles super geklappt, was ich nicht gedacht hätte. Das zeigt mir, dass man nicht immer negativ denken sollte.

Nun sind wir in sehnsüchtiger Erwartung auf die Schneiderin, die am Montag Früh die Hosen und Röcke für die Kinder bringen soll.

 

 

 

Es tut sich was!

Vergangenen Montag konnten Yvonne und ich endlich die Kinder und Lehrer der Behindertenklasse der Primary School Moshi besuchen. Mit einer der Lehrerinnen, Mama Mushi, hatten wir uns vorab am Samstag schon in Moshi City getroffen. Ihr Sohn war wegen der Übersetzung ins Englische bzw. in Swaheli mitgekommen; übrigens ein sehr netter, äußerst höflicher Tansanier! Von Mama Mushi, einer herzensguten Frau, erfuhren wir, dass die Schulklasse dringend ein Spülbecken für die „Küche“ und einen Stromanschluss in der Klasse benötigt. Außerdem erzählte sie, dass die Kinder dringend neue Schuluniformen brauchen.

Als wir Montag Früh um kurz vor 10h – so war unsere Verabredung mit Mama Moshi – über das Schulgelände zur Klasse „unserer Kinder“ liefen, wurden wir von den meisten Schülern neugierig beäugt. Als wir beim Klassenraum angekommen waren, wurden wir herzlich von den Lehrerinnen begrüßt – Yvonne ganz besonders, da man sie von ihrem letzten Besuch ja schon kannte. Eine der beiden Lehrerinnen führte uns schon bald zum Zimmer des Schuldirektors, wo wir uns mit Namen und Adresse in ein Buch eintragen mussten. Der Direktor selbst war nicht da, ihn trafen wir erst am folgenden Tag.

Dann lernte ich erst einmal alle Kinder kennen und konnte mir einen kleinen Eindruck über die Gegebenheiten, insbesondere natürlich über die Betreuung der Kinder machen. Yvonne kannte den Großteil der Kinder bereits vom letzten Besuch vor zwei Jahren. In der Klasse sind derzeit acht Schüler; eigentlich sind es wohl zehn, aber zwei Kinder sind momentan zuhause. Die acht Kinder sind:

  • Gidian (der kleinste Junge, der unglaublich lieb und unauffällig ist; eine geistige Behinderung merkt man ihm m.E. nicht an)
  • Theo (er sitzt im Rollstuhl und hat im Rücken kaum Kraft; ein netter und aufgeschlossener Junge)
  • Bryan (er fällt auf, denn er muss ständig im Mittelpunkt stehen; seine geistige Behinderung merkt man ihm an)
  • Erick (er ist der längste Junge in der Klasse; ein lieber Junge, der leider scheinbar öfter epileptische Anfälle bekommt. Die meisten rufen ihn „Ericki“)
  • Emanuel (er ist ein Kind mit Down-Syndrom; ein liebenswerter Junge; seinen Namen kürzen alle ab und sagen „Ema“ zu ihm, wobei das „e“ wie „i“ ausgesprochen wird)
  • Angela (sie ist die längste und die ruhigste in der Klasse; die meisten nennen sie „Angle“ und irgendwie ist sie auch ein Engel. Sie macht, was man von ihr verlangt und ansonsten sitzt sie den ganzen Tag auf ihrem Stuhl und starrt auf ihren Tisch. Sie ist wohl vorher in einer normalen Schulklasse gewesen, kam dann aber mit dem Lernen nicht mehr mit und musste somit in die Behindertenklasse).
  • Rose (sie ist ein kleines Mädchen, das es manchmal faustdick hinter den Ohren hat, aber sie macht nicht wirklich schlimme Dinge; sie wird „Rosi“ gerufen)
  • Leila (sie ist die einzige, die schon mal etwas aggressiver werden kann; sie ist schätzungsweise ca. 13-14 Jahre).

Da wir erst um 10h bei der Schule waren und auch Zeit wegen unserer Eintragungen verloren, sind wir eigentlich erst am späten Vormittag so wirklich in der Klasse angekommen  und hatten somit vom morgendlichen Ablauf leider nicht viel mitbekommen. Die Kinder liefen in der Klasse herum oder saßen auf ihren Stühlen und hatten auf ihren Tischen Spielzeug, mit dem sie sich beschäftigten. Gegen 11h gab es eine kleine Mahlzeit, die es im Übrigen jeden Tag um diese Zeit gibt – und immer dasselbe: eine Maismehlsuppe, glaube ich zumindest; ich muss Mama Mushi oder eine der beiden Lehrerinnen, die etwas Englisch sprechen können, noch fragen. Die Suppe sieht nicht besonders lecker aus, aber vermutlich sättigt sie!

 

Die Kinder bei ihrer Maismehlsuppe.

Nach dieser Zwischenmahlzeit (möglicher Weise ist das für manches Kinder aber auch die erste Mahlzeit des Tages) konnten die Kinder wieder spielen, wobei auffällig war, dass die beiden Lehrerinnen eigentlich kaum anwesend waren. Mama Mushi, deren Arbeitsbereich die Küche ist, war nachmittags mehr bei den Kindern als die Lehrerinnen. Und Yvonne und ich beschäftigten uns mit den Kindern so gut es ging. Yvonne hat da sicherlich viel bessere Möglichkeiten als ich, denn sie ist aufgrund ihres Berufes täglich mit behinderten Menschen zusammen und zusätzlich kann sie auch viele Dinge auf Swaheli sagen, zumindest das, was man zum täglichen Gebrauch benötigt. Bei mir ging es am ersten Tag nur mit Mimik und Gestik, denn ich hatte mir zwar schon Wochen vor meiner Reise ein Buch „Kauderwelsch Kisuaheli“ gekauft, aber aufgrund der noch bis zu meiner Abreise zu erledigenden Arbeiten leider nicht wirklich die Vokabeln o.ä. daraus lernen können. Mit den Behinderungen habe ich gar kein Problem, denn die Kinder sind wirklich liebenswert – auch wenn Bryan der Nerver vom Dienst ist!

Beschäftigung mit Bryan

 

Yvonne mit dem kleinen Gideon

Und dann war Montag natürlich noch ein ganz besonderer Tag: wir sprachen eine der Lehrerinnen an, was sie meint für die Klasse dringend zu benötigen. Sie sagte uns das gleiche, was wir auch von Mama Mushi am Samstag zuvor erfahren hatten: Schuluniformen würden dringend benötigt und das konnten wir auch ganz deutlich erkennen – die meisten der Kinder laufen mit zerrissenen Pullovern herum. Kleidung zum Wechseln gibt es auch nicht, denn sie haben nur diese eine Garnitur. Außerdem soll ein Spülbecken in der „Küche“ installiert werden. Man muss hierzu wissen – und eigentlich muss man es gesehen haben – die „Küche“ ist ein Raum von ca. 6 x 3 Metern, der aber so gut wie leer ist. Es steht eine Bank darin, die einer Gebetbank gleicht, auf der die drei Frauen, die in der Küche arbeiten, ihre Pausen machen. Außerdem gibt es einen kleinen Schrank, eine kleine Ablagefläche und Plastikschüsseln, in denen gespült wird – sonst nichts! Die Stromleitung, von der Mama Mushi uns auch schon berichtete, wird benötigt, damit die Kinder Musik hören können – ein Radio/CD-Player ist schon lange vorhanden, kann aber mangels einer Anschlussmöglichkeit nicht genutzt werden! Noch am Vormittag wurden Handwerker sowie eine Schneiderin angerufen, die für diese Arbeiten infrage kamen.    Als erster war der Elektriker mittags zur Stelle; er scheint mit dem Sohn von Mama Mushi, Invocavith, befreundet zu sein. Er machte uns ein Angebot, was wir erst noch von einer Bekannten von Yvonne, die in Tansania lebt und sich mit Handwerkerpreisen ein bisschen auskennt, prüfen lassen wollten. Das hatte Yvonne nachmittags direkt gemacht und da das Angebot in Ordnung war, wurde der Elektriker direkt am Dienstag beauftragt, die Stromleitung zu legen – Kosten: 580.000 TZS, umgerechnet 221,00 €.

Als Zweite kam die Schneiderin, nahm bei allen Kindern Maß und teilte uns die Kosten für 2 Paar Hosen und 2 Paar Röcke je Kind mit, damit die Kinder eine Garnitur zum Wechseln haben. Jeweils 2 Hemden bzw. 2 Blusen, 1 Pullover, 1 Paar Schuhe und 3 Paar Socken pro Kind besorgten wir am nächsten Tag in Moshi City; hierzu später mehr. Für die Herstellung von 2 Hosen bzw. 2 Röcken je Kind nimmt die Schneiderin 33.800 TZS (13,00 €).

Die Schneiderin nimmt bei Enricki Maß

Danach stand auch schon ein Rollstuhlbauer parat, der ebenfalls gerufen wurde, denn Theo, unser Kind, das im Rollstuhl sitzt, hat zuhause keine Möglichkeit, sich fortzubewegen. Der Rollstuhl, in dem er in der Schule sitzt, gehört nicht den Eltern. Von Theo wurde also Maß genommen, damit ein entsprechender Rollstuhl für zuhause angefertigt werden kann. Zusätzlich wurde die Anfertigung eines Toilettenstuhls für Theo in Auftrag gegeben.

Es war wie an der Schnur gezogen – alle Handwerker, die angerufen wurden, kamen innerhalb kürzester Zeit, so dass zu guter Letzt auch noch Verhandlungen mit dem Installateur wegen des Wasseranschlusses für die Küche geführt werden konnten. Es müssen Rohre vom Toilettenraum zur Küche verlegt, ein Anschluss in der Küche geschaffen und ein großes Spülbecken angeschafft werden. Wir einigten uns auf einen Preis von 580.000 TZS (221,,00 €).

Besprechung mit dem Installateur

Herrlich, wie wenig bürokratisch alles ablief. Kurzer Anruf, Erscheinen des Handwerkers innerhalb kürzester Zeit, kurze Besprechung, Angebot, Preisverhandlung, Annahme, Vermerk des Gesamtpreises und einer eventuell bereits geleisteten Anzahlung auf einem Zettel – FERTIG! Und das Highlight: die Schneiderin sagte die Schuluniform für kommenden Montag zu. Der Elektriker fing am Dienstag mit seinen Arbeiten an und wird voraussichtlich am Donnerstag fertig sein. Der Rollstuhl- und Toilettenstuhlbauer hat am Dienstag bereits 2 Fotos von dem in Arbeit befindlichen Rollstuhl und Toilettenstuhl an Yvonne per WhatsApp geschickt und der Installateur hat mit seinen Arbeiten ebenfalls bereits am Dienstag begonnen und wird vermutlich auch am Donnerstag fertig werden – fantastisch!

Verlegen der Wasserleitung – hier wird noch per Hand gearbeitet!

Am Dienstag Früh sollten wir uns beim Schuldirektor melden, mit dem wir dann auch unsere Investitionen besprachen. Betreffend die Verlegung der Stromleitung gingen wir mit ihm das Schulgelände ab und er suchte nach der besten Möglichkeit zur Kabelverlegung, die dann auch direkt gefunden wurde. Was die Anschaffung neuer Schuluniformen betrifft, zeigte er sich sichtlich begeistert. Schulgeld muss für die behinderten Kinder – anders als für die übrigen Schulkinder – übrigens nicht gezahlt werden

Der Vormittag in der Schulklasse verlief wesentlich besser als am Vortag. Die Kinder wurden zunächst ein wenig unterrichtet. Sie lernen die Umlaut a, e, i, o, u. Und sie lernen die Zahlen von 1 bis 10. Gideon und Angle fallen positiv auf, sie machen das ganz gut. Rose hat Schwierigkeiten; sie kommt bei den Buchstaben meist nur bis i und die Zahlen kann sie nur bis 3, bei der 4 hakt es jedes Mal. In der Gruppe allerdings sagt sie die Zahlen von 1-10 komplett mit den anderen auf. Ich nutze den Unterricht für mich selber und kann nun auch die Zahlen von 1-10 aufsagen! Außerdem wurde noch im Stehen gesungen, dazu geklatscht und tänzerische Bewegungen gemacht. Dazu wurden die Schulkinder der Nebenklasse gerufen – was für ein Spaß!

Mittags haben wir die Füße der Kinder gemessen und uns zusammen mit einer der Lehrerinnen auf den Weg in die Stadt gemacht um Hemden, Blusen, Pullover, Socken und Schuhe zu kaufen.

Für den Schuhkauf muss erst Maß genommen werden

 

Große Shoppingtour

Nachmittags kehrten wir bepackt in die Schule zurück und hatten noch ca. 1 Stunde bis zum Schulende. In dieser Zeit konnten wir uns mit den Kindern noch etwas draußen beschäftigen.

Gestern war der Weg über das Schulgelände schon ganz anders als am ersten Tag. Wir wurden offen und freudig begrüßt – es hatte sich mit Sicherheit schon längst in der Schule herumgesprochen, dass Weiße, etwas vollkommen Exotisches also, in der Klasse der behinderten Kinder sind. Manche Kinder kommen und wollen nur mal an den Armen oder Haaren fühlen.

Der Unterricht war ähnlich wie der am Dienstag; es werden die Umlaute und die Zahlen von 1-10 geübt und natürlich hat Rose immer noch Schwierigkeiten dabei. Manchmal muss dann Gideon zu Hilfe kommen.  Heute las die Lehrerin zusätzlich eine Geschichte vor und erklärte diese im Anschluss. Ob sie das tatsächlich öfter macht oder nur, weil wir gerade da sind und uns den Schulablauf ansehen …, hm! Angeblich ist sie eine extra ausgebildete Lehrerin, wovon man während des Tages allerdings nichts merkt. Da kümmert sich Mama Mushi wesentlich mehr um die Kinder. So ist sie immer zur Stelle, wenn ein Kind beim Essen matscht, sonstigen Unfug macht oder auch – wie gestern – als Enricki zweimal einen großen epileptischen Anfall bekam. Sie kümmert sich dann rührend und selbst ihr Sohn Invocavith, der momentan täglich die Fortschritte der Bauarbeiten beobachtet, hatte sich fürsorglich dabei um Enricki gekümmert; die Lehrerinnen habe ich allerdings nicht mehr gesehen!

Gideon hilft Rose bei den Umlauten

Nun bin ich auf den heutigen Tag gespannt. Yvonne und ich werden um 8h in der Schule sein; für 8:30h hat sich der Rollstuhlbauer angekündigt.

Am Freitag werden wir nochmals nach Sanya Juu fahren um die Angelegenheiten mit dem Schulgeld und der Krankenversicherung zu klären.

 

 

 

Ein unvergesslicher Ausflug

Für vergangenen Sonntag hatten Yvonne und ich einen Ausflug zu einer kleinen Kaffeeplantage und den Materuni-Wasserfällen gebucht. Wir, das waren drei Frauen aus den USA, die in der Entwicklungshilfe tätig sind, Yvonne und ich, wurden morgens von einem Guide und einem Fahrer in unserem Hostel „Rafiki Backpackers“ abgeholt. Nach ca. 1 Stunde Fahrt mit einem Dala Dala (Kleinbus) erreichten wir das Dorf Materuni. Materuni liegt an den Ausläufern des Kilimanjaro, nördlich von Moshi. Hier ist auch unser Guide, Amani, zuhause. Ab Materuni wurde der Rest zu Fuß erledigt. Wir wanderten zeitweise steil bergauf und bergab, immer den Blick umherschweifend, denn die Pflanzenwelt bietet hier so viel Schönheit.

Nach etwa einer Stunde Fußmarsch erreichten wir eine kleine Kaffeeplantage, die bereits dem Großvater von Amani gehörte. Amani erzählte uns ein paar Dinge über die Herstellung von Kaffee und meinte, wir würden nun unseren eigenen Kaffee herstellen. Hierzu mussten wir zunächst Kaffeebohnen von den Kaffeebäumen sammeln – aber bitte nur die roten, denn die grünen und die gelben sind noch nicht reif. Ich wusste gar nicht, wie mühsam es ist, bis man eine Handvoll Kaffeebohnen gesammelt hat; von meiner Sammlung hätte ich nicht mal einen Tropfen Kaffee bekommen können! Amani hatte natürlich schon vorgesorgt und es standen bereits reife Kaffeebohnen bereit. Diese mussten nun mit einer kleinen, recht urigen, handbetriebenen Maschine geschält werden – die Maschine durfte ich bedienen. Die so gewonnenen Kaffeebohnen müssen anschließend ca. 2 Tage gewässert werden um die noch schleimige Schicht zu beseitigen. Da wir keine zwei Tage warten konnten, hatte Amani natürlich auch hier vorgesorgt und uns für unsere weitere Arbeit bereits getrocknete Kaffeebohnen gegeben (das Trocknen dauert ca. 2-3 Wochen). Nach dem Trocknen musste noch die äußerst dünne Schale entfernt werden; das machten wir alle gemeinsam. Die Bohnen wurden nun in einem Blechtopf über einer Feuerstelle geröstet.; dazu wurde von insgesamt 7 Tansaniern afrikanisch gesungen und alle klatschten dazu – eine super Stimmung! Nach dem Rösten ging’s an’s Stampfen, damit die Bohnen zu Mehl wurden; jeder war mal dran! Auch hierzu gab es wieder den Gesang der Tansanier und das gemeinsame Klatschen.

Anschließend wurde das Mehl nur noch in kochendes Wasser über der Feuerstelle geschüttet, kräftig gerührt und nach etwa 5 Minuten durch ein Sieb in eine Kanne gegossen. Es war der beste Kaffee, den ich jemals getrunken hatte!

An die Kaffeetour schloss sich eine Wanderung zum Materuni-Wasserfall an – auch nochmal ca. 1 Stunde Fußweg. Der Wasserfall ist – wie Amani sagte – etwas über 80 Meter hoch. Er rauscht am Bergmassiv des Kilimanjaro herunter und es ist gigantisch, dies zu sehen.

Es folgte anschließend der Rückmarsch zum Auto. Yvonne hatte mit ihrer Uhr die Tageswanderung gemessen – es waren 12 km.

Bevor wir nach Moshi zurückfuhren, hielten wir noch an einer „Bar“ wo uns Bananenwein (schmeckte ein wenig wie Most und hat 10% Alkohol) und Bananenbier (tansanisch: Mbege) (das schmeckt so scheußlich, dass ich nur einen winzigen Schluck nehmen konnte; hat nur 3% Alkohol und die Tansanier mögen es) angeboten wurde.

Übrigens – in Tansania gibt es 3 Gruppen von Bananen: die Früchte, die Kochbananen und die Bierbananen (sie werden ausschließlich zur Bier- und Weinherstellung genutzt). Bananen wachsen hier das ganze Jahr über und sie bleiben grün, auch wenn sie reif sind.

In Moshi Town kamen wir um 15:30h an, so dass wir noch genug Zeit für ein Abendessen hatten bevor wir wegen Einbruch der Dunkelheit wieder im Hostel sein mussten. Es war ein ganz besonderer Tag, der wie die Tage zuvor, unvergessen bleiben wird!

Ein erlebnisreicher Tag

Yvonne hatte im Internet über einen Tansanier, Nicas Marandu, gelesen, dass sich dieser für soziale Projekte engagiert zur Linderung der Arbeitslosigkeit im Gebiet des Kilimanjaro. Außerdem hilft er lokalen Künstlern, ihre Bilder (möglichst auch weltweit) zu verkaufen. Da Yvonne auf der Suche nach einem Bild mit Löwenkopf-Motiv war und es immer gut findet, soziale Projekte zu unterstützen, rief sie beim „Nicas Education and technology Center“ an und vereinbarte, dass ein Mitarbeiter uns am Freitag, 23.11.2018, abholen und mit uns zu den Künstlern gehen würde. So trafen wir morgens den Mitarbeiter des Centers und erreichten nach ca. einer dreiviertel Stunde Fußweg ein Gebiet, wo etwa 14 kleine Hütten standen, in denen verschiedene Künstler ihre Kunstgegenstände präsentierten – meist Bilder oder Schnitzereien. Das Gebiet mit seinen Hütten und bescheidenen Menschen hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Nachdem wir intensiv sämtliche Kunstwerke angesehen und längere Preisverhandlungen geführt hatten, ist Yvonne nun stolze Besitzerin eines wirklich schönen Bildes mit dem Motiv eines Löwenkopfes und ich konnte zwei große bunte Bilder ergattern, die wohl demnächst in meinem Büro hängen werden. Ob der Künstler von seinem Erlös etwas an das Education and technology Center zur Unterstützung anderer Projekte abgeben muss, konnte ich leider nicht ausfindig machen.

Mittags kehrten wir in unser Hostel Rafiki (Freund) Backpackers (Rucksacktouristen) zurück und wurden aber auch schon wieder um 14 Uhr von unserem „vertrauten“ Taxifahrer, den wir über Yvonne’s Kontakte immer wieder bekommen, abgeholt. Er fuhr uns zu Yvonne’s Freunden und Bekannten, die 70 km von Moshi entfernt in einer Hofgemeinschaft in Sanya Juu leben. Obwohl feststand, dass wir ca. 3 Stunden dort verbringen würden, blieb der Taxifahrer so lange  mit bei den Freunden, bis er uns abends gegen 18:30h wieder zum Hostel zurückfuhr – das scheint hier nicht unüblich zu sein. Für die gesamte Zeit (5 ¼ Std.) bekam er 80.000 TZS (tansanische Schillinge) das sind umgerechnet ca. 31 €.

Die Hofgemeinschaft besteht aus 4 Häusern mit ihren Bewohnern. Keiner ist hier mit dem anderen verwandt. In zwei der Häuser lebt jeweils eine Frau mit ihren 4 Kindern. Die Frauen haben es nicht leicht; eine der Frauen ist verwitwet und die andere Frau ist mit einem Mann verheiratet, der sich nicht wirklich um die Familie kümmert. Die dritte Familie ist verschuldet, so dass für eines ihrer 3 Kinder derzeit kein Schulgeld gezahlt werden kann. Im vierten Haus lebt ein guter Freund von Yvonne, Chris, ein 65-jähriger Rentner, der, nachdem er 35 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat, nach Tansania zurückkehrte und zwar dorthin, wo er als Kind aufgewachsen ist. In Deutschland hatte er sich nie zuhause gefühlt – wie Yvonne mir sagte. Hier in der Hofgemeinschaft ist sein Zuhause, hier fühlt er sich wohl – dort, wo man aufeinander angewiesen ist und wo jeder jedem hilft!

Alle Menschen dieser Hofgemeinschaft, die ich kennengelernt habe, sind unglaublich herzlich. Zwei der kleineren Kinder haben Yvonne und mir direkt die Rucksäcke abgenommen und zum Haus getragen; das ist hier so üblich!

Im Gepäck hatte Yvonne natürlich einige Geschenke für die Hofbewohner und wir beide hatten Spenden in Form von Kleidung und Brillen mitgenommen. Außerdem hatten Yvonne’s Mutter und Schwester professionelle Stoffbeutel aus wunderschönen Stoffen für die Kinder genäht – besser hätte man sie im Geschäft nicht kaufen können!   Wir versammelten uns alle im Haus von Mama Gifty, eine der alleinerziehenden Mütter. Allein Mama Gifty’s Händedruck war für mich schon sehr berührend; sie hielt meine Hand so lange und liebevoll fest, dass ich dachte, ja – hier ist man herzlich willkommen! Als es dann um die Verteilung der Kleidung ging, spürte ich eine unglaubliche Bescheidenheit der Menschen. Man merkte dem ein oder anderen oft genug an, dass er gerne das Kleidungsstück gehabt hätte, was gerade aus dem Koffer gezogen wurde, aber er wartete ab, ob man es ihm zuteilen würde; wenn nicht, wurde es ohne Worte akzeptiert. Alle haben sich riesig gefreut und bedankten sich mit Umarmungen. Eines kann ich sicher sagen: die Sachspenden, die wir dort gelassen haben, werden ganz bestimmt wertgeschätzt!  Allen Sachspendern möchte ich an dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön sagen!

Im Anschluss sind wir alle raus gegangen um ein Gruppenfoto zu machen – eine schöne Erinnerung an diesen Tag, der für mich ein bleibendes Erlebnis sein wird!

Bevor wir nach Moshi zurückfuhren, hatten Chris, Mama Gifty, Yvonne und ich uns noch über Schulgeld, Schulkleidung und Krankenversicherung unterhalten. Yvonne unterstützt Mama Gifty schon seit Jahren privat und wird auch dieses Mal die Kosten für die dringend benötigte Schuluniform und das Schulgeld für das kommende Jahr übernehmen. Als Information: ohne Schuluniform und ohne die Zahlung des Schulgeldes darf ein Kind hier in Tansania nicht die Schule besuchen. Außerdem wurde darüber gesprochen, dass eine bessere Krankenversicherung notwendig erscheint, insbesondere wegen der vermutlich chronischen Erkrankung einer der Töchter von Mama Gifty, Es wird daher ein Versicherungsagent am kommenden Freitag zur Hofgemeinschaft kommen.

Mit Chris haben wir noch über ein Mädchen der anderen Familie gesprochen. Das Mädchen hat gerade ihre Schulprüfung abgelegt und bekommt ihr Zeugnis nur, wenn das komplette Schulgeld bezahlt ist. Derzeit ist die Familie verschuldet und kann das noch ausstehende Schulgeld nicht zahlen. Hier werden wir Hilfe leisten!  Am kommenden Freitag wird uns Chris eventuell noch weitere Familien nennen, die Unterstützung in Form von Schulgeld oder Schuluniform benötigen, so dass wir ggf. auch hier Hilfe leisten werden.

Wir haben also noch einiges vor – und das ist gut!