Kleiner Überblick

Seit ein paar Tagen versuche ich, Bilder von meiner Kamera in meinem Blog hochzuladen, das ist mega schwer, immer wieder bricht die Verbindung ab und nur wenige Bilder schaffen es, hochgeladen zu werden. Gestern war Sonntag, 29.11.2020, und eigentlich eine gute Zeit um ins Internet zu gehen, da es sonntags meist stabiler ist. Und trotzdem konnte ich spezielle Bilder nicht hochladen und so habe ich beschlossen, trotzdem einen kleinen Überblick über meinen Aufenthalt in Moshi zu geben, auch wenn das ein oder andere Bild dazu fehlt.

Mein Besuch der Lutheran Church of Moshi (Nahe KCMC Hospital) am Sonntag, 15.11.2020:

da ich Pastor Mosh seit 2018 kenne und mit ihm im WhatsApp-Kontakt stehe, wenn auch recht unregelmäßig, war für mich klar, dass ich seine Messe am 15.11., 7:00h besuche. Beim Gang zur Kollekte (dafür muss man in Richtung Altar gehen), sah er mich schließlich und nachdem alle wieder auf ihren Plätzen saßen, sagte er durch’s Mikrophon, dass er mich gesehen hätte und bat mich nach vorne zu kommen um allen Kirchenmitgliedern zu sagen, warum ich in Moshi bin. Na ja, und das tat ich dann auch, natürlich leider nur auf Englisch. Übrigens: wer nur wenig oder gar kein Geld hat, bringt als Kollekte etwas mit, was während des Gottesdienstes versteigert wird. So gab es dieses Mal z.B. einen Hahn, ein paar Eier oder auch Gemüse.

Nach der Kirche bin ich dann noch kurz mit Pastor Mosh in einen Raum gegangen, wo es Chai-Tee gab und wir ein wenig reden konnten.

Ach ja, und noch eins: in der Kirche habe ich natürlich mein tansanisches Kleid getragen. Ich hatte mich vorher bei der Schneiderin informiert, was man tragen darf – dachte an ein langes Kleid – knielang ist aber hier kein Problem mehr.

Da auch Invocavity und Mama Mushi (vom Longuo-Center) in der Kirche waren, hatte ich beide anschließend zu einem Frühstück eingeladen. Mama Mushi hat nicht viel Geld, wie eben viele Tansanier in dieser Gegend; sie ist eine überaus liebenswerte Frau – ich mag sie sehr!

Ansonsten war ich in den letzten Wochen natürlich auf verschiedenen Märkten unterwegs. Hier findet man einfach alles – auch sehr, sehr viel Second Hand–Ware.

Teilweise habe ich Ausschau nach Möglichkeiten für mein Hühnerprojekt gehalten. Ich hätte ein besseres Gefühl, wenn statt der derzeitigen sog. „Broiler“, „local chicken“ gehalten würden; zum einen können sie im Gegensatz zu Broilern frei herumlaufen und zum anderen gibt man ihnen nicht so viel Medizin um schnell heranzuwachsen. Außerdem ist der Unterhalt kostengünstiger und sie leben ein besseres Leben. Nur die Anschaffung ist etwas teurer.

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist img_20201128_115148.jpg.

Wenn Gladness Abends Dienst im Hotel hat, gibt es immer eine Menge Spaß mit ihr; wir albern gerne ein wenig herum.

Und natürlich gibt es auch immer wieder Spaß mit Mwesa, meinem Lieblingskoch! Die Verständigung ist nur nicht ganz so einfach wie mit Gladness, da Mwesa nicht so gut Englisch spricht, aber egal, mit Händen, Füßen und Gestik klappt das alles.

Mein Besuch im Sober House sowohl vorletzte als auch letzte Woche. Hier wird Alkohol- und/oder Drogenabhängigen geholfen, von ihrer Sucht loszukommen. Alkohol und Drogen sind in dieser Region ein wirklich großes Problem.

Gestern Abend hatten wir schon ein Abschiedsessen. Mwesa hatte Reis und Ugali mit Hahnchen und Gemüse vorbereitet – einfach köstlich; hier sagt man „tamu“.

Zuhause bei Martha und Nuru

Mittwoch Abend war ich zum Essen bei Martha und Nuru eingeladen, die ich dieses Jahr in Moshi durch Dingi kennengelernt habe. Da sie wissen, dass ich das wirkliche Leben in Moshi kennenlernen möchte und nicht als Tourist unterwegs bin, hatten wir verabredet, dass wir erst gemeinsam über den Markt gehen um die Zutaten für’s Essen zu kaufen und dann das Essen gemeinsam vorbereiten.

Einer der größeren Märkte in Moshi
Martha, Dingi und Nuru

Martha und Nuru leben etwas außerhalb von Moshi-Town, so dass wir mit einem Tuk-Tuk fahren mussten. Ihr gemietetes „Haus“, besteht aus 2 Zimmern – einem Schlafzimmer und einem Wohnzimmer in dem auch gekocht wird. Geduscht wird scheinbar draußen, was hier nicht unüblich ist, wenn man nicht viel Geld hat. Im Wohnzimmer stehen so gut wie keine Möbel. Es gibt einen kleinen Tisch auf dem ein Gas-Plattenkocher mit 2 Kochplatten steht. Als Sitzgelegenheit liegen auf dem Boden 3 Kissen; einen Ess- oder Couchtisch gibt es nicht.

Die Zutaten für’s Essen (rote Tomaten, kleine gelbe Tomaten, die sehr hart sind und die man bei uns nicht kennt, Paprika, Auberginen, rote Zwiebeln, ein Spinat ähnliches Gemüse, Pepperoni) wurden in eine große Schüssel mit Wasser gegeben, um sie zu waschen und man nahm nach und nach die Dinge heraus, um sie zu schneiden. Ein Schneidebrett gibt es nicht, man schneidet alles in der Hand. Dann hat Martha „Ugali“ zubereitet. Ugali ist ein Brei, der aus Maismehl + Wasser besteht und man gibt lediglich ein wenig Salz hinein. Der Maisbrei wird in etwa 5 Minuten zu einer ziemlich festen Konsistenz gekocht. In Tansania ist Ugali quasi ein tägliches Lebensmittel. Gekocht wurde lediglich auf einem kleinen Gaskocher. Zu Ugali und Gemüse gab es Hähnchen. Die Tansanier essen sehr viel Hähnchenfleisch.

Vor dem Essen ist immer Hände waschen angesagt, schließlich isst man hier mit den Fingern. Von dem Ugali nimmt man etwas in eine Hand, formt es mit dieser zu einer Kugel, drückt eine kleine Mulde hinein und nimmt mit diesem geformten Brei etwas von dem Gemüse oder Fleisch – das ist gar nicht so einfach!
Bei Martha und Nuru wird auf dem Boden gegessen – sie gehören eben zu den ärmeren Leuten.

Auf Safari – ein unvergessliches Erlebnis!

Schon Anfang des Jahres hatte ich mit John, ein Tansanier, der Inhaber der Safari-Company „Powerful Kingdom Adventure“ in Moshi ist, vereinbart, dass ich mit ihm auf Safari-Tour gehe sobald ich wieder in Moshi bin. Er war auch derjenige, der mich zusammen mit Dingi vom Kilimanjaro International Airport abgeholt hatte. Also hatten wir ziemlich schnell nach meiner Ankunft vereinbart, dass wir von Freitag Früh, 20.11.2020, bis Sonntag Abend, 22.11.2020, auf Safari gehen. Inzwischen kennt man sich und ist schon fast freundschaftlich verbunden und da auch sonst sehr wenige Touristen hier sind, konnten wir zu Dritt – John, Dingi und ich – auf Safari gehen, was natürlich super war!

Wir starteten am Freitag Früh um 6:30h und fuhren erst nach Arusha um dort nach einem Trampolin für die behinderten Kinder vom Lunguo-Center zu fragen, da das alte Trampolin inzwischen wirklich nicht mehr nutzbar ist und in Moshi kein Trampolin aufzufinden war. Wir mussten sowieso Arusha passieren, insofern war es kein Umweg sondern nur ein kleiner Zeitverlust. Ein Trampolin war leider nicht zu bekommen, insofern wird es mit dieser Investition dieses Jahr wohl nichts – leider!

Wir fuhren dann weiter, um schnellstmöglich den Tarangire Nationalpark zu erreichen. Die Entfernung zwischen Moshi und Tarangire Nationalpark beträgt ca. 220 km und dafür braucht man auf den hiesigen Straßen etwa 5 Stunden. Es gibt hier auf den Landstraßen viele Geschwindigkeitsbegrenzungen von 50km/h oder 80km/h. Außerdem sind die Straßen teilweise so schlecht, dass man gar nicht schneller fahren kann. John allerdings macht sich gerne einen Spaß daraus, mit seinem Safari-Jeep etwas schneller zu fahren, naja und wer mich kennt weiß, dass ich schnelles Fahren mag. Der etwas schnellere Fahrstil von John führte allerdings dazu, dass wir auf dem Weg nach Tarangire wegen Geschwindigkeitsüberschreitung angehalten wurden. Für John kein Problem – er sagte der Polizistin wer er ist und welchen anderen Safari-Guide er kennt und da sie ebenfalls diesen anderen Guide kannte, war es kein Problem mehr und es musste keine Strafe gezahlt werden – Afrika eben!

Ca. gegen 13h erreichten wir den Tarangire Nationalpark und nahmen erst einmal unser Mittagessen zu uns: Hähnchen mit Gemüse und einer scharfen Soße; gegessen wird mit den Fingern – Besteck ist höchstens für die Touristen!

Nach dem Lunch ging es dann in den Nationalpark. Der Park hat eine Größe von etwa 2.850 qkm. Eigentlich kann man im Tarangire Nationalpark einige Löwen sehen, meistens die Weibchen, dieses Jahr sahen wir nur 2 mal einen Löwen und eine Löwin gemeinsam in weiter Ferne, so dass man es nur mit einem Fernglas erkennen konnte.

Andere Tiere wie, Elefanten, Zebras, Giraffen etc. kann man hier sehr gut sehen und beobachten.

Leoparden-Schildkröte
Eines meiner Lieblingsbilder
Ein Elefantenbaby beim Trinken.

Und dann sahen wir etwas, was man selten zu Gesicht bekommt – einen Leoparden!

Der Nationalpark war eigentlich so gut wie leer was Jeeps angeht; insgesamt begeneten uns während des ganzen Tages nur 5 Jeeps, das ist wirklich außerordentlich wenig. Die Situation ist „Corona“ geschuldet oder gedankt – es kommt auf die Sichtweise an. Um durch den Park zu fahren und an verschiedenen Stellen zu halten, war es natürlich klasse, aber für die Tansanier ist die Situation schrecklich. Eigentlich sind um diese Jahreszeit viel mehr Touristen hier und sehr viele Tansanier verdienen ihr Geld mit dem Tourismus, insbesondere mit Safaris.

An einer Stelle standen nun 3 Jeeps und das bedeutete, dass dort etwas Besonderes zu sehen war. Und tatsächlich, in einem Baum, ganz versteckt, konnte man den Kopf eines Leoparden sehen. Ich zeige ein Foto davon, so dass man eine Vorstellung hat, wie schwierig es meist ist, einen Leoparden zu sehen.

Am Abend haben wir im Nationalpark übernachtet. Begrüßt wurden wir von einer Giraffe, die direkt neben unserer Lodge stand. Von einem Mitarbeiter wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass wir morgens, bevor wir die Lodge verlassen und zum Jeep gehen würden, unbedingt die Gegend checken sollen, insbesondere ob unter dem Jeep möglicher Weise ein Löwe liegt – das käme schon mal vor! Es kommt allerdings eher vor, dass Affen in einen Jeep klettern um Dinge herauszuholen.

Die Affen sind schon ganz schön dreist, aber auch unglaublich süß!

Am nächsten Morgen um 7h sind wir gestartet um durch andere Gebiete des Parks zu fahren. Dort haben wir nochmals 2 Leoparden an unterschiedlichen Orten gesehen – unglaublich!

Am Nachmittag sind wir dann in Richtung Ngorongoro Nationalpark gefahren – ca. 140km von Tarangire entfernt. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse muss man mit einer Fahrzeit von etwa 3 Stunden rechnen. Auf dem Weg dorthin machten wir bei einem Massai-Dorf halt.

Die Begrüßung von den Massai erfolgt durch einem Tanz
Massai beim Feuer machen
Typisches Haus der Massai
Schlafplatz der Kinder (hier schlafen bis zu 3 Kinder – für uns unvorstellbar!)

Die Häuser der Massai bestehen aus Holzstangen (als Grundgerüst), kleinen Ästen und Zweigen (als Gittergeflecht auf den Holzstangen) und einem Gemisch aus Lehm, Kuhdung und Wasser. Das Haus ist meist in 3 Teile unterteilt: ein kleiner Eingang, in dem auch gekocht wird, ein winziger Teil (vielleicht 1m x 1,7m) als Schlafplatz für die Eltern und daneben ein winziger Teil (ebenfalls etwa in der Größe 1m x 1,7m) als Schlafplatz für die Kinder.

Unsere Unterkunft, nicht weit entfernt vom Ngorongoro Nationalpark

Am Sonntag Früh ging es dann zum Ngorongoro Nationalpark. Der Park hat eine Größe von knapp 8.300 qkm.

Zwei Impalas (kleine Antilopen) beim Kampf
John’s Jeep
Nilpferde sind zwar nicht gerade die hübschesten Tiere, aber dafür sind sie umso freundlicher, wenn man sie fotografieren möchte – sie stellen sich regelrecht in Pose. Angst, dass sie aus dem Wasser kommen, braucht man bei Tag nicht zu haben.
Goodbye Tarangire, goodbye Ngorongoro – ich komme bestimmt wieder!

Zusammenarbeit – nicht immer einfach

Die Tage vergehen hier wie im Flug, wobei ich sagen muss, dass es im Verhältnis zu den ersten beiden Jahren gefühlsmäßig anders ist. Vielleicht liegt es daran, dass es mit dem Projekt Longuo-Center noch nicht so richtig weitergeht. Ich muss dazu folgendes sagen: auf dem Gelände der Moshi Primary School ist ein kleiner Teil, der von behinderten Kindern und deren Lehrern genutzt werden darf. Dieser Teil besteht aus 3 größeren Räumen, die man alle nur von außen betreten kann, sie sind also nicht durch Innentüren miteinander verbunden. Ein Raum ist das Klassenzimmer, in dem die Kinder unterrichtet werden, in dem sie aber auch ansonsten größtenteils ihren Tag z.B. mit malen, herumtoben oder sonst irgendwie verbringen. Der Raum daneben ist der Koch- und Speiseraum über den ich ja bereits berichtet hatte. Und der dritte Raum ist ein bis letztes Jahr vollkommen brach liegender, von Schutt bestückter Raum. Ich hatte im letzten Jahr vor meiner Abreise besprochen, dass ich hier finanziell die Abtrennung übernehmen würde um aus diesem Raum einen Klassenraum als auch einen Ruheraum jeweils für die autistischen Kinder/Jugendlichen zu schaffen. Außerdem wollte ich die Bestückung des Ruheraumes übernehmen (z.B. Matten, Radio u.ä.). Alles andere (Reparaturen des Bodens, Daches, der Wände u.ä.) sollte und wollte die Regierung übernehmen. Dieses Projekt wurde von der Regierung auch begonnen, aber leider nicht fortgesetzt, so dass noch nicht wirklich viel passiert ist. Nun stellte sich in einer Besprechung in der Schule mit dem Schulleiter, dem Lehrer Kagera und mir heraus, dass man wohl der Meinung war, dass ich das Ganze zu Ende bringen könnte. Den Zahn habe ich schnell gezogen und nun sieht es scheinbar danach aus, dass mein Projekt „Unterteilung des dritten Raumes und Schaffung eine Klassenzimmers und eines Ruheraumes für die Autisten“ erst einmal auf Eis gelegt ist. Das finde ich furchtbar schade, denn es wäre hier wirklich eine sinnvolle Investition gewesen.

Sister Woinde von BCC mit Angel und Guidian im neuen Speisesaal

Ansonsten ist und bleibt es ein wenig schwierig, was die Zusammenarbeit mit der Schule betrifft. In 2018 und 2019 war die Zusammenarbeit mit der Schule insofern leichter, als ich deren Handwerker, Schneider und Schuster mit entsprechenden Arbeiten beauftragte. Da ich allerdings herausfand, dass man den Preis höher machte als üblich, damit der Lehrer – und ganz ehrlich, ich weiß nicht wer sonst noch – eine Provision erhalten konnte, habe ich mich dazu entschieden, in diesem Jahr anderen Handwerkern und Schneidern entsprechende Aufträge zu geben. So habe ich z.B. in Moshi über den Rastaman Dingi eine überaus sympatische junge Tansanierin kennengelernt, die ein kleines Geschäft in der Nähe meines Hotels hat. Sie verkauft dort Kleidung, die sie selber näht sowie Bilder, die von anderen Leuten gemalt werden. Die „Probearbeit“, die ich ihr in Auftrag gegeben hatte, nämlich ein tansanisches Kleid als auch eine tansanische Hose, die ich in ihrem Laden gesehen hatte, für mich ein wenig umzuändern, hatte sie wirklich gut hinbekommen und so gab ich ihr den Auftrag für die Herstellung neuer Schulkleidung für die behinderten Kinder des Longuo-Centers. Also nahm ich sie eines Morgens mit zur Schule, damit sie bei den Kindern Maß nehmen konnte. Ich hatte vorher natürlich den Lehrer verständigt, der darüber allerdings gar nicht erfreut war. Genauso wenig waren er und der Schulleiter darüber erfreut, dass ich über Beziehungen einen Handwerker gefunden hatte, der die Tische und Stühle der behinderten Kinder teilweise reparieren bzw. ein wenig stabiler machen soll. Wie auch immer, ich hoffe, ich kann einfach ein wenig helfen. So gibt es für die behinderten Kinder dieses Jahr „nur“ Schulkleidung, deren Anfertigung bereits in vollem Gange ist, einen Fußball, Malbücher und Malstifte, was alles bereits gekauft und in der Schule ist und voraussichtlich ein Trampolin. „Voraussichtlich“ deshalb, da es hier in Moshi keine Möglichkeit gibt, ein Trampolin zu kaufen und ich dafür nach Arusha fahren muss. Arusha ist ca. 80km von Moshi entfernt und da meine Safari-Tour zum Ngorongoro- sowie zum Tarangire Nationalpark bevorsteht und wir dafür sowieso durch Arusha fahren müssen, ist mit dem Safari-Guide bereits besprochen, dass wir in Arusha nach einem Trampolin fragen – er kennt dort ein entsprechendes Geschäft. Wenn das geschafft ist, gibt es für das Longuo-Center für mich vorerst nichts zu tun. Das einzige was bei diesem Projekt noch bleibt, ist ein Treffen mit Pastor Anna.

Schneiderin Diana nimmt Maß

Meine ersten Tage in Moshi

Mittwoch, 11.11.2020 / Donnerstag 12.11.2020

Der 11.11.2020 fing für mich gegen 8 Uhr an. Die Tansanier machen allerdings ab 6 Uhr schon einen gewaltigen Lärm durch ihre lauten Autos. Überwiegend sind es die Tuk Tuk’s, auch „Bajaji“ genannt, die diesen teilweise wirklich extremen Lärm verursachen. Tuk Tuk’s sind  auf der Basis eines Motorrades gebaute, halb geschlossene Transportmittel; halb geschlossen, da sie keine Türen haben und man einfach einsteigen kann. Sie haben vorne ein Rad und hinten zwei Räder. Eines muss man noch sagen: sie sind entsetzlich laut und stinken gewaltig!

Also: 8 Uhr aufstehen, duschen (mit warmem Wasser!), zweckmäßig kleiden und ab zum Frühstück. Das Frühstück ist relativ simpel: Toast, Butter, Erdnussbutter, eine Art Rührei, eine Art Pfannkuchen, weichgekochtes Ei, Früchte wie Bananen, Orangen, Wassermelone. Man kann wählen, was man möchte. Außerdem Tee und Kaffee. Gut gestärkt ging es dann erst einmal zu einer Wechselstube um Geld zu tauschen. Man bekommt hier unglaublich dicke Geldbündel, wenn man Geld tauscht. So bekommt man z.B. für 100,00 €  265.100,00 TZS, das bedeutet 26 Scheine à 10.000,00 TZS, 1 Schein à 5.000,00 TZS und noch irgendwelches Klimpergeld, das man hier kaum gebraucht. Und wenn man sich die Scheine so ansieht, sollte man besser nicht darüber nachdenken, wie viele Bazillen darauf herumkrabbeln!  Nachdem ich nun Geld getauscht hatte, hieß es erst einmal einen Rucksack zu kaufen, denn den musste ich zuhause lassen, da nur 1 Handgepäck erlaubt war und da hatte ich mich für eine Reisetasche entschieden, weil mehr hinein passte. Der Rucksack war schnell gekauft, denn ich fand einen, der meinem Rucksack zuhause fast identisch war – bis auf die Farbe. Ansonsten bin ich erst einmal in Moshi herumgelaufen, habe Menschen begrüßt, die ich von letztem Jahr kannte. Die Wiedersehensfreude ist immer groß und natürlich umarmt man sich zur Begrüßung, denn Corona gibt es hier ja nicht!

Über die Corona-Situation hier in Moshi habe ich von Gladness folgendes erfahren:

als man Anfang März von Corona erfuhr, wurden die Schulen und Universitäten geschlossen. Erst Anfang Juni öffneten die Uni’s wieder und Anfang Juli wurden auch die Schulen wieder geöffnet. In den Geschäften musste man Masken und Handschuhe tragen, zusätzlich wurde man von der Regierung aufgefordert Abstand zu halten und sich die Hände sehr gut mit Seife zu waschen und zu desinfizieren. Bars wurden bis Juli geschlossen. Im Juli ist man zur Normalität zurückgekehrt: keine Masken, keine Handschuhe o.ä. Lediglich wird man aufgefordert, Abstand zu halten und sich die Hände gründlich zu waschen und zu desinfizieren. Aber ehrlich: ich stelle hier nicht fest, dass man sich an diese Regeln wirklich hält. Das Einzige ist, sagt Gladness, dass die Polizei in Bars kontrolliert, ob der Abstand eingehalten wird. Und sollte dies nicht der Fall sein, wird man mit dem Stock geschlagen – das ist Afrika!

Am Donnerstag, 12.11.2020, bin ich das erste Mal zu meinem Projekt „Behinderte Kinder – Longuo Center“ gefahren. Hierzu hatte ich am Vortag Invocavity, meinen Tuk Tuk-Fahrer vom vergangenen Jahr, angerufen und mit ihm verabredet, dass er mich am Morgen um 9 Uhr abholen möge. Ich hatte niemanden im Longuo Center, weder den Schulleiter, Mr. Akaro, noch den Lehrer Kagera, mit dem ich während des Jahres in sehr regelmäßigem Kontakt stehe, über meinen Flug nach Tansania informiert. Ich hatte ihnen nur von meinem Plan, irgendwann Mitte/Ende November nach Tansania zu kommen, erzählt. Und das war natürlich Absicht, denn ich wollte nicht, dass sie sich auf meinen Besuch einstellen und vorbereiten konnten; ich wollte schließlich sehen, wie alles ist, wenn ich nicht da bin und man auch nicht mit meinem Kommen rechnete. Ich hatte von Mary, einer jungen Tansanierin, die meine Projekte in Moshi ein wenig kontrolliert, schon erfahren, dass mit dem Raum, den ich Anfang des Jahres habe umbauen lassen, irgendetwas nicht ganz in Ordnung war. Es war ein großer Raum, dessen rechte Seite lediglich zum Kochen genutzt wurde und dessen übrige Fläche vollkommen ungenutzt war. Also entschied ich kurz vor meiner Abreise im letzten Jahr, diesen Raum insofern umbauen zu lassen, als eine Zwischenwand gezogen werden und der rechte Teil als Küche sowie der linke Teil als Speiseraum genutzt werden sollte. Zusätzlich gab ich in Auftrag, für den Speiseraum 6 große Tische sowie 20 Stühle anfertigen zu lassen. Außerdem sollten für den Klassenraum nebenan 20 Einzeltische sowie 20 dazu passende Stühle angefertigt werden. Ich kam also beim Longuo Center an und schaute erst einmal in den Klassenraum um die Kinder und die Lehrer zu begrüßen. Es war eine neue, sehr sympatische junge Lehrerin im Klassenraum. Sie kümmerte sich um 9 Kinder, was bedeutete, dass 10 Kinder abwesend waren – die Gründe hierfür waren unterschiedlich, aber keiner hatte etwas mit Corona zu tun. Und ich stellte fest, dass einige Gesichter für mich neu waren und manche Jugendliche bzw. junge Erwachsene, die Schule aufgrund ihres Alters verlassen mussten.  Zu meiner Freude sah ich, dass der Klassenraum mit den neuen Möbeln ausgestattet war. Was mich allerdings beim Anblick des Speiseraumes erwartete, fand in keinster Weise mein Verständnis: hier war der Raum zwar unterteilt und gestrichen, der Boden war erneuert und insofern war alles fertig,  aber es fehlten die Möbel. Stattdessen wurden in diesem Raum Zement- und Sandsäcke gelagert, die für die Renovierung eines dritten Raumes vorgesehen waren (Projekt der Regierung). Und nun muss man wissen, dass der Raum bereits seit Ende Februar 2020 fertiggestellt ist und auch die Möbel bereits Ende Februar 2020 geliefert wurden. Nicht nur enttäuscht sondern zusätzlich erbost ging ich zum Schulleiter um die Situation zu besprechen und meine Enttäuschung auszudrücken. Mr. Akaro war natürlich überrascht, dass ich in Moshi war. Er begründete die Speiseraum-Situation damit, dass Pastor Anna von BCC, gesagt habe, die Möbel seien für die behinderten Kinder nicht geeignet – hä? Weder Mr. Akaro noch der Lehrer Kagera konnten mir sagen, was an den Möbeln falsch ist. Die für den Speiseraum vorgesehenen 6 Tische und 20 Stühle fand ich teilweise im Computerraum der nicht behinderten Kinder. Toll, soll ich jetzt wirklich glauben, dass es Pastor Anna war, die sagte, dass die Möbel nicht aufgestellt werden sollten? Ich werde es voraussichtlich diese Woche noch herausfinden, da ich ein Treffen mit Pastor Anna plane. Wie auch immer, ich habe dem Schulleiter gesagt, dass ich keinerlei Unterstützung mehr vorsehe, sofern die Möbel nicht bis Montag, 16.11.2020, im Speiseraum aufgestellt sind und von den Kindern genutzt werden. Und ich greife jetzt mal vor – als ich am Montag früh zum zweiten Mal in der Schule war, waren die Möbel im Speiseraum aufgestellt – geht doch ….., allerdings scheinbar leider nur, wenn man selber vor Ort ist!

Meine Reise nach Tansania

Dienstag, 10.11.2020

Anfang diesen Jahres hatte ich geplant, sowohl im April als auch im September nach Tansania zu fliegen um nach meinen im Jahr 2018 begonnenen und im Jahr 2019 fortgesetzten und erweiterten Projekten zu sehen und ggf. über Änderungen/Erweiterungen zu diskutieren. Aber …. das Corona-Virus hat mir einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht!

Natürlich war ich furchtbar traurig darüber, habe mich aber schnell mit der Situation abgefunden und den Kontakt zu den Tansaniern dadurch via WhatsApp intensiviert, was sehr gut funktionierte.

Und trotzdem hat mich die Idee, nach Tansania zu fliegen, natürlich nicht losgelassen. Nach langer, reiflicher Überlegung und Diskussion mit meinem Tropenarzt hatte ich mir am 28.09.2020 ein Herz gefasst und einen Flug für den 09.11.2020 bei KLM gebucht. Ich hätte gar keine Bedenken gehabt, nach Tansania zu fliegen, wenn da nicht das Covid 19-Problem wäre, denn die Tansanier kennen dieses Problem nicht! Sie sind schon lange wieder zur „Normalität“ zurückgekehrt, was bedeutet, dass Sie weder Masken tragen noch Abstand zueinander halten. Ihre Zahlen der mit dem Corona-Virus infizierten Menschen sind verschwindend gering, so zumindest laut Internet. In Wirklichkeit sieht es natürlich so aus, dass man die tatsächliche Zahl nicht kennt, denn in Tansania stellt man kaum entsprechende Messungen an.

Warum die Tansanier schnell zur „Normalität“ zurückgekehrt sind, liegt eigentlich auf der Hand: würde man hier Maßnahmen ergreifen wie in Europa, heißt z.B. half shutdown, würde das für viele Tansanier den Hungertod bedeuten. Und tatsächlich erzählt mir jeder Tansanier, dass niemand aus seiner Umgebung – weder Freunde, noch Verwandte, noch Nachbarn – gestorben ist. Möglicher Weise sind einige von ihnen infiziert (hier kümmert es niemanden, ob man Fieber, Husten oder sonst etwas Grippeähnliches hat), aber wenn jemand, woran auch immer, gestorben wäre, würde es schon auffallen. Also hat die Regierung entschieden, zur Normalität zurückzukehren.

Touristen bleiben hier nahezu aus und man muss wissen, dass Tansania’s Haupteinnahmequelle zwar die Landwirtschaft und der Bergbau sind, aber der Tourismus zunehmend an Bedeutung gewinnt für eine nachhaltige Bekämpfung der Armut. Die super schönen und wirklich beeindruckenden Nationalparks wie Serengeti, Ngorongoro, Tarangire, ……. locken unter normalen Umständen viele Touristen an, aber momentan sind die Parks nahezu leer; dabei gibt es momentan keine bessere Zeit um die Parks zu besuchen.

Aufgrund der Covid 19-Situation wird mir wieder einmal mehr bewusst, was für ein Glück ich hatte, in Deutschland geboren worden zu sein! Hier in Tansania kennt man keine Corona Soforthilfe, kein Kurzarbeitergeld, keine spezielle Hilfe für bestimmte Berufsgruppen (z.B. für die Gastronomie), einfach nichts; vom Staat bekommt man keinerlei Unterstützung.

So, und jetzt zu meiner Anreise:

Da meine Reise von der Fluggesellschaft KLM um einen Tag verschoben wurde, ging mein Flug am Dienstag Früh, 10.11.2020, 6:45h, von Düsseldorf nach Amsterdam mit einem Cityhopper von KLM. Das ist immer ziemlich easy – der Flug dauert nur 35 Minuten und trotz Maskenpflicht war das gut auszuhalten. Da ich – wie jedes Mal vor meiner Reise nach Tansania – Sorge hatte zu verschlafen, hatte ich die Nacht natürlich wieder durchgemacht. In Amsterdam hatte ich 2 ¾ Stunde Aufenthalt, was für mich nicht wirklich schlimm war, denn der Schiphol Flughafen ist ziemlich groß und so hatte ich genug Zeit um mein Gate für den nächsten Flug zu finden. Um 10:05h hieß es dann „Ready to Take-off“ und wir starteten unseren Nonstop-Flug zum Kilimanjaro International Airport. Von KLM hatte ich vorher schon die Information bekommen, dass die Auslastung in Corona-Zeiten maximal 70% ist und tatsächlich schien es so, dass die Auslastung zwischen 60% und 70% lag. Da mein Flug vom ursprünglich 09.11.2020 auf den 10.11.2020 umgelegt wurde, hatte ich einen anderen Platz zugewiesen bekommen; leider hatte ich nicht meinen ursprünglich gebuchten Fensterplatz sondern in der letzten Reihe und dann auch noch in der Mittelreihe (!) einen Platz. Mein Glück war nur, dass ich die 3er-Reihe für mich alleine hatte und mich somit ausstrecken und teilweise schlafen konnte. Die Maske musste man den ganzen Flug über tragen, was mir trotz FFP2-Einlage nicht schwer gefallen war. Lediglich zum Essen durfte man sie natürlich ausziehen. Nach 8 ½ Stunden Flugzeit, landete ich um 20:35h (Tansania ist 2 Stunden weiter) auf dem Kilimanjaro International Airport wo mich ein strömender Regen erwartete. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren (Fiebermessung, Abgabe eines Fragebogens bzgl. Corona, Beantragung und Zahlung eines Visums) konnte ich endlich meine beiden Koffer in Empfang nehmen.  Einen Koffer hatte ich wieder vollgepackt mit Kleidung als Spende für einige Tansanier; dieses Jahr konnte ich Dank meiner Nichte und einer Mitarbeitern der Kanzlei in Duisburg unglaublich viele Kindersachen mitnehmen. Nochmals ganz lieben Dank an euch beide. Außerdem hatte ich von meinem Schwager, Freunden und zwei Mitarbeiterinnen der Kanzlei in Duisburg jede Menge Kleidung für Männer und Frauen bekommen – auch hier nochmal ganz lieben Dank an euch alle. Meine Koffer wurden zwar durchleuchtet, aber der Kelch ging an mir vorüber, dass ich meine Koffer öffnen musste, anders als bei einem Ehepaar, das vor mir war. Draußen erwarteten mich John und Dingi, zwei Tansanier, die ich letztes Jahr in Moshi kennengelernt hatte, mit denen ich die ganze Zeit in Kontakt geblieben bin und mit denen ich vereinbart hatte, dass sie mich abholen würden. John ist der Inhaber einer Safari-Company und ein wirklich überaus sympathischer Tansanier. Dingi ist ein Rastaman, der das Herz am rechten Fleck trägt! Er teilt das Wenige, was er selber zum Leben hat, mit den Menschen, die um ihn herum sind. Dennoch gibt es auch eine schlechte Seite an ihm – er kann es einfach nicht lassen, zu versuchen, durch kleine Betrügereien hier und da durch’s Leben zu kommen! Manchmal denke ich, vielleicht hätte ich einen ähnlichen Charakter, wäre ich in Tansania geboren worden!

Die Fahrt nach Moshi war aufgrund des wirklich mehr als heftigen Regens äußerst spannend, denn ich wischte mit dem Lappen immer wieder die Scheiben frei, die ständig stark beschlugen, was zum Regen erschwerend dazukam. Mein Beten, heil in Moshi anzukommen, half und so erreichten wir gegen 22:30h das Hostel in Moshi, wo ich von Gladness, die hier schon seit ein paar Jahren arbeitet, sofort in die Arme geschlossen wurde – was für eine Wiedersehensfreude auf beiden Seiten! Corona? Oh, leider vergessen! Am selben Abend habe ich meine Sachen noch aus den Koffern genommen (ca. ¼ der Inhalte waren meine Dinge, der Rest waren Spenden und Geschenke für die Menschen, die ich hier kenne oder die wiederum Menschen kennen, die Unterstützung brauchen. Irgendwann bin ich dann todmüde ins Bett gefallen.

Abschied von Tansania

Am Donnerstag hieß es Abschied nehmen von Tansania. Na ja, eigentlich nicht von Tansania sondern vielmehr von den Menschen, die mir in dieser kurzen Zeit schon so sehr ans Herz gewachsen sind.

Bevor es aber zur Verabschiedung kam, war noch einiges zu regeln. Schließlich wollte ich vor meiner Abreise so viel wie möglich besprochen oder sogar zum Abschluss gebracht haben. Was war also noch offen und musste erledigt werden? Da waren:

  • Zahlung des Schulgeldes für Endri und Ibrahim (das hatte ich ja am Mittwoch nicht mehr geschafft)
  • Zahlung der Krankenversicherung für Emmanuel’s Bruder
  • letztes Treffen mit Pastor Anna und einem Handwerker wegen eines zweiten Angebotes betreffend das Projekt „Räume für Kinder mit Autismus“
  • Kaffeekauf

Meine Aktionen sollten am Donnerstag früh also mit der Zahlung des Schulgeldes für Endri und Ibrahim starten. Ich hatte mich mit Sekunda für 8:00h vor meinem Hotel verabredet. Am Abend zuvor sagte ich Sekunda, dass er unbedingt pünktlich sein müsste, da ich um 9:00h in der Schule sein wollte. Invocavit hatte ich Bescheid gegeben, dass er mich um 8:45h beim Hotel abholen sollte. Sekunda war überpünktlich kurz vor 8:00h vor meinem Hotel, so dass wir pünktlich starten konnten. Er meinte, wir bräuchten kein tuk-tuk zu nehmen, da die Schule, bei der wir Ibrahim anmelden müssten, nicht weit entfernt wäre. Nun ja, unter „nicht weit“ versteht jeder etwas anderes, aber unter dem Gesichtspunkt, dass ich nicht so viel Zeit hatte, wäre ein tuk-tuk doch sinnvoll gewesen. Das Gespräch mit dem Direktor der Schule dauerte länger als geplant und für die Zahlung der Schulgebühr mussten wir zu einer separaten Zahlstelle gehen, die außerhalb des Schulgeländes ca. 5 Minuten entfernt war, so dass ich schon frühzeitig merkte, dass meine Zeitplanung mal wieder nicht aufging. Die Dame, die die Zahlung entgegennahm, war auch nicht gerade die Schnellste und nachdem wir den Zahlungsbeleg zur Schule gebracht hatten, stellte ich durch einen schnellen Blick auf meine Uhr fest, dass es bereits 8:45h war. Mein Gefühl war also richtig – meine Zeitplanung konnte nicht aufgehen! Mein Versuch, Invocavit zu erreichen, um ihn über die Verspätung zu informieren, scheiterte – er nahm nicht ab.

Bei Sekunda machte ich etwas Druck und meinte, wir müssten uns jetzt wirklich beeilen, um auch für Endri das Schulgeld zu bezahlen. Die Schule läge nicht weit von der anderen entfernt, versicherte mir Sekunda, und so liefen wir strammen Schrittes zur nächsten Schule. Das Gespräch mit der hier zuständigen Lehrerin dauerte ebenfalls etwas länger, da sie der Meinung war, eine höhere Schulgebühr verlangen zu können. Nachdem Sekunda mit ihr in einem etwas aufgebrachten Ton diskutiert hatte (viel konnte ich nicht verstehen, da das ganze auf Suaheli stattfand), ließ sie sich dann auf die übliche Schulgebühr von 45.000 TZS (ca. 18 €) ein. Für Endri gilt allerdings das gleiche wie für Angel: für ihn sind monatlich zusätzlich 8.000 TZS (3,24 €) zu zahlen, damit er Schultests mitschreiben kann und er dadurch am Ende des Schuljahres in die nächste Stufe, nämlich Stufe 5, gehen darf. Mit Invocavit hatte ich bereits vereinbart, dass er sich um die Zahlung der monatlichen Schulgebühr für Angel und Endri kümmert; das Geld stelle ich ihm zur Verfügung. Für die Zahlung der Schulgebühr mussten wir auch hier wieder zu der Zahlstelle, bei der wir vorher schon waren; also auch hier das gleiche Procedere und der Zahlungsnachweis musste zur Schule gebracht werden. Invocavit hatte ich zwischenzeitlich erreicht und mit ihm vereinbart, dass er mich nun nicht beim Hotel sondern bei der Schule abholt bei der wir Endri angemeldet hatten. Das funktionierte auch gut, allerdings war es mittlerweile fast 10 Uhr! Wir sind durch die Stadt zurückgefahren, haben Sekunda abgesetzt und sind dann erst einmal zur Bank gefahren, da ich noch etwas Geld umtauschen musste. Bei der Bank ging der Geldwechsel, im Gegensatz zu meinen sonstigen Erfahrungen, relativ zügig. Das lag im Wesentlichen daran, dass es keine lange Menschenschlange vor den Schaltern gab – anders als sonst. Trotzdem schritt die Zeit schnell voran, so dass wir erst ca. 10:30h im Longuo-Centre ankamen, wo der Lehrer Kagera mich schon erwartete. Ein ruhiger Vormittag, wie ich ihn am letzten Tag gerne gehabt hätte, war das bis hierhin nicht.

Herr Kagera wollte mir nochmal alle Klassenräume der nicht behinderten Kinder zeigen. Die Klassenzimmer und den Computerraum hatte ich in diesem Jahr tatsächlich noch nicht gesehen. Im Comüuterraum stehen ca. 15 Computer, die scheinbar noch gar nicht so alt sind. Die Bildschirme sind nicht gerade die größten, aber für dortige Verhältnisse sind sie okay. Ein Problem sind die Stromkosten, die hoch zu sein scheinen und man die Nutzung der PC’s daher etwas einschränkt. Hierzu habe ich allerdings direkt gesagt, dass eine Unterstützung in Form von Zahlungen für Stromkosten von meiner Seite nicht erfolgen wird – das ist nun wirklich Aufgabe der Schule bzw. des Staates.  Wir sind dann noch in sämtliche Klassenräume gegangen, in denen ich von den Schülern im Chor begrüßt wurde. In einem Raum befindet sich der Kindergarten – das wusste ich bis dahin noch gar nicht. Auch hier sind ausschließlich nicht behinderte Kinder. Die Kinder lernen im Kindergarten bereits die Buchstaben und Zahlen. Mit 7 Jahren wechseln sie in die Grundschule. Die Gespräche mit den beiden Lehrern während unseres Rundganges waren für mich sehr interessant, da ich nochmals ein paar Details zu verschiedenen Schulregelungen bekam.

Als der Rundgang beendet war, ging ich in den Küchenraum, wo Invocavit mit einem Schriftstück auf mich wartete. Emmanuel’s Mutter hatte es wohl morgens abgegeben, damit wir ihren nicht behinderten Sohn bei der Krankenversicherung anmelden konnten. Ich diskutierte mit Invocavit, ob ich eine Versicherung für 30.000 TZS (ca. 12 €) oder 50.400 TZS (ca. 20 €) abschließen soll. Der Unterschied besteht darin, dass man bei der günstigeren Variante 3 Krankenhäuser zur Auswahl hat, in denen eine Behandlung vorgenommen werden kann. Bei der teureren Versicherung kann man in jedes Krankenhaus gehen, um eine Behandlung zu beanspruchen. Ich entschied mich für die teurere Variante, da ich 8 € Unterschied (im Jahr!) für nicht gerade hoch empfinde, man aber einen besseren Service hat. Um die Versicherung abschließen zu können, hätten wir in die Stadt fahren müssen. Da die Zeit mittlerweile auf 11:30h forgeschritten war, entschied ich, Invocavit das Geld zu geben, so dass er sich um den Abschluss der Versicherung kümmert. Er wird mir den entsprechenden Zahlungsbeleg per WhatsApp zusenden.

Die Zeiger der Uhr standen auf 11:30 und um 14:00h sollte Pastor Anna da sein. So entschied ich, dass Invocavit mich nach Moshi Town bringen sollte, damit ich mich hier um den Kauf des Kaffee’s kümmern konnte, den ich mit nach Deutschland nehmen wollte; schließlich hatte ich einen komplett leeren Koffer, da der Inhalt eines Koffers bei der Hinreise ja ausschließlich aus Kleiderspenden bestand, die ich entsprechend verteilt hatte. Armani, der mir 20kg Kaffee von seiner Kaffeeplantage am Abend zuvor liefern sollte, hatte mich versetzt. Vermutlich scheiterte seine Lieferung aus dem Grund, weil ich ihm sagte, ich bräuchte unbedingt eine Rechnung. Diese war für den deutschen Zoll notwendig. Invocavit fuhr mich zu einem Großhandel, wo die Kaffeebohnen in großen Behältern gelagert und entsprechend der gewünschten Menge abgepackt werden. Als wir das Gebäude betraten, stieg mir ein herrlicher Kaffeeduft in die Nase. Ich orderte 20kg Kaffee aus der Kilimanjaro-Region. Dieser Kaffee wird nur in 500g-Dosen abgepackt – leider nicht in 1kg-Tüten. So bekam ich schließlich 40 Dosen Kaffee – zum Transport im tuk-tuk in 2 Kartons gepackt. Wir fuhren zum Hotel, wo ich den Kaffee direkt in meinem Koffer verstaute. Ich hatte vorsichtshalber nur 35 Dosen, also 17,5 kg in den Koffer gepackt, da ich dachte, dass die Blechdosen ja auch ein Eigengewicht haben und ich somit keinesfalls über das erlaubte Gewicht von 23kg je Koffer kommen würde. Die anderen 5 Dosen packte ich in meine Reisetasche, in der noch etwas Platz war.

Nach dieser Aktion machten wir uns wieder auf den Weg zur Schule. Zwischendurch hielten wir bei einem Supermarkt, in dem ich ein paar Kekse für unsere Abschiedsfeier kaufte; Getränke hatte Invocavit schon von Seiten der Schule organisiert. Als wir bei der Schule ankamen, zeigte die Uhr bereits 13:45h an. Mir blieb also eine viertel Stunde bis Pastor Anna kommen würde. Diese nutzte ich, um mich zu Angel zu setzen. Angel ist 21 Jahre alt. Sie tut stets, was man ihr sagt und ist niemals aufmüpfig oder gar aggressiv. Angel sitzt immer auf ihrem Stuhl und starrt auf ihren Tisch. Oft legt sie ihren Kopf auf den Tisch. Ich hatte schon vermutet, dass sie aufgrund von Medikamenten müde ist und deshalb diese Haltung einnimmt; der Lehrer bestätigte das. Ich sprach Angel auf Suaheli an und sie antwortete auf Suaheli. Da ich mit meinem Suaheli-Wortschatz ziemlich schnell am Ende war und ich aber auch nicht stumm bei Angel sitzen wollte, hatte ich einfach etwas auf Englisch zu ihr gesagt. Und da geschah etwas, womit ich gar nicht gerechnet hatte: Angel antwortete auf Englisch! Ich war baff! Das war für mich unglaublich! Ich sagte wieder etwas in Englisch und sie erwiderte auch hier wieder auf Englisch. Als ich sie fragte, ob ihr in der Schule langweilig wäre, sagte sie auf Englisch: ja. Ich erfuhr später, dass Angel als ganz normales Kind geboren wurde. Als sie 12 oder 13 Jahre alt war, hatte sie plötzlich eine Veränderung ihres Gehirns – wodurch, scheint nicht festgestellt worden zu sein. Sie hat den Stand aus dieser Zeit und kann deshalb Englisch sprechen. Sie kann auch lesen und rechnen, aber ich habe noch nie gesehen, dass sie gefordert oder gar gefördert wird. Das nahm ich zum Anlass, Matthew von BCC anzurufen und ihm dies mitzuteilen. Matthew wird sich darum kümmern, ob man Angel fördern kann.

Pastor Anna kam kurz nach 14 Uhr zusammen mit dem Handwerker, der am Tag zuvor bereits in der Schule war. Er hatte ein Angebot für die Instandsetzung von 2 Räumen mitgebracht; das erste Angebot, das auf einem Briefpapier mit Firmenlogo und per PC geschrieben war! Jede Position war einzeln ausgewiesen – sauber! Das kannte ich bisher nicht. Von allen Handwerkern hatte ich bisher lediglich handgeschriebene Angebote erhalten. Bei manchen Aufträgen, die direkt besprochen wurden, hat man lediglich die Gesamtsumme und die geleistete Anzahlung auf einem Zettel vermerkt.

Das Angebot machte einen soliden Eindruck, allerdings ist es wesentlich teurer als das Angebot eines anderen Handwerkers, was aber auch daran liegt, dass die Angebote unterschiedliche Leistungen beinhalten. Über die Angebote wird derzeit noch diskutiert; zusätzlich wird ein weiteres Angebot eingeholt.

So, und jetzt hieß es langsam Abschied nehmen. Wir versammelten uns alle im Klassenraum der behinderten Kinder. Als Besonderheit bekamen die Kinder Limonade und Kekse, das gibt es sonst nie! Ich zog mein Blatt aus dem Rucksack, auf dem ich meine Abschiedsrede notiert hatte. Da ich wollte, dass jeder meine Worte verstand – so eben auch die behinderten Kinder, die kein Englisch verstehen – hatte ich sie am Abend zuvor in Suaheli verfasst; gut, dass es Google gibt! Von der Schule erhielt ich noch ein Abschiedsgeschenk in Form eines Stoffes, den die Massai als Gewand tragen. Von Mama Mushi und Invocavit habe ich ein zusätzliches Geschenk bekommen – ebenfalls ein Stoff, wie ihn die Massai tragen. Der Abschied fiel mir, wie auch im letzten Jahr, schwer und natürlich standen meine Augen wieder mal unter Wasser!

Invocavit hatte mich dann zum Hotel zurückgefahren, wo ich nur noch schnell ein paar Kleinigkeiten zusammenpacken musste. Mit Sekunda hatte ich mich für 15:30h im Hotel verabredet, damit ich mich von ihm noch verabschieden konnte. Pünktlich um 16:00h kam Swalehe, mein Taxifahrer. Und als ich aus dem Hotel kam, war Invocavit gekommen um mir nochmals „Good bye“ bzw. „Kwaheri“ zu sagen. Bei der Verabschiedung habe ich ihm gesagt, dass er nicht nur mein tuk-tuk-Fahrer, sondern auch mein Übersetzer und mein Bodyguard war; und so habe ich es tatsächlich auch empfunden – ich fühlte mich sicher!

Gladness wollte mit Swalehe und mir mitfahren. Sie wusste, dass ich auf dem Weg zum Kilimanjaro-Airport einen Abstecher nach Sanya Juu machen wollte, um nochmals die Leute der Hofgemeinschaft zu besuchen; Chris war inzwischen aus Deutschland zurückgekehrt. Wir setzten Gladness bei ihrem Vater in Sanya Juu ab und hatten verabredet, dass wir sie auf dem Weg zum Flughafen wieder aufgabeln würden.

Von den Leuten der Hofgemeinschaft bin ich – wie immer – herzlich empfangen worden. Mit Chris hätte ich gut Deutsch sprechen können, da er schließlich über 30 Jahre in Deutschland gearbeitet hat, allerdings fand ich es unhöflich auf Deutsch zu kommunizieren, denn uns hätte niemand verstanden, also sprachen wir Englisch. Mama Gifty hatte für abends Essen vorbereitet – es gab Pilau, das ist Reis mit Fleischstückchen. Ich mag es sehr gern. Dazu gab es Karotten mit Kohl als Salat – das kannte ich in dieser Kombination noch nicht. In Sanya Juu hatte ich nur 1 1/2 Stunden Aufenthalt, dann musste ich mich auch schon auf den Weg zum Flughafen machen. Gladness holten wir bei ihrem Vater ab und kurz nach 20:00h waren wir beim Flughafen. Ich hatte also noch genügend Zeit bis das Flugzeug um 21:50h starten würde.

Nachdem ich mich von Swalehe und Gladness verabschiedet hatte, ging ich zum Schalter um einzuchecken und dachte, hier könne wohl nichts schief gehen, denn meine Koffer hätten ja keinesfalls Übergewicht. Weit gefehlt! Man sagte mir, dass mein „Kaffeekoffer“ Übergewicht hätte, woraufhin ich meinte, dass das doch gar nicht sein könnte (ich wusste ja, dass nur 17,5 kg Kaffee zzgl. Gewicht der Dosen und die 2 leichten Tücher, die ich geschenkt bekommen hatte, im Koffer waren). Man ließ nicht locker und ich musste den Koffer öffnen, um aus diesem Dinge in die Reisetasche umzupacken. Beim Anblick der ganzen Kaffeedosen sagte keiner etwas – scheinbar nehmen mehrere Touristen größere Mengen Kaffee mit nach Deutschland. Nachdem ich 6 Dosen Kaffee umgepackt hatte, ging die Reisetasche nur mit viel Mühe zu. Glück gehabt – ich musste keine Kaffeedose zurücklassen!

Ab jetzt ging alles reibungslos. Ich musste ein Formular ausfüllen, mein Handgepäck nochmals kontrollieren lassen und dann war ich auch schon am Abflug-Gate. Es dauerte vielleicht 15 bis 20 Minuten und das Boarding begann. Der Rückflug war super angenehm, konnte ich doch tatsächlich die meiste Zeit schlafen! Kurz vor 11 Uhr hatte ich wieder deutschen Boden unter den Füßen!

Ein Resümee folgt noch im nächsten Bericht.

 

Bis nächstes Jahr!    

Tutaonana mwaka ujao!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Endspurt

Der Plan für heute war, alles zu Ende zu bringen. Es stand die Restzahlung für die Schneiderin aus, die noch eine Schuluniform nachliefern musste. Ebenso sollte die Krankenversicherung für Emmanuel’s Bruder abgeschlossen als auch die Schulgebühr für 3 „meiner 10 kleinen Kinder“ bezahlt werden (Angel, Endri und Ibraim).

 

Da mich Sekunda, der heute früh mit mir zur Schule fahren sollte, mit einer halben Stunde Verspätung abholte, ging das große Rennen schon morgens los. Wir fuhren also mit den 3 Kindern zur Schule. Ich dachte, es wäre nur eine Schule; es stellte sich aber heraus, dass Angel zu einer anderen Schule geht, als Endri und Ibraim. Also fuhren wir zunächst zu Angel’s Schule um sie dort anzumelden. Das Gespräch mit der Rektorin dauerte recht lange und ich erfuhr, dass ich von dem Direktor einer anderen Schule eine falsche Information betreffend die Höhe des Schulgeldes für Grundschulkinder bekommen hatte. Mit der Schulgebühr für Angel verhält es sich wie folgt:

zunächst sind nicht 40.000 TZS (ca. 16 €) sondern 45.000 TZS (ca. 18 €) an Schulgebühren für die Dauer von 1 Jahr zu zahlen. Die 2 € mehr oder weniger, machen den Kohl nicht fett! Da Angel aber im folgenden Jahr in die Stufe 4 wechselt, fallen jeden Monat nochmals 8.000 TZS an, die 11 Monate lang gezahlt werden müssen (insgesamt ca. 36 €). Die Schulgebühr von 45.000 TZS ist für Essen, Wasser- und Stromverbrauch. Sofern diese Gebühr nicht gezahlt wird, erhält das Kind kein Mittagessen. Die Gebühr von monatlich 8.000 TZS ist dafür, dass Angel Tests mitschreiben darf, die sie am Ende des Schuljahres in die nächste Stufe, also Stufe 5, bringen würden (Kosten diesbzgl. fallen also erst ab Stufe 4 an). Wird diese Gebühr nicht bezahlt, kann Angel am Ende des Schuljahres nicht in die nächste Stufe wechseln und muss die Klasse wiederholen. Gleiches gilt für Endri, da er ab Januar 2020 ebenfalls in Stufe 4 wechselt. Ich werde also dafür sorgen, dass die Gebühr von 8.000 TZS (3,24 €) jeweils für Angel und Endri bezahlt werden. Invocavit bekommt von mir das Geld im Voraus und wird dieses monatlich an die Schule zahlen. Die Einzahlungsquittung erhalte ich von ihm per WhatsApp. Die Grundschulzeit beträgt in Tansania übrigens 7 Jahre.

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Die Zahlung der Schulgebühr für Angel ist erfolgt.

Das Gespräch in der Schule und die Zahlung der Schulgebühr für Angel dauerte so lange, dass ich keine Zeit mehr hatte, mit Sekunda zur nächsten Schule zu fahren um die Angelegenheit der Schulgebühr auch für Endri und Ibraim zu erledigen; das musste auf morgen verschoben werden, denn ich war im Longuo-Centre mit der Schneiderin und dem Lehrer Kagera verabredet. Also mussten wir uns beeilen, um zum Hotel zurückzufahren, wo mich Invocavit mit seinem tuk-tuk aufgabelte und direkt zur Schule fuhr. Dort wartete bereits der Lehrer Kagera auf mich. Als erstes wurde die Restzahlung an die Schneiderin erledigt. Der Rektor, der zwischenzeitlich kam, wollte nochmal kurz über meine Ideen bezüglich der Räume, insbesondere für die autistischen Kinder, sprechen.

Nachdem auch das erledigt war, wurde es Zeit, in die Stadt zu fahren um die Angelegenheit der Zahlung des Krankenversicherungsbeitrages für Emmanuel’s Bruder zu regeln. Dies stellte sich für heute als nicht lösbar heraus, da er keine Geburtsurkunde hat und der Lehrer nur irgendeine Nummer von Emmanuel’s Mutter bekommen hatte – wovon oder wofür auch immer diese war. Für mich war das ganze heute etwas undurchsichtig und konfus. Emmanuel’s Mutter wird morgen früh versuchen, eine Geburtsurkunde zu bekommen; ob das so einfach und schnell geht, wage ich zu bezweifeln.

Zurück in der Schule sollten die Kinder nun ihre neue Schuluniform sowie die Schuhe bekommen. Oh Gott, war das ein Durcheinander! Erst ging alles relativ gesittet und ruhig zu, aber nachdem so etwa die ersten 5 Kinder ihre Schuluniform bekamen und anzogen, gab es ein Geschrei, Getöse und Gewusel sondergleichen. Unter den Schuhen standen die Namen, welches Kind diese bekommen sollte. Und auch die Kleidung war mit Namen versehen. Als aber der kleine Chicco (ein Junge mit Down-Syndrom) vor mir stand und ich ihm helfen wollte, seine Schuhe anzuziehen, stellte ich fest, dass einige der Schuhe und auch der Socken vertauscht worden waren – warum auch immer, sie waren doch so gut beschriftet! Zu allem Übel fand auch noch ein Kind die 10 Plastik-Quietsche-Eier, die wir gestern gekauft hatten, weil der Lehrer meinte, für autistische Kinder wäre Spielzeug mit Quietschgeräuschen sinnvoll. Okay, das mag für autistische Kinder gelten, aber nicht für meine Ohren! Sämtliche Kinder hatten nun so ein Quietsche-Ei in der Hand und quietschten damit herum, was das Zeug hielt. Emmanuel, dem ich gerade half, die Schuhe anzuziehen, hatte nichts Besseres zu tun, als mir dabei das Ei ans Ohr zu halten und ständig damit zu quietschen – Danke, lieber Emma!

Egal, irgendwann hatten wir es geschafft und die Kinder waren zur Fotosession bereit!

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Geschafft – im wahrsten Sinne des Wortes!

Und dann waren da auch noch die neuen Spielgeräte, die gestern aufgestellt und heute ausprobiert werden konnten – zumindest die Schaukel, da das Fundament schon fest war. Bei der Wippe wird es wohl bis morgen dauern, bis diese genutzt werden kann.

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Den Bau der Wippe und Schaukel hatte ich letzte Woche in Auftrag gegeben – gestern wurden sie geliefert und montiert.

Für die Kinder war das ein Highlight. Sie hatten mächtigen Spaß und alle Mitarbeiter des Longuo-Center’s waren sich einig, dass die Anschaffung der Spielgeräte eine gute Idee war. Auf die autistischen Kinder wirkte das Schaukeln beruhigend. Als alle Kinder von der Schaukel gestiegen waren, blieb eines der autistischen Kinder noch ruhig sitzen; das kennt man von diesem Kind sonst gar nicht, denn es ist ansonsten hyperaktiv.

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Spaß beim Schaukeln

Als nächstes kam ein Handwerker, der noch ein Angebot für Tische und Stühle abgeben sollte – Herr Kagera hatte ihn darum gebeten, noch vor meiner Abreise ein Angebot abzugeben. Das Angebot erschien mir wieder mal zu hoch und da ich mit Pastor Anna und Matthew vereinbart hatte, dass sie stets ein zweites Angebot einholen, sandte ich Matthew die Daten des Angebotes per WhatsApp zu.

Danach waren Herr Kagera, Invocavit und ich nochmal in der Stadt um uns im Nebengebäude einer Kirche, die in unmittelbarer Nähe des Büro’s von BCC ist, eine Trennwand anzusehen, die eventuell zur Unterteilung von zwei Räumen im Longuo-Centre sinnvoll wäre. Die Idee, sich diese Trennwand anzusehen, hatte Pastor Anna an Herrn Kagera weitergegeben. Da Herr Kagera den entsprechenden Raum im Nebengebäude der Kirche nicht fand, rief ich Matthew an, um ihn um Hilfe zu bitten. Er kam auch sogleich zusammen mit Pastor Anna. Sie zeigte uns den Raum mit der Trennwand;  diese macht tatsächlich einen guten, soliden Eindruck.

Ich fragte sie anschließend noch ein paar Dinge zu der Unterstützung seitens BCC für die erwachsenen Behinderten, die ab dem 01.01.2020 nicht mehr das Longuo-Centre besuchen dürfen. Ganz eindeutige Antworten kann man noch nicht bekommen, da BCC selber noch in Überlegungen betreffend die Problemlösung ist.

Auf dem Weg zurück zur Schule, dachte ich, dass ich nun den Tag damit beenden könnte, meinen kleinen Rollstuhlfahrer Teo und seinen Freund Brian mit dem tuk-tuk nach Hause zu bringen. Ich hatte sie heute früh mit dem tuk-tuk abholen lassen, damit sie ihre Schuluniform bekommen konnten. Derzeit haben sie keine Möglichkeit zur Schule zu kommen, da der Schulweg zu weit ist und ihre Mütter keine Transportmöglichkeit haben. Ihre Väter, die den Transport vorher erledigt hatten, haben ihre Familien verlassen. Kurz nachdem wir aus der Stadt Richtung Schule losgefahren sind, klingelte mein Handy – es war Matthew. Er kündigte Pastor Anna noch für denselben Nachmittag an. Sie wäre in einer halben Stunde zusammen mit einem Handwerker in der Schule um ein zweites Angebot einzuholen betreffend die Sanierung der Räume. Okay, aus meiner Idee, Teo und Brian zusammen mit Invocavit nach Hause zu bringen, wurde also nichts. So brachte Invocavit sie alleine zurück – Schade!

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Mein kleiner Freund Teo. Seine Tante trägt ihn auf dem Rücken, da er gelähmt und derzeit kein Rollstuhl zur Stelle ist.

Dann kam  Pastor Anna auch schon mit einem sehr seriösen Handwerker. Er ist leider scheinbar schwer krank – leidet unter Parkinson, was nicht zu übersehen war und was mir Pastor Anna auch bestätigte. Seine Ideen sind gut und mit ihm konnte ich mich betreffend meine Ideen gut austauschen. Er hat wohl entweder einige Angestellte oder Subunternehmer, mit denen er zusammenarbeitet, das habe ich noch nicht ganz herausbekommen. Pastor Anna schlug vor, dass wir uns morgen Nachmittag um 15.00h nochmals zusammen mit ihm  in der Schule treffen, damit er sein Angebot abgeben und erläutern kann. Oh je, wollte ich doch eigentlich nur morgen früh zur Verabschiedung in die Schule fahren um anschließend wenigstens kurz etwas Zeit für mich selber zu haben; schließlich werde ich um 16.00h von Swalehe, meinem Taxifahrer abgeholt, der mich erst noch einmal nach Sanya Juu fährt, damit ich die Leute der Hofgemeinschaft noch für ca 1 1/2 Stunden besuchen kann, um von dort aus zum Flughafen zu fahren, wo mein Flugzeug um 21:50h startet. Also habe ich nun vereinbart, dass wir uns spätestens um 14.00h in der Schule treffen, damit ich von Swalehe auch pünktlich abgeholt werden kann.  Auch wenn mich der Gedanke an meinen morgigen Abschied furchtbar traurig stimmt, so möchte ich dennoch meinen Flug nicht verpassen!

Meine Abschiedsrede für morgen habe ich heute Abend schon auf Suaheli vorbereitet. Schließlich gab ich den Leuten, mit denen ich hier ständig zu tun habe, mein Versprechen, dass ich noch mehr Suaheli lernen werde. Bisher hatte ich sehr gute „Privatlehrer“ – die besten waren die Kinder!

 

 

 

Ein ausgefüllter Tag

Gestern war wieder einer der komplett ausgefüllten Tage. Morgens um 9:00h hatte ich mich mit Pastor Anna und Matthew (beide von BCC) zusammen mit dem Rektor der Schule, dem Lehrer Kagera und Invocavit (meiner absoluten Vertrauensperson) verabredet, um das neue Projekt „Räume für Kinder mit Autismus“ zu besprechen. Von dem Handwerker, der letztes Jahr für uns bereits die Wasserleitung gelegt hatte, habe ich vorgestern bereits ein Angebot bekommen, das Invocavit und mir allerdings etwas hoch erschien. Ich sagte dem Handwerker, dass ich selbstverständlich noch mindestens ein zweites Angebot einholen werde um einen Vergleich zu haben. Pastor Anna hat bereits viele solcher Projekte gehabt und da sie entsprechend viele Kontakte hat, wird sie sich um weitere Angebote kümmern. Mit Invocavit habe ich besprochen, dass er ebenfalls ein Angebot einholt, da auch er Kontakte hat.

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Besprechung über eine notwendige Restaurierung von Räumen.

Nach der Besprechung warteten auch bereits die Handwerker (für die Reparatur der Fenster und des Gitters und für den Bau der Wippe und der Schaukel für die Kinder) in der Schule, da der entsprechende Restbetrag für die nunmehr ausgeführten Arbeiten bezahlt werden musste.

Am späten Mittag erschienen auch die Schneiderin sowie der Schuster in der Schule, die ebenfalls ihre Arbeiten beendet hatten. Lediglich eine Schuluniform muss die Schneiderin noch nachliefern; das wird heute Mittag geschehen. Auch hier waren nun die Restbeträge fällig, da jeder für seine Arbeiten im Voraus Geld für das Material erhielten.

Mit dem Lehrer Kagera und Invocavit hatte ich mich mittags auf den Weg in die Stadt gemacht, um mich schon einmal über eine mögliche Ausstattung des Snooze-Raumes für die autistischen Kinder und die entsprechenden Kosten zu informieren. Ein Geschäft, das derartige Artikel führt, hatten wir leider nicht ausfindig machen können. Herr Kagera hat sich telefonisch allerdings bereits mit einer Mitarbeiterin von KCMC (das größte Krankenhaus in Moshi, in dem auch deutsche Ärzte arbeiten) in Verbindung gesetzt, die ihm noch Informationen geben wird, wo man Ausstattungen für Snooze-Räume erhält (so z.B. Therapiematten und besonderes Lehrmaterial).

Nachdem in der Schule für den gestrigen Tag erst einmal alles erledigt war, musste ich mich auch schon beeilen um zum Hotel zu kommen, da ich mit Sekunda und „meinen 10 Kindern“ bei der Schneiderin (auf der Straßenseite gegenüber) verabredet war. Sie sollten ihre Schuluniform bekommen. Außerdem hatte ich vom Schuster die Schuhe für sie bekommen. Alle Kinder probierten ihre Schuluniform sowie die Schuhe direkt an und waren überaus glücklich und stolz.

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Neue Schuluniformen haben „meine 10 Kinder“ heute glücklich gemacht.

Nachdem auch das zum Abschluss gebracht werden konnte, ging ich mit allen zusammen zu ihrem Platz wo sie wohnen. Na ja, eigentlich kann man von „wohnen“ nicht reden, denn wohnlich ist es hier tatsächlich nicht. Aber was soll ich sagen – die Menschen, die hier leben, scheinen trotz allem glücklich zu sein und sie strahlen eine unglaubliche Wärme und Herzlichkeit aus. Armut bedeutet eben nicht gleich Unzufriedenheit. Mancher Europäer, der wesentlich mehr besitzt, ist sicherlich unzufriedener als manch armer Afrikaner – eigentlich crazy!

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So sieht es bei den Armen aus. Einige „meiner 10 Kinder“ schlafen hier – furchtbar!

 

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Dieser Raum ist noch schlimmer! Es gibt kein Fenster. Hier schlafen alle Jungen.

Abends um 18:30h noch ein Treffen in meinem Hotel mit Armani, dem Besitzer einer Kaffeeplantage, anschließend eine Besprechung mit Invocavit, betreffend das neue Projekt im Longuo-Centre, und der Tag war vorbei!

Und heute ist ein neuer Tag, der gerade jetzt mit meinem Frühstück beginnt.

Viele Wege führen zu Gott.

Das war mal wieder eine kurze Nacht. Da ich unbedingt meine Geschichte von meinem gestrigen Tag zu Ende schreiben wollte, war es mal wieder weit nach Mitternacht, bis ich ins Bett kam. Mein Wecker machte um 5:30h mächtigen Krach, so dass ich ihn nicht überhören konnte. Ich kam trotz des kurzen Schlafes von ca. 3 Stunden erstaunlich gut aus dem Bett. Das lag wohl daran, dass ich auf keinen Fall zu spät zur Kirche kommen wollte. Eigentlich wollte Gladness ab 6:30h in der Lounge sein um für mich ein tuk-tuk anzuhalten und den Weg zur Lutheran Church of Moshi zu beschreiben. Da ich Gladness nirgends finden konnte, hatte ich beschlossen, nicht länger zu warten und dachte, es könne wohl nicht so schwer sein, zur Kirche zu kommen; jeder Einheimische würde doch sicher die Lutheran Church of Moshi kennen! Also hielt ich vor meinem Hotel ein tuk-tuk an und sagte, ich wolle zur Lutheran Church of Moshi. Hm, der tuk-tuk-Fahrer überlegte und ich merkte schon, dass er nicht so wirklich wusste, wo die Kirche ist. Er meinte allerdings nach einer kurzen Weile, dass er nun doch wisse, wie er mich zur Kirche bringt. Er fuhr eine mir bekannte Straße entlang, bog im folgenden Kreisverkehr links ab, folgte der Straße, die auch in Richtung Longuo-Center führt und stoppte an einer Kirche.  Ich stieg aus und stellte direkt fest, dass dies die Catholic Church war. Ich sagte ihm, dass er doch vielleicht jemanden fragen könnte, wo die Lutheran Church ist. Das tat er sogleich. Eine ältere Dame erklärte ihm den Weg und so fuhr er fast den ganzen Weg wieder zurück um dann irgendwann rechts abzubiegen und an einer Kirche zu halten. Irgendwie kam mir diese Kirche auch nicht so ganz richtig vor, so dass ich einen Mann ansprach, der mir versicherte, dass dies die Lutheran Church sei. Nachdem mir dies auch eine Frau bestätigte, fragte ich zusätzlich – um auch wirklich sicher zu sein – ob John Mosh der Pastor der Kirche sei. Ich glaube, man hat mich nicht richtig verstanden, die Antwort war auf jeden Fall „ja“, die sich später aber als falsch herausstellte. Ich ging also mit einem einigermaßen guten Gefühl in die Kirche, wo eine unglaublich tolle Stimmung war. Bis zur 7-Uhr-Messe verblieben noch 15 Minuten und diese wurden von den Gläubigen zum Singen und Tanzen genutzt – typisch Afrika! Wenn man draußen steht, lädt die Musik geradezu ein, hineinzugehen und mitzumachen! Ich wäre am liebsten in der Kirche geblieben, aber irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, dass ich hier falsch war. Also verließ ich die Kirche und fragte ein paar Männer, die sich vor der Kirche versammelt hatten, ob sie wüssten, ob John Mosh der Pastor dieser Kirche sei. Sie verneinten und rieten mir, zum Pfarrbüro direkt neben der Kirche zu gehen, was ich auch sofort tat, denn schließlich lief mir die Zeit schon davon. Im Pfarrbüro schrieb man mir auf einen Zettel „Longuo-Parish“ und meinte, die Kirche sei beim KCMC-Krankenhaus und ich solle dem tuk-tuk-Fahrer den Zettel zeigen. Ich sprach also wieder einen tuk-tuk-Fahrer an, der eindeutig nichts mit dem Ort anfangen konnte. Nachdem er sich Hilfe holte, sagte er mir, er könne mich dorthin fahren. Als ich nach dem Preis fragte, versuchte er einen zu hohen Preis zu bekommen und ließ auch nicht mit sich verhandeln. Da ich die Preise inzwischen kenne, sagte ich ihm, ich würde zu Fuß gehen und ging auch schon los, was dazu führte, dass mir ein Motorradfahrer folgte (diese übernehmen hier die selben Taxidienste wie die tuk-tuk-Fahrer). Er bot mir an, mich zum Normalpreis zu der Lutheran Church of Moshi zu bringen. Da ich nun schon richtig spät dran war und ich tatsächlich gar nicht wusste, wie ich sonst zur Kirche kommen sollte, schwang ich mich hinter den Tansanier auf sein Motorrad und dann ging es auch schon los. Helm? Wird für den Mitfahrer nicht angeboten – gibt es also nur für den Fahrer. Und jetzt sag‘ mir doch mal jemand, wie man sich als Mitfahrer eines Tansaniers festhält; man kann ja wohl unmöglich die Arme um seine Hüften schlingen!Also was ist zu tun? Wenn ich schon ohne Helm und in normalen Klamotten fahre, muss ich mich doch wenigstens festhalten können, damit ich unterwegs nicht verloren gehe! Okay: „Er kann wohl nichts dagegen haben, wenn ich mich ganz leicht an seinen Oberarmen oder Schultern festhalte“, dachte ich und so war es auch, zumindest hat er sich nichts anmerken lassen. So fuhren wir eine Weile eine Straße, entlang die mir auch schon bekannt war. Dann stoppte er an einer kleinen Kirche und fragte, ob dies die Kirche sei zu der ich wollte. Hä? Ich dachte, er weiß, wie er fahren muss! Oh, das war wohl nicht der Fall! Da er aber wusste, dass es mit dem KCMC-Krankenhaus in irgendeiner Weise zu tun hatte, fuhr er weiter in Richtung KCMC. Dort angekommen, wollte er auf das Krankenhausgelände fahren, das man allerdings nur mit einer bestimmten Erlaubnis befahren darf (das wusste ich, da ich am Freitag Nahmittag zusammen mit Invocavit auf dem Krankenhausgelände war). Es stellte sich aber heraus, dass die Lutheran Church of Moshi quasi gegenüber des Krankenhausgeländes war. Gott sei Dank, wir hatten das Ziel erreicht! Ich war so glücklich, dass ich überhaupt angekommen war, so dass ich meinem Fahrer mehr gab, als er für die Fahrt verlangt hatte – schließlich ist Sonntag!

Die Messe hatte schon angefangen, also setzte ich mich in den hinteren Teil der Kirche um nicht zu stören. Der Pastor stand mit dem Rücken zur Gemeinde und betete. Irgendwie kam mir seine Statur fremd vor, er wirkte größer als sonst. Also war ich wieder verunsichert, ob ich in der richtigen Kirche war. Ich ging wieder in Richtung Ausgang und sah dort Invocavit, er stand direkt am Eingang der Kirche. Jetzt wusste ich, es musste die richtige Kirche sein, denn er würde in keine andere gehen. War ich froh! Ich begrüßte ihn leise und ging zu meinem Platz zurück. Nach wenigen Minuten kam er und setzte sich neben mich. Das hatte einen enormen Vorteil für mich, denn zwischendurch erklärte er mir ein paar Dinge, die ich sonst nicht verstanden hätte.

Und es kam wie es kommen musste: der Vorprediger forderte die jenigen, die aus anderen Regionen angereist waren, auf, aufzustehen und etwas zu ihrer Person zu sagen. Hatte ich doch am Abend vorher mit Pastor Mosh noch vereinbart, dass er an meiner Stelle etwas zu meiner Person sagen würde. Na gut, ich kneife ja nicht, wäre ja auch zu blöd! Es standen also mit mir zusammen 6 Leute auf, 4 Männer und 2 Frauen; davon 3 Schwarze und 3 Weiße. Jeder sagte nach der Reihe etwas zu seiner Person – woher er/sie kommt und den Grund seines/ihres Aufenthaltes in Tansania. Jeder bekam riesigen Beifall, die Stimmung war klasse!

Die Messe erinnerte mich ein bisschen an den Film „Sister Act“ mit Woopie Goldberg. Es wurde zwischendurch immer wieder gesungen, getanzt und auf typisch afrikanische Art gejauchzt – eine tolle Stimmung!

Was mir noch nicht bekannt war, war die Art der Kollekte. In der Nähe des Altars standen 5 große Körbe. An den Körben waren unterschiedliche Zettel angebracht, auf denen stand, wofür die Kollekte gedacht war. Man konnte also entscheiden, ob man sein Geld z.B. zur Unterstützung armer Leute, für die Kirche allgemein oder andere Dinge gibt. Zusätzlich sammelte jemand aus der Gemeinde Geld für die Anschaffung weiterer Kirchenbänke. Ich saß z.B. auf einem einfachen Plastikstuhl, da die Kirche nur maximal zur Hälfte mit Kirchenbänken ausgestattet ist. Und jetzt wurde es für mich wirklich interessant, denn so etwas hatte ich noch nicht erlebt: da einige Leute aufgrund ihrer Situation kein Geld spenden können, haben sie z.B. eine CD oder eine kleine Taschenlampe abgegeben. Die Dinge wurden gesammelt und anschließend in der Kirche meistbietend versteigert, so dass man dann für weitere Kirchenbänke eben doch wieder Geld gesammelt hatte.

Außerdem kannte ich folgendes noch nicht, was mir von Invocavit erklärt wurde:

der Pastor sagte irgendetwas, was ich natürlich nicht verstanden hatte, und es standen sogleich einige Leute aus unterschiedlichen Bänken auf und gingen nach vorne zum Pastor. Sie gaben Geld in einen Korb und gingen dann wieder zu ihren Plätzen zurück. Invocavit erklärte mir, dass das Geld die Kirchensteuer sei. Eigentlich gibt es – soweit ich gelesen hatte – in Tansania keine Kirchensteuer, aber scheinbar ist es üblich, soweit es einem finanziell möglich ist, in der Kirche 10% seines Gehaltes als Kirchensteuer abzugeben. Ob der Pastor von diesem Geld bezahlt wird, weiß ich nicht. Da mich das interessiert, werde ich nochmal versuchen etwas bzgl. des Kirchensteuersystems in Erfahrung zu bringen.

Nach der Messe versammelten sich alle vor der Kirche. Hier wurden Tomaten und anderes Gemüse versteigert, die von Leuten der Gemeinde gespendet wurden. Von dem Erlös werden vermutlich ärmere Gemeindemitglieder unterstützt.

Die Kirche war nach 2 1/2 Stunden beendet, so dass ich Eile hatte, zum Hotel zurückzukommen, denn schließlich erwartete ich dort um 10:00h Mr. Kagera.

Ich war überaus dankbar, dass Invocavit mich zum Hotel zurückbringen konnte – er war mit seinem tuk-tuk zur Kirche gekommen. Das Hotel erreichten wir 5 Minuten vor 10:00h. Mr. Kagera war auch direkt zur Stelle, so dass wir uns bei mir im Hotel an einen Tisch setzten, um das Projekt „Räume für Kinder mit Autismus“ und meine Ideen hierzu zu besprechen und uns anschließend auf den Weg zum Shirimatunda-Center machten; schließlich war dies ja der Grund unseres heutigen Treffens. Angenehm war, dass Invocavit unser tuk-tuk-Fahrer war; gleichzeitg ist er mein Übersetzer und Erklärer. Es stellte sich auf dem Weg nach Shirimatunda als schwierig dar, den Schlüssel für das Center zu bekommen; kurz vor Erreichen des Centers stellte es sich als unmöglich heraus, den Schlüssel heute bekommen zu können – Schade! Also schlug Mr. Kagera vor, den Handwerker zu besuchen, der die Schultische und -Stühle für das Shirimatunda-Center hergestellt hatte, damit ich mir ein Bild von ihm und seiner Arbeit machen konnte. Die Tische und Stühle hatte ich bei meinem ersten Besuch des Centers bereits gesehen und einen guten Eindruck davon gehabt. Der Handwerker wirkt solide. Die Werkstätten darf man nicht mit deutschen Verhältnissen vergleichen; hier ist alles wesentlich einfacher, was nicht bedeutet, dass die Arbeiten schlechter wären. Wir haben verabredet, dass er am Dienstag früh in der Schule erscheinen wird, ebenso wie der Handwerker, der die Räume restaurieren soll. Sister Anna und Matthew sollen sich ebenfalls einen Eindruck verschaffen und die Angebote überprüfen können. Wenn ich das Projekt schon zu meinem eigenen mache, dann muss ich wenigstens die Hilfe einiger sachkundiger und vertrauenswürdiger Einheimischer in Anspruch nehmen, zu denen für mich Sister Anna, Matthew, Mr. Kagera und Invocavit gehören.

Morgen werden Mr. Kagera, Invocavit und ich ein Geschäft aufsuchen, in dem ich mir diverse Einrichtungsgegenstände für Snooze-Räume ansehen kann (vermutlich Spezialmatten, Therapiematerial u.ä.). Schließlich möchte ich mir vor meiner Abreise am kommenden Donnerstag Abend noch einen Überblick über eine mögliche Ausstattung und die diesbezüglich anfallenden Kosten verschaffen.

Von unserer heutigen Tour waren wir gegen 13:00h zurückgekehrt, so dass ich ab da tatsächlich Zeit für mich hatte. Ich bin zum Coffee Union gegangen um dort ein Stück tansanischen Kuchen zu essen (sehr lecker!) und eine Tasse Cappuccino zu trinken. Dort habe ich mir noch einige Notizen betreffend des Longuo-Projektes gemacht , damit ich für die Besprechung am Dienstag früh entsprechend vorbereitet bin und eventuell verbleibende Fragen gezielt stellen und Ideen vortragen kann.

Gladness hatte ich heute Nachmittag von meinem Transporterlebnis zur Kirche erzählt, sie hat sich vor Lachen kaum eingekriegt – ich mich im übrigen auch nicht.1200px-SNice.svg[1]

 

An den kommenden Donnerstag und somit meine Rückreise nach Deutschland darf ich noch gar nicht denken. Zum einen habe ich noch so viel bis dahin zu tun und hoffe, dass ich mit allem fertig werde. Zum anderen kommen mir jetzt schon die Tränen, wenn ich an die Verabschiedung von den vielen Leuten denke, die ich hier nun schon kenne und die mir – jeder auf seine Weise und aus den unterschiedlichsten Gründen – ans Herz gewachsen sind; und ganz zu schweigen von „meinen Kindern“! Sie hier zurückzulassen fällt mir besonders schwer. Also sollte ich nicht darüber nachdenken und noch jeden Tag genießen, den ich mit den für mich so wunderbaren Menschen verbringen kann.

Hakuna Matata