Viele Wege führen zu Gott.

Das war mal wieder eine kurze Nacht. Da ich unbedingt meine Geschichte von meinem gestrigen Tag zu Ende schreiben wollte, war es mal wieder weit nach Mitternacht, bis ich ins Bett kam. Mein Wecker machte um 5:30h mächtigen Krach, so dass ich ihn nicht überhören konnte. Ich kam trotz des kurzen Schlafes von ca. 3 Stunden erstaunlich gut aus dem Bett. Das lag wohl daran, dass ich auf keinen Fall zu spät zur Kirche kommen wollte. Eigentlich wollte Gladness ab 6:30h in der Lounge sein um für mich ein tuk-tuk anzuhalten und den Weg zur Lutheran Church of Moshi zu beschreiben. Da ich Gladness nirgends finden konnte, hatte ich beschlossen, nicht länger zu warten und dachte, es könne wohl nicht so schwer sein, zur Kirche zu kommen; jeder Einheimische würde doch sicher die Lutheran Church of Moshi kennen! Also hielt ich vor meinem Hotel ein tuk-tuk an und sagte, ich wolle zur Lutheran Church of Moshi. Hm, der tuk-tuk-Fahrer überlegte und ich merkte schon, dass er nicht so wirklich wusste, wo die Kirche ist. Er meinte allerdings nach einer kurzen Weile, dass er nun doch wisse, wie er mich zur Kirche bringt. Er fuhr eine mir bekannte Straße entlang, bog im folgenden Kreisverkehr links ab, folgte der Straße, die auch in Richtung Longuo-Center führt und stoppte an einer Kirche.  Ich stieg aus und stellte direkt fest, dass dies die Catholic Church war. Ich sagte ihm, dass er doch vielleicht jemanden fragen könnte, wo die Lutheran Church ist. Das tat er sogleich. Eine ältere Dame erklärte ihm den Weg und so fuhr er fast den ganzen Weg wieder zurück um dann irgendwann rechts abzubiegen und an einer Kirche zu halten. Irgendwie kam mir diese Kirche auch nicht so ganz richtig vor, so dass ich einen Mann ansprach, der mir versicherte, dass dies die Lutheran Church sei. Nachdem mir dies auch eine Frau bestätigte, fragte ich zusätzlich – um auch wirklich sicher zu sein – ob John Mosh der Pastor der Kirche sei. Ich glaube, man hat mich nicht richtig verstanden, die Antwort war auf jeden Fall „ja“, die sich später aber als falsch herausstellte. Ich ging also mit einem einigermaßen guten Gefühl in die Kirche, wo eine unglaublich tolle Stimmung war. Bis zur 7-Uhr-Messe verblieben noch 15 Minuten und diese wurden von den Gläubigen zum Singen und Tanzen genutzt – typisch Afrika! Wenn man draußen steht, lädt die Musik geradezu ein, hineinzugehen und mitzumachen! Ich wäre am liebsten in der Kirche geblieben, aber irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, dass ich hier falsch war. Also verließ ich die Kirche und fragte ein paar Männer, die sich vor der Kirche versammelt hatten, ob sie wüssten, ob John Mosh der Pastor dieser Kirche sei. Sie verneinten und rieten mir, zum Pfarrbüro direkt neben der Kirche zu gehen, was ich auch sofort tat, denn schließlich lief mir die Zeit schon davon. Im Pfarrbüro schrieb man mir auf einen Zettel „Longuo-Parish“ und meinte, die Kirche sei beim KCMC-Krankenhaus und ich solle dem tuk-tuk-Fahrer den Zettel zeigen. Ich sprach also wieder einen tuk-tuk-Fahrer an, der eindeutig nichts mit dem Ort anfangen konnte. Nachdem er sich Hilfe holte, sagte er mir, er könne mich dorthin fahren. Als ich nach dem Preis fragte, versuchte er einen zu hohen Preis zu bekommen und ließ auch nicht mit sich verhandeln. Da ich die Preise inzwischen kenne, sagte ich ihm, ich würde zu Fuß gehen und ging auch schon los, was dazu führte, dass mir ein Motorradfahrer folgte (diese übernehmen hier die selben Taxidienste wie die tuk-tuk-Fahrer). Er bot mir an, mich zum Normalpreis zu der Lutheran Church of Moshi zu bringen. Da ich nun schon richtig spät dran war und ich tatsächlich gar nicht wusste, wie ich sonst zur Kirche kommen sollte, schwang ich mich hinter den Tansanier auf sein Motorrad und dann ging es auch schon los. Helm? Wird für den Mitfahrer nicht angeboten – gibt es also nur für den Fahrer. Und jetzt sag‘ mir doch mal jemand, wie man sich als Mitfahrer eines Tansaniers festhält; man kann ja wohl unmöglich die Arme um seine Hüften schlingen!Also was ist zu tun? Wenn ich schon ohne Helm und in normalen Klamotten fahre, muss ich mich doch wenigstens festhalten können, damit ich unterwegs nicht verloren gehe! Okay: „Er kann wohl nichts dagegen haben, wenn ich mich ganz leicht an seinen Oberarmen oder Schultern festhalte“, dachte ich und so war es auch, zumindest hat er sich nichts anmerken lassen. So fuhren wir eine Weile eine Straße, entlang die mir auch schon bekannt war. Dann stoppte er an einer kleinen Kirche und fragte, ob dies die Kirche sei zu der ich wollte. Hä? Ich dachte, er weiß, wie er fahren muss! Oh, das war wohl nicht der Fall! Da er aber wusste, dass es mit dem KCMC-Krankenhaus in irgendeiner Weise zu tun hatte, fuhr er weiter in Richtung KCMC. Dort angekommen, wollte er auf das Krankenhausgelände fahren, das man allerdings nur mit einer bestimmten Erlaubnis befahren darf (das wusste ich, da ich am Freitag Nahmittag zusammen mit Invocavit auf dem Krankenhausgelände war). Es stellte sich aber heraus, dass die Lutheran Church of Moshi quasi gegenüber des Krankenhausgeländes war. Gott sei Dank, wir hatten das Ziel erreicht! Ich war so glücklich, dass ich überhaupt angekommen war, so dass ich meinem Fahrer mehr gab, als er für die Fahrt verlangt hatte – schließlich ist Sonntag!

Die Messe hatte schon angefangen, also setzte ich mich in den hinteren Teil der Kirche um nicht zu stören. Der Pastor stand mit dem Rücken zur Gemeinde und betete. Irgendwie kam mir seine Statur fremd vor, er wirkte größer als sonst. Also war ich wieder verunsichert, ob ich in der richtigen Kirche war. Ich ging wieder in Richtung Ausgang und sah dort Invocavit, er stand direkt am Eingang der Kirche. Jetzt wusste ich, es musste die richtige Kirche sein, denn er würde in keine andere gehen. War ich froh! Ich begrüßte ihn leise und ging zu meinem Platz zurück. Nach wenigen Minuten kam er und setzte sich neben mich. Das hatte einen enormen Vorteil für mich, denn zwischendurch erklärte er mir ein paar Dinge, die ich sonst nicht verstanden hätte.

Und es kam wie es kommen musste: der Vorprediger forderte die jenigen, die aus anderen Regionen angereist waren, auf, aufzustehen und etwas zu ihrer Person zu sagen. Hatte ich doch am Abend vorher mit Pastor Mosh noch vereinbart, dass er an meiner Stelle etwas zu meiner Person sagen würde. Na gut, ich kneife ja nicht, wäre ja auch zu blöd! Es standen also mit mir zusammen 6 Leute auf, 4 Männer und 2 Frauen; davon 3 Schwarze und 3 Weiße. Jeder sagte nach der Reihe etwas zu seiner Person – woher er/sie kommt und den Grund seines/ihres Aufenthaltes in Tansania. Jeder bekam riesigen Beifall, die Stimmung war klasse!

Die Messe erinnerte mich ein bisschen an den Film „Sister Act“ mit Woopie Goldberg. Es wurde zwischendurch immer wieder gesungen, getanzt und auf typisch afrikanische Art gejauchzt – eine tolle Stimmung!

Was mir noch nicht bekannt war, war die Art der Kollekte. In der Nähe des Altars standen 5 große Körbe. An den Körben waren unterschiedliche Zettel angebracht, auf denen stand, wofür die Kollekte gedacht war. Man konnte also entscheiden, ob man sein Geld z.B. zur Unterstützung armer Leute, für die Kirche allgemein oder andere Dinge gibt. Zusätzlich sammelte jemand aus der Gemeinde Geld für die Anschaffung weiterer Kirchenbänke. Ich saß z.B. auf einem einfachen Plastikstuhl, da die Kirche nur maximal zur Hälfte mit Kirchenbänken ausgestattet ist. Und jetzt wurde es für mich wirklich interessant, denn so etwas hatte ich noch nicht erlebt: da einige Leute aufgrund ihrer Situation kein Geld spenden können, haben sie z.B. eine CD oder eine kleine Taschenlampe abgegeben. Die Dinge wurden gesammelt und anschließend in der Kirche meistbietend versteigert, so dass man dann für weitere Kirchenbänke eben doch wieder Geld gesammelt hatte.

Außerdem kannte ich folgendes noch nicht, was mir von Invocavit erklärt wurde:

der Pastor sagte irgendetwas, was ich natürlich nicht verstanden hatte, und es standen sogleich einige Leute aus unterschiedlichen Bänken auf und gingen nach vorne zum Pastor. Sie gaben Geld in einen Korb und gingen dann wieder zu ihren Plätzen zurück. Invocavit erklärte mir, dass das Geld die Kirchensteuer sei. Eigentlich gibt es – soweit ich gelesen hatte – in Tansania keine Kirchensteuer, aber scheinbar ist es üblich, soweit es einem finanziell möglich ist, in der Kirche 10% seines Gehaltes als Kirchensteuer abzugeben. Ob der Pastor von diesem Geld bezahlt wird, weiß ich nicht. Da mich das interessiert, werde ich nochmal versuchen etwas bzgl. des Kirchensteuersystems in Erfahrung zu bringen.

Nach der Messe versammelten sich alle vor der Kirche. Hier wurden Tomaten und anderes Gemüse versteigert, die von Leuten der Gemeinde gespendet wurden. Von dem Erlös werden vermutlich ärmere Gemeindemitglieder unterstützt.

Die Kirche war nach 2 1/2 Stunden beendet, so dass ich Eile hatte, zum Hotel zurückzukommen, denn schließlich erwartete ich dort um 10:00h Mr. Kagera.

Ich war überaus dankbar, dass Invocavit mich zum Hotel zurückbringen konnte – er war mit seinem tuk-tuk zur Kirche gekommen. Das Hotel erreichten wir 5 Minuten vor 10:00h. Mr. Kagera war auch direkt zur Stelle, so dass wir uns bei mir im Hotel an einen Tisch setzten, um das Projekt „Räume für Kinder mit Autismus“ und meine Ideen hierzu zu besprechen und uns anschließend auf den Weg zum Shirimatunda-Center machten; schließlich war dies ja der Grund unseres heutigen Treffens. Angenehm war, dass Invocavit unser tuk-tuk-Fahrer war; gleichzeitg ist er mein Übersetzer und Erklärer. Es stellte sich auf dem Weg nach Shirimatunda als schwierig dar, den Schlüssel für das Center zu bekommen; kurz vor Erreichen des Centers stellte es sich als unmöglich heraus, den Schlüssel heute bekommen zu können – Schade! Also schlug Mr. Kagera vor, den Handwerker zu besuchen, der die Schultische und -Stühle für das Shirimatunda-Center hergestellt hatte, damit ich mir ein Bild von ihm und seiner Arbeit machen konnte. Die Tische und Stühle hatte ich bei meinem ersten Besuch des Centers bereits gesehen und einen guten Eindruck davon gehabt. Der Handwerker wirkt solide. Die Werkstätten darf man nicht mit deutschen Verhältnissen vergleichen; hier ist alles wesentlich einfacher, was nicht bedeutet, dass die Arbeiten schlechter wären. Wir haben verabredet, dass er am Dienstag früh in der Schule erscheinen wird, ebenso wie der Handwerker, der die Räume restaurieren soll. Sister Anna und Matthew sollen sich ebenfalls einen Eindruck verschaffen und die Angebote überprüfen können. Wenn ich das Projekt schon zu meinem eigenen mache, dann muss ich wenigstens die Hilfe einiger sachkundiger und vertrauenswürdiger Einheimischer in Anspruch nehmen, zu denen für mich Sister Anna, Matthew, Mr. Kagera und Invocavit gehören.

Morgen werden Mr. Kagera, Invocavit und ich ein Geschäft aufsuchen, in dem ich mir diverse Einrichtungsgegenstände für Snooze-Räume ansehen kann (vermutlich Spezialmatten, Therapiematerial u.ä.). Schließlich möchte ich mir vor meiner Abreise am kommenden Donnerstag Abend noch einen Überblick über eine mögliche Ausstattung und die diesbezüglich anfallenden Kosten verschaffen.

Von unserer heutigen Tour waren wir gegen 13:00h zurückgekehrt, so dass ich ab da tatsächlich Zeit für mich hatte. Ich bin zum Coffee Union gegangen um dort ein Stück tansanischen Kuchen zu essen (sehr lecker!) und eine Tasse Cappuccino zu trinken. Dort habe ich mir noch einige Notizen betreffend des Longuo-Projektes gemacht , damit ich für die Besprechung am Dienstag früh entsprechend vorbereitet bin und eventuell verbleibende Fragen gezielt stellen und Ideen vortragen kann.

Gladness hatte ich heute Nachmittag von meinem Transporterlebnis zur Kirche erzählt, sie hat sich vor Lachen kaum eingekriegt – ich mich im übrigen auch nicht.1200px-SNice.svg[1]

 

An den kommenden Donnerstag und somit meine Rückreise nach Deutschland darf ich noch gar nicht denken. Zum einen habe ich noch so viel bis dahin zu tun und hoffe, dass ich mit allem fertig werde. Zum anderen kommen mir jetzt schon die Tränen, wenn ich an die Verabschiedung von den vielen Leuten denke, die ich hier nun schon kenne und die mir – jeder auf seine Weise und aus den unterschiedlichsten Gründen – ans Herz gewachsen sind; und ganz zu schweigen von „meinen Kindern“! Sie hier zurückzulassen fällt mir besonders schwer. Also sollte ich nicht darüber nachdenken und noch jeden Tag genießen, den ich mit den für mich so wunderbaren Menschen verbringen kann.

Hakuna Matata

 

Mein Vorhaben, heute auszuschlafen, konnte ich tatsächlich in die Tat umsetzen, ich bin erst um 8 Uhr aufgestanden – herrlich! Aber mein Plan, den heutigen und auch den morgigen Tag ganz allein für mich zu haben, ist nicht aufgegangen; habe das allerdings selber zu verantworten. Ich hatte nämlich Matthew gestern Abend noch per WhatsApp kontaktiert und mit ihm ein Treffen für heute Mittag 12:30h im Coffee Union vereinbart, das nur 10 Minuten Fußweg von meinem Hotel entfernt ist.  Zusätzlich hatte mich Armani heute früh per WhatsApp kontaktiert. Armani hatte ich bei meiner letzten Tansania-Reise kennengelernt, da ich seine Kaffeeplantage besichtigt hatte und mit ihm zum Kilimanjaro-Wasserfall (Materuni Waterfall) gegangen bin. Während des letzten Jahres bin ich im WhatsApp-Kontakt mit ihm geblieben und wir hatten vereinbart, dass wir uns während meines diesjährigen Aufenthaltes in Tansania irgendwann treffen. Also haben wir heute früh ein Treffen für heute Mittag 14:00h – ebenfalls im Coffee Union – vereinbart.

Bis 12:15h hatte ich Zeit für mich, die ich dafür genutzt hatte, meine Ideen betreffend die Restaurierung/Veränderung des Longuo-Centres zu Papier zu bringen. Ich hatte die Räume aufgemalt, die derzeit für die behinderten Kinder zur Verfügung stehen, Veränderungsmöglichkeiten eingezeichnet und die voraussichtlichen Kosten errechnet. Gestern hatte ich von einem Handwerker, der im letzten Jahr für uns die Wasserleitung zur Küche gelegt hatte, die voraussichtlichen Kosten für einen der Räume bekommen, so konnte ich in etwa schätzen, was die Restaurierung insgesamt kosten wird (ausschließlich der notwendigen Einrichtung). Heute bekam ich von einem anderen Handwerker einen Kostenvoranschlag für die Aufbereitung vorhandener alter Schultische und -Stühle sowie alternativ für die Anschaffung neuer Tische und Stühle. Was die Ausstattung des „Snooze-Raumes“ in etwa kosten könnte, muss ich noch in Erfahrung bringen.

Pünktlich um 12:30h war ich im Coffee Union wo mich Matthew bereits erwartete. Er sagte mir, dass er Sister Anna über unser Treffen informiert hätte und sie ebenfalls dazukommen würde – fand ich gut! Sie erschien auch dann ca. 1/4 Stunde später. Wir unterhielten uns über die Veränderungsmöglichkeiten des Longuo-Centres und die Planungen seitens BCC. Sister Anna sagte mir, dass BCC zunächst die Farm finanziert. Hinsichtlich der notwendigen Maßnahmen betreffend die Kinder mit Autismus wird sich BCC um einen Speziallehrer kümmern und die hierfür monatlich anfallenden Kosten übernehmen. Andere Kostenübernahmen sind derzeit nicht möglich. Also werde ich das wohl zu meinem Projekt machen, denn eine Veränderung der Räumlichkeiten ist dringend notwendig. Sister Anna wird sich um die Einholung eines zweiten Angebotes kümmern; für sie ist es wesentlich einfacher als für mich, schließlich hat sie viele Kontakte in Moshi und Umgebung. Es bleibt bei unserem Treffen am Dienstag früh um 9:00h im Longuo-Centre zusammen mit dem Rektor und dem Lehrer, Mr. Kagera.

Nachdem Sister Anna und Matthew etwa gegen 13:30h Coffee Union verlassen hatten, wartete ich auf Armani, der kurz vor 15:00h eintrudelte; mit der Abstimmung unserer Uhrzeit hatte es wohl ein Missverständnis gegeben. Armani ist ein unglaublich netter, junger Tansanier (30 J.). Er hat die Kaffeeplantage von seinem verstorbenen Vater geerbt; der wiederum hatte sie von seinem Großvater übernommen. Die Kaffeebäume auf seiner Plantage sind teilweise bis zu 100 Jahre alt. Gedüngt wird bei ihm nur organisch – Chemie wird nicht eingesetzt. Bei meinem Besuch seiner Kaffeeplantage im letzten Jahr hatten wir Kaffeebohnen gepflückt und bereits vorbereitete Kaffeebohnen (sie müssen einige Tage wässern und anschließend trocknen) zu Kaffeemehl gestampft und in Wasser gebrüht. Anschließend tranken wir diesen Kaffee. Sein Kaffee schmeckt fantastisch! Momentan bin ich mit Armani in Verhandlungen bzgl. seines Kaffeepreises. Außerdem versuche ich ausfindig zu machen, wie das mit der Einfuhr von Kaffee nach Deutschland aussieht. Zollfrei darf man, soweit ich das weiß, nur 500g Kaffee mitnehmen. Wie hoch der Zoll bei der Einfuhr ist, muss ich noch herausfinden. Auch eine Möglichkeit: ich hänge meinen Job an den Nagel und gehe unter die Kaffeehändler 1200px-SNice.svg[1]. Okay, glaubt man mir nicht. Richtig, mir würde ‚was fehlen! Aber es wäre ein zweites Standbein!1200px-SNice.svg[1].

Armani werde ich voraussichtlich am Montag Abend gegen 18:00h nochmal treffen.

Und dann traf ich heute Nachmittag auch noch Sekunda. Durch ihn komme ich in Hinterhöfe und Gegenden, in die man als normaler Tourist nie gehen würde. Er zeigte mir einen Markt, auf dem ein irres Treiben war – der Markt für ärmere Leute. Da Sekunda und auch andere Einheimische mittlerweile wissen, dass ich in ihrem Land bin, um Hilfe für behinderte Kinder und ärmere Menschen zu leisten, werde ich von ihnen regelrecht beschützt. Es ist inzwischen selbstverständlich, dass ich sicher zum Hotel zurückgebracht werde – ein Bodyguard wäre nicht besser!

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Der Markt für die ärmeren Leute.
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Vom Marktplatz aus hat man einen guten Blick auf den Kilimanjaro.

 

Tja, und dann wäre morgen mein „freier“ Sonntag, der nun wie folgt aussehen wird:

  1. Besuch der Messe in der Lutheran Church Moshi um 7:00h !
  2. Treffen mit dem Lehrer, Mr. Kagera, um 10:00h in meinem Hotel

Pastor John Mosh, den ich letztes Jahr in Moshi kennengelernt hatte, freut sich schon auf meinen Besuch seiner Messe, wie er sagt. Er hätte es gerne gehabt, dass ich ein paar Worte an seine Gemeinde richte und etwas über meine Person erzähle (woher ich komme und was ich in Moshi mache), aber ich sagte ihm, dass es vielleicht besser sei, dass er das für mich übernimmt, denn schließlich spreche ich nicht Suaheli und einige Mitglieder seiner Gemeinde verstehen mich vermutlich nicht, wenn ich Englisch spreche. In die Kirche kann ich mit normaler Kleidung gehen. Auf dem Land ist es üblich, dass Frauen in langen Kleidern zur Kirche gehen, aber in der Stadt tragen die Frauen – zumindest junge Frauen – auch kurze Kleider, wenn sie die Kirche besuchen (so sagte mir Gladness gerade). Ich werde eine Hose anziehen, bin ja schließlich nicht mehr jung, obwohl ich mich jung fühle! Auf die Messe bin ich schon gespannt. Hinterher haben wir leider nur kurz Zeit, um uns zu unterhalten, da John noch in eine andere Gemeinde fahren muss – dort wird er um 10:00h die nächste Predigt halten. Da ich John letzte Woche bereits getroffen hatte, ist das nicht so tragisch.

Um 10:00h werde ich von Mr. Kagera abgeholt. Wir fahren nochmal zusammen zum Center „Shirimatunda“, das wir letzte Woche bereits besuchten. In dieser Einrichtung für behinderte Kinder hatte Mr. Kagera bis Ende letzten Jahres als Lehrer gearbeitet. Ich möchte mir die Einrichtung nochmal etwas genauer ansehen, um mir einige Ideen für das Longuo-Centre zu holen. Vermutlich werden wir uns danach noch zusammensetzen, um Brainstorming zu betreiben.

Und mal sehen, was der Tag dann noch mit sich bringen wird!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt viel zu tun

Heute half ich wieder ein bisschen beim Unterricht in der Schule. „Ein bisschen“ deshalb, weil Matthew von BCC bereits um 9:30 Uhr anstatt um 10 Uhr in der Schule war und ich somit nur eine halbe Stunde Zeit für die Kinder hatte. Matthew ist ein super engagierter Kanadier – gut dass er bei BCC arbeitet.

Schwester Anna, die Leiterin von BCC Moshi, kam wie verabredet um 10 Uhr. Sie zeigte mir zunächst die Toiletten für die Kinder, die letztes Jahr noch in einem wirklich desolaten Zustand waren. BCC hat diese erneuert; es gibt jetzt sogar eine Dusche.

Dann gingen wir zu einer Stelle auf dem Schulgelände, an der eine große Wasserpumpe installiert werden soll. Die Kosten dafür werden mit 25.000.000 TZS geschätzt, das sind umgerechnet rund 10.000 €. Mit Hilfe der Wasserpumpe könnte die ganze Schule mit Wasser versorgt werden. Die Primary School (nicht behinderte Kinder), hat nur 1 Wasseranschluss, mit der auch das Longuo-Centre versorgt wird. Da BCC in der Endphase der Planung einer kleinen Farm ist, wird auf jeden Fall für dieses Projekt die Wasserpumpe benötigt. Das Geld ist – soweit ich das verstanden habe – bereits vorhanden. Auf dieser „Farm“ soll Gemüse angebaut werden. Die Kinder, und zwar sowohl behinderte als auch nicht behinderte Kinder (Projekt der Inklusion), sollen lernen, wie Gemüse angebaut, geerntet und verarbeitet wird. Eine super Idee, finde ich!

Ein weiteres Projekt ist die Herrichtung weiterer Räume für die behinderten Kinder. Gestern schrieb ich in meinem Blog bereits, dass es im Longuo-Centre ein Problem bzgl. der autistischen Kinder gibt. Sie sind hyperaktiv, teilweise leicht aggressiv und stören die anderen Kinder beim Lernen manchmal erheblich. Für die Kinder mit Autismus benötigt man dringend einen separaten Raum mit speziellen Möglichkeiten des Lernens; für sie sind besondere Lehrmittel notwendig. Zusätzlich wäre ein „Snooze room“ sinnvoll, denn gerade Autisten brauchen eine  Möglichkeit, sich zurückzuziehen und eine Auszeit zu haben. In welcher Höhe BCC die Kosten übernimmt, weiß ich noch nicht; ggf. arbeiten wir hierbei Hand in Hand. Ich habe heute Nachmittag nochmals mit Matthew per WhatsApp Kontakt aufgenommen und wir werden uns zur Besprechung des Projektes „Räume für Kinder mit Autismus“ morgen Mittag in Moshi Town treffen. Ich habe so viele Ideen und er hat sicher die besseren Erfahrungen, also: let’s join together!

Am späten Vormittag bin ich mit einem Handwerker, Barrick, und Invocavit nach Moshi Town gefahren. Das Glas eines Fensters in der „Küche“ sowie ein Gitter müssen repariert werden (siehe Bericht von gestern) und somit mussten wir Material für die Reparatur besorgen. Gleichzeitig muss Barrick bei 10 Fenstern die Fenstergriffe austauschen, da diese defekt sind; Invocavit und ich hatten sie gestern schon gekauft.

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Die Werkstatt des Metallbauers Barrick.

Als wir gegen 12 Uhr zurückgekehrt sind, hat sich Barrick auch schon an die Arbeit gemacht. Da Barrick durch die Reparatur des Gitters, das für den Klassenraum vorgesehen ist, Lärm machte, haben die Kinder vorher den Klassenraum verlassen; die Tische und Stühle wurden in die „Küche“ transportiert, so dass die Kinder ausnahmsweise dort ihr Mittagessen einnehmen konnten. Es gab heute Reis mit Karotten, dazu Spinat und etwas Fleisch sowie Melone. Natürlich habe ich das Essen wieder probiert; es schmeckte tatsächlich gut. Zum Essen hatte ich mich – wie üblich – auf die Bank in der Küche gesetzt. Hm, es fühlte sich nicht gut an und als ich aufstand war meine Hose am Po komplett nass. Das Gefühl war nicht so klasse, wusste ich doch nicht, worein ich mich gesetzt hatte! „Na ja“, dachte ich mir, „denk‘ nicht darüber nach, was es sein könnte, ändern kannst du jetzt sowieso nichts!“ Die Hose kommt im Hotel direkt in die Wäsche – das ist der Luxus, den ich mir leiste. Ein weiterer Luxus im Vergleich zum Vorjahr ist übrigens, dass ich hier im Hotel jeden Tag warmes Wasser habe – herrlich1200px-SNice.svg[1]!Im Rafiki Backpackers war das letztes Jahr Glücksache und geschätzt hatte ich an 75% meiner Urlaubstage kaltes Wasser.

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Das heutige Mittagessen in der Schule.

Jetzt freue ich mich erst einmal darauf, dass ich morgen früh ausschlafen kann und nicht um 6:30 Uhr aufstehen muss.

Usiku mwema – Gute Nacht !

 

Ein Abschluss und noch viele Planungen

Heute nahm ich in der Schule am Unterricht teil – teils als Lehrer, teils als Schüler. Als ich in der Schule ankam, wurden die Kinder bereits unterrichtet. Die Lehrerin brachte ihnen die Zahlen von 1 bis 10 bei. Einige wenige Kinder können die Zahlen bereits addieren, allerdings nur so, dass das Ergebnis maximal 10 ergibt, denn weitere Zahlen sind den Kindern noch nicht bekannt. Gespannt verfolgte ich den Unterricht. Dieser lief folgendermaßen ab:

zunächst ging jedes Kind einzeln an die Tafel, an der die Zahlen von 1 bis 10 notiert waren und las diese der Reihe nach vor. Bei den Kindern, die schon etwas weiter sind, wurden die Zahlen nicht der Reihe nach sondern durcheinander abgefragt. Anschließend setzte sich die Lehrerin zu jedem einzelnen Kind, das schon etwas mehr kann als nur die Zahlen aufsagen, und übte mit diesen addieren.  Die Addition erfolgte in der Weise, als die Lehrerin Additionsaufgaben ins Heft des Kindes schrieb, bei denen immer 2 Zahlen zu addieren waren. Die Lehrerin hielt 10 Stifte in der Hand und das Kind musste die Anzahl der Stifte nehmen, die als erste Zahl der Aufgabe stand. Anschließend nahm es die Anzahl der Stifte, die als zweite Zahl notiert war und im Anschluss daran zählte das Kind alle Stifte und schrieb die Zahl in sein Heft. Da die Lehrerin immer nur Zeit für 1 Kind hatte, dachte ich, dass ich ebenfalls mit einem Kind an einem Tisch üben könnte. Und das hat tatsächlich funktioniert, denn ein paar Wörter kann ich ja nun schon auf Suaheli, so dass das Kind mich verstehen kann. Bei der Gelegenheit habe ich also heute die Zahlen von 1 bis 10 in Suaheli gelernt. Da die Lehrerin mich morgen vermutlich abfragen wird, habe ich die Vokabeln heute noch einmal wiederholt, jetzt sollten sie sitzen 1200px-SNice.svg[1]

 

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Rose ist die Klassenbeste; sie kann schon addieren.

Nachdem der Unterricht vorerst beendet war, bekamen die Kinder ihr Frühstück – Uji (Porridge). Es ist ein sättigender warmer Brei bestehend aus Mais- und Hirsemehl, Zucker und Wasser und ggf. zusätzlich gemahlenen Erdnüssen. Beim Kochen muss gut gerührt werden, damit es nicht anbrennt. Serviert wird das ganze in einer Tasse, da Uji ein dickflüssiger Brei zum Trinken ist. Aufgrund der grau-braunen Farbe sieht Uji nicht besonders appetitlich aus. Probiert habe ich es noch nicht, werde mich aber morgen mal daran wagen.

Während die Kinder ihr Uji aßen, hatte ich eine Besprechung mit dem Lehrer, Herrn Kagera, und dem Rektor der Schule. In der Schule müssen die Griffe der Fenster erneuert, ein Fensterglas eingesetzt sowie ein Gitter repariert werden, das verhindert, dass die Kinder unkontrolliert aus dem Klassenzimmer entwischen können.

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Gespräch über die Möglichkeit der Reparatur des Gitters.

Wir werden eine Lösung finden!

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Außerdem kam Emmanuel’s Mutter in die Schule. Emmanuel (er wird Emma genannt –  ausgesprochen „Ima“) hat das Down-Syndrom. Er ist ein unglaublich liebenswerter Junge im Alter von ca. 8 Jahren; das genaue Geburtsdatum ist bei BCC nicht bekannt. Emmanuel’s Vater hat die Familie verlassen (außer Emma gibt es noch einen nicht behinderten Bruder). Leider ist das hier sehr oft der Fall, dass Männer ihre Familien wegen ihrer behinderten Kinder verlassen! Die Frauen können oft kein Geld verdienen, weil ihre Männer sie zuhause bei ihren Kindern wissen wollen. Im Fall von Emma’s Mutter verhält es sich so, dass sie tagsüber für andere Händler Gemüse verkauft; wir würden sie als eine Art „Handelsvertreterin“ bezeichnen. Sie bekommt eine Provision, die allerdings so niedrig ist, dass sie sich und ihre Kinder damit nicht durchbringen kann. Herr Kagera, Invocavit und ich suchen nach einer dauerhaften Lösung. Diese kann nicht darin bestehen, ihr einfach nur Geld für Lebensmittel zu geben. Hier heißt es „Hilfe zur Selbsthilfe“. Auch hier werden wir hoffentlich eine gute Lösung finden! Als „Erste Hilfe“ werde ich die Krankenversicherung sowie die Schulkleidung für Emma’s Bruder bezahlen – damit hat sie schon eine Sorge weniger.

Um 14 Uhr war ich mit Matthew bei BCC wegen der Zahlung der Krankenversicherungsbeiträge für 28 behinderte Kinder verabredet und somit das Thema „Krankenversicherung“ abzuschließen. Zunächst gab er mir eine aktualisierte Liste, die nunmehr 16 nicht krankenversicherte Kinder des Longuo-Centers beinhaltet (hier ist auch Emma enthalten). Somit wird die Krankenversicherung zusätzlich für 12 behinderte Kinder anderer Center bezahlt. Die Behinderungen der 28 Kinder sind unterschiedlich; 3 Kinder sind autistisch, 6 Kinder haben das Down-Syndrom, 9 Kinder haben Zerebralparese (Bewegungs-, Muskeltonus- oder Haltungsstörung („Spastik“)), 2 Kinder leiden unter Epilepsie, 1 Kind hat Multiple Sklerose und bei den anderen 7 Kindern ist die Diagnose entweder nicht eindeutig oder bei BCC nicht bekannt. Der Versicherungsschutz tritt erst mit der Erfassung der heute eingezahlten Beiträge ein; das kann laut Aussage von Matthew und Godness (der Mitarbeiter, der grds. für die Krankenversicherungsbeiträge zuständig ist) bis zu einem Monat dauern. Der Versicherungsschutz gilt für 12 Monate. Bei Teo, meinem kleinen Rollstuhlfahrer, sollte der Versicherungsschutz schon früher gewährleistet sein (ca. innerhalb von 7 Tagen) denn er braucht nur eine Anschlussversicherung, da seine Krankenversicherung erst vor kurzem ausgelaufen ist. Die anderen 27 Kinder haben schon seit längerer Zeit keinen Versicherungsschutz mehr, insofern handelt es sich um Neuversicherungen, die eine längere Bearbeitungszeit benötigen. Sobald die Kinder versichert sind, wird mir Matthew per E-Mail die Versicherungskarten zuschicken, so dass ich informiert bin, dass der Versicherungsschutz gegeben ist.

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Heute wurden die Krankenversicherungsbeiträge für 28 Kinder bezahlt: 700.000 TZS = rd. 283 €. Die Liste der zu versichernden Kinder wurde der Einzahlungsbestätigung beigefügt.

Da mir die von Belgiern gesponserte Einrichtung für behinderte Kinder, die ich gestern besuchte, gut gefiel, fragte ich Matthew heute, ob BCC eventuell den im Longuo-Centre vorhandenen dritten Raum renoviert und einrichtet, so dass er genutzt werden kann. Der Raum ist momentan in einem desolaten Zustand. Das Dach ist allerdings dicht, was nicht immer selbstverständlich ist. Zwischenzeitlich erschien auch die Leiterin des BCC-Offices von Moshi, da ihr mitgeteilt wurde, dass ich im Office bin und sie mich kennenlernen wollte. Ich unterhielt mich mit beiden über den meiner Meinung nach kaum zumutbaren Zustand, dass im Longuo-Centre nunmehr 4 autistische Kinder sind. Alle Kinder werden in 1 Klassenraum unterrichtet. Die autistischen Kinder sind unglaublich aktiv wodurch eine furchtbare Unruhe und teilweise extreme Lautstärke herrscht. Matthew und die Leiterin des Offices stimmten mir zu, dass die autistischen Kinder einen separaten Raum und Spezialbetreuung benötigen. Sie hatten sich auch schon Gedanken über die Renovierung des dritten Raumes gemacht und befinden sich mitten in der Planung. Der Raum soll speziell für die autistischen Kinder ausgestattet werden (besonderes therapeutisches Spielmaterial, weiche Matten, Musik etc.). Ich teilte den beiden mit, dass im Falle der Raum in nächster Zeit hergerichtet wird, ich einen Hängesitz übernehmen würde ; einen solchen hatte ich mir gestern bei BCC schon angesehen. Da er aus sehr robustem Material besteht, ist er zwar recht teuer – ca. 120 € – aber Sister Woinde, die ich bereits im Longuo-Centre kennengelernt hatte und die ich gestern bei BCC zufällig wiedertraf, meinte auch, dass ein solcher Hängesitz speziell für autistische Kinder geeignet und wirklich sinnvoll sei.

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Ebenso ist seitens von BCC eine kleine Farm beim Longuo-Centre geplant; das finde ich klasse! Hier ist man bei der Planung schon in der Endphase angekommen. Auf dem Schulgelände, das sehr groß ist, soll in unmittelbarer Nähe der 3 von den behinderten Kindern genutzten Schulgebäude ein Teil eingezäunt werden, auf dem man Gemüse u.ä. anpflanzt, damit die Kinder lernen, dieses zu züchten, zu ernten und zu verarbeiten. Diese „Farm“ soll auch für die nicht behinderten Kinder zugänglich sein. Das Lonuo Centre ist das einzige Projekt hier in der Gegend in dem Inklusion stattfindet.

Ich bin morgen früh um 10 Uhr mit Matthew und der Leiterin des BCC-Offices Moshi im Longuo-Centre verabredet. Sie wollen mir zum einen das Projekt der Farm vor Ort erklären und mit dem Rektor zusammen das Projekt bzgl. des Raumes für die autistischen Kinder besprechen. Ich bin schon auf morgen gespannt. Eigentlich passiert hier jeden Tag etwas, was ich nicht eingeplant hatte – mal sehen, was es morgen ist.

 

 

 

 

 

Neue Investitionen und zweite Gespräche mit BCC

Da ich gestern Abend noch Swahili lernen musste, löschte ich erst spät das Licht, was dazu führte, dass ich heute morgen verschlafen hatte. Ich musste mich also mit allem ein bisschen beeilen, damit Invocavit, der mich wieder abholte, nicht warten musste.

Meine „Arbeit“ begann damit, dass ich mich in der Schule neben den kleinen Gidian setzte und mit ihm übte, Zahlen von 1 bis 9 zu schreiben. Das ist auch einer der Gründe, warum ich ein bisschen Swahili lerne, denn schließlich muss ich den Kindern sagen können, wenn sie etwas richtig gemacht haben oder wenn sie etwas anders machen sollen.

In der Klasse war es heute recht unruhig und laut. Es sind zu viele autistische Kinder in der Klasse, die für Unruhe sorgen. Sie bräuchten eigentlich eine spezielle Betreuung, die im Longuo-Centre derzeit nicht geleistet werden kann.

Um 10 Uhr kam der Mitarbeiter von BCC, der für das Thema „Krankenversicherung“ zuständig ist (seinen Namen habe ich mir leider nicht gemerkt). Wir sprachen noch einmal über das Problem der Betreuung der erwachsenen Behinderten sowie über die Problematik, dass manche Kinder nicht zur Schule kommen können und deshalb ein Schulbus sinnvoll wäre. Außerdem haben wir uns noch einmal die Liste angesehen, auf denen die Kinder aufgeführt sind, die eine Krankenversicherung benötigen. Der Lehrerin, die sich die Liste heute ebenfalls ansah, fiel auf, dass die Eltern von zwei der dort aufgeführten Kinder die Krankenversicherung bereits bezahlt haben. Also wurden diese von der Liste gestrichen, so dass 21 Kinder vom Longuo-Centre verbleiben, die einen Versicherungsschutz benötigen. Ich teilte dem Mitarbeiter von BCC mit, dass ich von einer Freundin 300,00 € erhalten habe, um diesen Betrag für die Zahlung von Krankenversicherungsbeiträgen zu verwenden. Da mit 300,00 € der Versicherungsschutz für 29 Kinder finanziert werden kann, werde ich nun die Krankenversicherungsbeiträge für 8 weitere Kinder von anderen Einrichtungen für Behinderte, die dringend eine Krankenversicherung benötigen, bezahlen. BCC wird mir die entsprechenden Kinder schnellstens nennen. Ich hatte verabredet, dass ich noch heute um 14 Uhr bei BCC wäre um die Krankenversicherungsbeiträge zu zahlen.

Da es erst 11 Uhr war, verblieb also bis zur Verabredung noch genug Zeit, so dass der Lehrer des Longuo-Centers, Herr Kagera, vorschlug, mir die Schule für behinderte Kinder anzusehen, in der er bis Ende letzten Jahres gearbeitet hatte. So fuhren wir mit dem tuk-tuk zu der Schule, die ca. 20 Minuten vom Longuo-Centre entfernt ist. Dort angekommen, war ich von der Einrichtung überaus positiv überrascht, wirkt sie doch viel freundlicher und bietet auch mehr Platz als das Longuo Centre. Gefördert wurde die Einrichtung bisher von Sponsoren aus Belgien. In dem Garten steht eine Schaukel, die ca. 6 Kinder fassen kann, sowie eine Wippe. So etwas fehlt im Longuo-Centre und wäre für die Kinder wirklich sinnvoll – sie haben ansonsten nichts zum Spielen und Austoben. Ich fragte direkt nach dem Hersteller dieser Spielgeräte, woraufhin Herr Kagera den Konstrukteur, einen jungen Tansanier anrief, der auch sogleich kam, da er nicht weit von der Schule entfernt seine Werkstatt hat. Nach kurzen Verhandlungen wird er beide Spielgeräte nun zu einem Preis von 600.000 TZS herstellen, umgerechnet also 243,00 €. Die sichere Befestigung der Spielgeräte auf dem Boden, erfolgt kostenfrei durch BBC, mit denen ich dies noch am selben Nachmittag vereinbart hatte, da ich ihnen sagte, wenn ich schon die Spielgeräte bezahle, könne BCC zumindest die Kosten der Befestigung übernehmen.

Die Zeit war schon wieder so schnell vergangen, dass wir uns beeilen mussten um zur Schule zurück zu fahren, dort eine kleine Mahlzeit zu uns zu nehmen und dann zur Bank und anschließend zu BCC zu fahren. Da ich Land, Leute und deren Sitten kennenlernen möchte, hatte ich das Essen probiert, das die Kinder hier im Longuo-Centre  üblicher Weise bekommen: Reis mit dicken Bohnen und Spinat – schmeckt gar nicht so schlecht wie man annehmen könnte.

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Mein Mittagessen. Gegessen wird am Schultisch.

Nach dem Essen mussten wir direkt starten und zur Bank fahren um pünktlich bei BCC sein zu können. Bei der Bank war ein riesiger Andrang, dass ich schon merkte, wir würden ca. 1/4 Stunde zu spät zu unserer Verabredung kommen. Als Ausländer benötigt man zum Geldwechseln immer seinen Reisepass; dieser wird kopiert und im PC werden sämtliche Daten erfasst. Bisher war das für mich hier in Moshi kein Problem. Heute aber sollte es anders sein. Beim Erfassen meiner Daten im Computer holte sich die Bankmitarbeiterin, nachdem sie sich lange mit meinem Pass auseinandergesetzt hatte, Hilfe von einer Kollegin. Sie sahen sich dann zu zweit meinen Reisepass an, sahen immer wieder auf den Bildschirm des PC’s und unterhielten sich. Ich bekam schon ein ganz mulmiges Gefühl und wartete regelrecht darauf, dass gleich die Polizei hinter mir stehen würde. Übrigens: auf Sicherheitsabstand scheint man in Moshi nicht so viel Wert zu legen – während ich am Schalter stand (kein Geldschalter, sondern ein Schalter, an dem man sich erst registrieren lassen muss) und die beiden „Damen“ das Problem besprachen, stand zwei Schritte von mir entfernt ein Tansanier, der alles mitverfolgen konnte. Nach einer geschlagenen Stunde – ungelogen! – hielt ich dann endlich mein Wechselgeld in den Händen und konnte mit Invocaviti zu BCC fahren.

Bei BCC erwartete mich ein junger Mann, Matthew. Er ist Kanadier und seit 1 Monat für BCC in Tansania tätig. Ich fragte ihn nach der Möglichkeit der Überprüfung der Liste mit den Kindern, die keine Krankenversicherung haben. Ich sagte ihm, ich hätte das Gefühl, dass für die dort notierten Zwillingsgeschwister bereits die Krankenversicherung bezahlt sei. Ich dachte das deshalb, weil ich schon Tage zuvor erfahren hatte, dass die Zwillinge täglich von weit her mit dem tuk-tuk zur Schule gefahren werden; zusätzlich sind sie immer in Begleitung einer jungen Frau, die sich ausschließlich um sie kümmert. Also scheint für die Zwillinge gut gesorgt zu werden; dann sollte es mich wundern, wenn sie keine Krankenversicherung haben! Ich weiß nicht, wo einer der Mitarbeiter von BCC angerufen hatte, jedenfalls stellte sich innerhalb von 10 Minuten heraus, dass die Zwillinge schon krankenversichert sind. Matthew und ich entschieden daraufhin, dass er die Liste bis morgen nochmals überprüft, so dass sicher ist, dass die Kinder, die dann auf der Liste stehen, tatsächlich nicht krankenversichert sind. Morgen werde ich also wieder zu BCC gehen um dann schließlich die Krankenversicherungsbeiträge für 29 Kinder zu zahlen.

Von BCC fuhr mich Invocavit zum Hotel, wo ich auch direkt zur Schneiderin auf der gegenüber liegenden Seite gehen musste, da ich dort mit Sekunda und den 4 Kindern verabredet war, damit die Schneiderin auch bei ihnen noch Maß nehmen konnte um die Schuluniform anzufertigen. Als die Kinder mich sahen, kamen sie mit strahlenden Augen auf mich zugerannt, umarmten und drückten mich. Sekunda kam nicht allein mit den Kindern, mit ihm kamen John und Said (der Vater einiger der Kinder). Mit der Schneiderin verhandelte ich nochmals den Preis für die nun 10 Schuluniformen (Uniformen der nicht behinderten Kinder). Ich hatte den Vorteil, John als Einheimischen und scheinbar guten Verhandlungspartner bei mir zu haben; ich denke, ich habe es ihm zu verdanken, dass ich nun einen guten Preis bekommen habe: 282.000 TZS = rd. 114 €, was 11,40 € pro Schuluniform bedeutet. Pullover und Socken sind in diesem Preis nicht enthalten und sind mit insgesamt 4,85 € hinzuzurechnen, so dass die Schuluniform je Kind im Durchschnitt 16,25 € beträgt.

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Heute war wieder ein erfolgreicher Tag, den ich nun beruhigt beenden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interessante Gespräche mit BCC

Heute früh war ich als erstes mit Mama Mushi und Invocavit bei BCC. Mein Plan war es, für die Kinder die Krankenversicherungsbeiträge zu bezahlen, deren Eltern kein Geld haben um diese selber bezahlen zu können. Mama Mushi hatte mir erzählt, dass pro behindertes Kind ein Beitrag von 50.000 TZS = rd. 20 € zu zahlen sei. Ich hatte mich bereits über BCC erkundigt und somit in Erfahrung gebracht, dass BCC die Hälfte des Krankenversicherungsbeitrages übernimmt. Wir betraten das Büro von BCC und ich war davon ausgegangen, dass Mama Mushi uns angekündigt hatte, was sie aber nicht getan hat. Trotzdem hatte man für uns direkt Zeit. Der für die Krankenversicherung zuständige Mitarbeiter war nicht da, so sprach ich mit der Sekretärin, die sich eigentlich ebenso gut auskennt. Als ich mich vorstellte und den Grund meines Besuches kundtat, war sie sichtlich beeindruckt. Sie sagte mir allerdings, dass der Krankenversicherungsbeitrag 50.400 TZS betragen würde. Als ich meinte, dass dies doch niemals von den Eltern der Kinder bezahlt werden könne und ich davon gehört hätte, dass BCC einen Teil des Krankenversicherungsbeitrages übernimmt, meinte sie nochmals, dass der Beitrag von 50.400 TZS von den Eltern aufzubringen sei. Ich ließ nicht locker und irgendwann, nachdem ich ca. das fünfte Mal gefragt hatte, bekam ich die Antwort, dass BCC die Hälfte des Krankenversicherungsbeitrages bezahlen würde. Ich fragte später Invocavit, ob ich die Mitarbeiterin missverstanden hätte. Er meinte, er hätte ihre Antworten ebenso merkwürdig gefunden und wir waren uns einig, dass die Vermutung nahe liegt, sie wollte den vollen Beitrag kassieren um die Hälfte eventuell für die Zahlung von Krankenversicherungsbeiträgen anderer Kinder zu verwenden. Man muss hier scheinbar ÜBERALL aufpassen, dass man nicht über’s Ohr gehauen wird! Wie auch immer – sie rief den Mitarbeiter an, der bei BCC für die Krankenversicherung der Behinderten zuständig ist und kurz darauf im Büro erschien. Ihm habe ich gesagt, dass ich davon ausgehe, dass ich pro Kind und pro Jahr einen Krankenversicherungsbeitrag von 25.200 TZS = 10,20 € zahlen müsse, da BCC die andere Hälfte übernimmt. Er merkte, dass ich mich auskannte und bestätigte meine Annahme. Mama Mushi hatte, da ich sie letzte Woche darum gebeten hatte, eine Liste mit den Namen der Kinder vorbereitet, die nicht krankenversichert sind; diese stimmten wir mit der Liste von BCC ab; es sind 23 Kinder vom Longuo Centre, Moshi. Das bedeutet eine Zahlung von 579.600 TZS = ca. 235 €. BCC wird die notwendigen Papiere vorbereiten, so dass ich entweder morgen Nachmittag oder am Donnerstag früh die Zahlung vornehmen kann. Man gibt mir selbstverständlich eine entsprechende Einzahlungsbestätigung und später vermutlich auch eine Kopie der Versicherungskarten – ich bestehe zumindest darauf.

Dann interessierte mich natürlich auch noch die Angelegenheit betreffend die Beaufsichtigung behinderter Erwachsener, wie z.B. Elisia. Man sagte mir, dass sich diesbezüglich tatsächlich etwas geänderte hätte. Ab 01.01.2020 dürfen Behinderte, die älter sind als 22 Jahre, die Schule nicht mehr besuchen. Die Familien müssen dann selber für sie sorgen. Und es ist tatsächlich wahr, so wie ich im Bericht über Elisia schrieb, dass BCC letztmalig für 1 Jahr die Krankenversicherung bezahlt. Zusätzlich bekommen die Familien Unterstützung, damit sie Geld verdienen und für sich sorgen können. Die Unterstützung wird in Form von z.B. 2 Hennen gegeben, deren Eier verkauft werden können. Geld wird an die Familien nicht gezahlt. Auf meine Frage, ob es keine Einrichtung für behinderte Erwachsene gibt, in der sie tagsüber betreut werden können und meine Bemerkung, dass eine solche für die Behinderten sicherlich sinnvoll wäre, sagte man mir, dass darüber noch nachgedacht wird. Es scheint eine Einrichtung zu geben, die aber nicht genug Platz bietet und es fehlt derzeit wohl an Geldern.

Ebenso fehlt es an Geld, einen Schulbus für die Kinder anzuschaffen. Der Mitarbeiter wird mir morgen, spätestens jedoch übermorgen, eine Aufstellung über die voraussichtlichen Kosten für einen Schulbus mit Fahrer und Unterhalt geben. Morgen wird er außerdem gegen 10 Uhr in die Schule kommen um mir noch weitere Informationen zu geben – ich bin gespannt!

Der Mitarbeiter hat mir noch ein paar Daten von BCC gegeben:

  • es gibt 8 Center in Afrika
  • 216 behinderte Menschen werden insgesamt betreut
  • 35 Mitarbeiter sind tätig
  • das Alter der betreuten behinderten Menschen liegt momentan zwischen 2 und 45 Jahren
  • derzeit haben 120 Kinder keine Krankenversicherung und bis Ende des Jahres werden es voraussichtlich noch 50 mehr sein

Da die Besprechung bei BCC recht lange gedauert hatte, fehlte mir anschließend die Zeit für die Schule, so dass ich nur 45 Minuten bei den Kindern sein konnte um dann die Schule auch schon wieder zu verlassen um nach Sanya Juu zu fahren.

Für 13 Uhr war ich mit Swalehe, dem Taxifahrer, der mich letzte Woche vom Flughafen abgeholt hatte, vor meinem Hotel verabredet. Er sollte mich zur Hofgemeinschaft in Sanya Juu bringen. Mit uns kamen Gladness, weil sie ihre Familie, die kurz vor Sanya Juu lebt, besuchen wollte und Invocavit, der mir das unfertige Haus seiner Mutter zeigen wollte, was ebenfalls auf dem Weg nach Sanya Juu lag. Sein Vater hatte kurz vor seinem Tod (vor ca. 20 Jahren) mit dem Bau begonnen und seitdem liegt es brach – eigentlich eine Ruine. Seine Mutter beabsichtigt, dort einzuziehen sobald sie in Rente geht und das ist in etwa 2 Jahren. Gladness setzten wir bei ihrer Familie ab und so fuhren wir zu dritt zum „Hof“. Es war eine riesige Wiedersehensfreude! Natürlich hatte ich auch dieses Jahr wieder Kleiderspenden mit – einen ganzen Koffer voll – über die sie sich mächtig gefreut haben! Die Unterhaltung hat Dank Invocavit und Swalehe, die beide Englisch sprechen können, gut funktionert; die Erwachsenen des Hofes können kein Englisch und so wurde von Englisch in Suaheli und umgekehrt übersetzt. Nach einem ca. 2 1/2-stündigen Aufenthalt machten wir uns auf den Rückweg und pickten Gladness wieder auf.

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Einige Hofbewohner von Sanya Juu.

Wieder im Hotel angekommen, begrüßte mich der Koch, Mwesa, schon freudestrahlend. Er hat bei mir freie Hand, denn jeden Abend sage ich ihm, dass er entscheiden kann, was ich esse. Er weiß, dass ich typisch tansanisches Essen, mit möglichst viel Gemüse und wenig Fleisch haben möchte und so denke ich, weiß er am besten, was er mir vorsetzen kann. Bisher hat alles sehr gut geschmeckt. Chapati (sehr dünnes Fladenbrot), Samosas (mit Hackfleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen), Ugali (fester Maisbrei) und Maandazi (in Fett gebackene Krapfen) sind für Tansania typisch. Bis auf Maandazi habe ich alles schon probiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Leben in Tansania

Für vorgestern, also Samstag, 19.10.19, hatte ich mit Invocavit verabredet, dass er mich mit dem tuk-tuk abholt und zu Elisia (ich habe von ihr bereits berichtet) bringt. Invocavit war pünktlich und nach ca. 1/2 Stunde Fahrzeit hatten wir Elisia’s Zuhause erreicht, wo Mama Mushi schon auf uns wartete. Mama Mushi und Elisia kennen sich schon seit Jahren aus der Schule, schließlich konnte Elisia die Schule bis vor kurzem noch besuchen. Elisia’s Stiefmutter war leider nicht zuhause – sie war unterwegs um Geld zu verdienen. Aber ihren Halbbruder habe ich kennengelernt; er ist Mechaniker, wie er sagte. Elisia lebt in ziemlich ärmlichen Verhältnissen. Ihre Eltern sind verstorben und so lebt sie zusammen mit ihrer Stiefmutter in einem kleinen Haus. Tagsüber, wenn ihre Stiefmutter arbeitet indem sie Bohnen verkauft, macht Elisia ein paar Hausarbeiten wie putzen und waschen. Ab und zu sehen ein paar Nachbarn nach ihr. Das sind keine schönen Zustände!

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Elisia hat das Down-Syndrom. Beim Fotoshooting hatte sie mächtigen Spaß!
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Das Wohnzimmer

Von der Schule hatte ich die Information, dass ältere Schüler, vermutlich Volljährige, nicht mehr zur Schule gehen dürfen und zuhause bleiben müssen. Diese Information scheint nicht ganz korrekt zu sein – sie ist vermutlich unvollständig. Ich werde das morgen herausfinden, da ich morgen früh bei BCC (Building a Caring Community) bin um einerseits notwendige Krankenversicherungsbeiträge für voraussichtlich 15 behinderte Kinder zu zahlen (mir wurde heute von der Schule eine entsprechende Liste gegeben bei der ich erst morgen bei BCC überprüfen muss, ob diese stimmt) und andererseits Informationen über verschiedene Dinge wie „Transfer von Kindern mit einem Schulbus“ oder auch „Versorgung von volljährigen Behinderten“ einzuholen.

Nach dem Besuch bei Elisia hatte mich Mama Mushi zu sich nach Hause eingeladen. Das war für mich überraschend, denn letztes Jahr sagte mir ihr Sohn Invocavit, dass es ihm und seiner Mutter peinlich sei, zuhause Besuch zu empfangen – zumindest von Weißen! Ich habe mich also sehr über diese Einladung gefreut. Sie merken wohl, dass ich mit den Zuständen, in denen viele von ihnen leben, zurecht komme und mich „normal“ verhalte; somit scheint ihre Scham, mir ihr Zuhause zu zeigen, nicht mehr so groß zu sein, was mich natürlich sehr freut.

Mama Mushi lebt in sehr einfachen Verhältnissen. Ihr „Haus“ besteht aus 1 Zimmer. von ca. 20 qm. In dem Zimmer schläft und wohnt sie und hier wird auch gekocht. Das ist übrigens kein Einzelfall; viele Menschen leben wie Mama Mushi.

Ich habe Invocavit und Mama Mushi über das durchschnittliche Einkommen sowie die Lebenshaltungskosten befragt, nicht ihr eigenes (das wäre zu persönlich) sondern das eines in dieser Gegend „normal“ Verdienenden. Hier ein paar Angaben (alles monatlich und für 1 Person):

Gehalt: 150.000 TZS – 170.000 TZS (61 € – 69 €), Miete einer „Behausung“ wie Mama Mushi sie hat (also einfache Ausstattung): 45.000 TZS – 47.000 TZS (18 € – 19 €), Wasser (normaler Verbrauch): ca. 5.000 TZS (2 €), Strom (normaler Verbrauch): ca. 10.000 TZS (4 €). Bleiben etwa zwischen 37 € und 44 €  für Lebensmittel, Kleidung etc. übrig. Wer hier Arbeitnehmer ist, hat scheinbar zumindest eine Rentenversicherung. Betreffend die Krankenversicherung habe ich noch nichts Konkretes herausgefunden, das scheint etwas komplexer und schwieriger zu sein.

Dann interessierte mich natürlich noch, wie es sich mit Studiengebühren verhält. Ein Studium für’s Lehramt, wie es Invocavit absolviert hat, kostet ca. 1.800.000 TZS pro Jahr, das sind ca. 729 €. Für ein 3-jähriges Studium – wie es bei Invocavit der Fall war – sind das ca. 2.187 €, was für einen Durchschnittsverdiener 3 Jahresgehälter bedeutet. Wie soll eine Familie, die mehrere Kinder hat (und hier sind 3 oder mehr Kinder üblich) ein Studium finanzieren können? Invocavit erzählte mir, dass es hier aber auch so etwas wie das BAföG bei uns gibt.

Nachdem wir zusammen noch kurz in der Stadt waren, hat mich Invocavit mittags wieder zum Hotel zurückgebracht. Eigentlich sollte ich ab da Freizeit haben. Da aber direkt neben meinem Hotel Moses (sein richtiger Name ist eigentlich Musa Moganga) mit seinen Bildern steht, die er versucht zu verkaufen um damit sein Projekt „Nature and skills Center“ zu finanzieren, und er mir anbot, sein Projekt zu besichtigen, war es mal wieder nichts mit meinem Relaxen. Das ist aber auch nicht schlimm, denn ich bin ja schließlich hier um behinderte Kinder und Kinder aus armen Familien zu unterstützen und nicht um Urlaub zu machen!

Sein Projekt, das sich nahe einer Zuckerplantage außerhalb von Moshi befindet und das wir per tuk-tuk erreichten, macht einen positiven Eindruck. Man kümmert sich hier um Vorschul- und um Waisenkinder. Die 29-jährige Lehrerin, die gerade in der Klasse war, schien Hochachtung zu haben, als Moses und ich das Klassenzimmer betraten. Immer wenn Moses sie etwas fragte, stand sie vom Stuhl auf, antwortete und setzte sich wieder hin. Fragte er wieder etwas, stand sie wieder auf, antwortete und setze sich wieder. Und bei den Kindern herrschte absolute Ordnung. Sie begrüßten mich alle im Chor, so wie ich es noch aus meiner Grundschulzeit kenne. Da Moses mit vielen Touristen in dieses Center geht um Spenden zu bekommen, haben die Kinder kaum Scheu und sind Weißen gegenüber recht aufgeschlossen. Moses zeigte mir sämtliche Räume wie Küche (soweit man das „Küche“ nennen kann), Schlafraum für die Waisenkinder, Schlafraum für die Lehrerin und 1 Arbeitszimmer. Nur fiel mir erst später ein, dass ich gar keinen Waschraum gesehen hatte; der wird wohl auch irgendwo auf dem Gelände gewesen sein.

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Nachmittags kehrte ich ins Hotel zurück und konnte mich ab nun meinen ganz eigenen Dingen widmen.

Ein ausgefüllter Tag.

Freitag, 18.10.2019, was für ein Tag! Er begann damit, dass mich Invocavit um 9:00h beim Hotel abholen sollte. Als ich um 9:45h immer noch auf ihn wartete, rief Gladness ihn an um zu erfragen, wo er denn sei. Kurze Zeit darauf erschien er dann; vielleicht ist das die afrikanische Pünktlichkeit! Aber was soll’s, ich habe Zeit und da macht mir die Unpünktlichkeit, die ich hier ansonsten nicht mehr erfahren habe, nichts aus.

Wir fuhren zunächst zur Schule, wo ich von der Schneiderin und dem Schuster bereits erwartet wurde. Der Lehrer, Mr. Kagera, hatte schon dafür gesorgt, dass die beiden direkt morgens in der Schule erschienen um die Kinder mit neuer Schuluniform ausstatten zu lassen. Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung, wurden die Verhandlungen geführt. Die Schneiderin fertigt für 16 behinderte Kinder die komplette Schulkleidung an. Diese besteht aus Hemd bzw. Bluse, Rock bzw. Hose, Pullover und Socken. Für die gesamte Schuluniform für 16 Kinder bekommt sie 591.000 TZS bzw. knapp 240,00 €, im Durchschnitt sind das 15 € pro Schuluniform!

Der Schuster wird für 17 behinderte Kinder Lederschuhe herstellen. 1 Paar davon ist für Elisia (ich schrieb über sie in meinem letzten Bericht). Zusätzlich bekam er den Auftrag, für die 10 Kinder, von denen ich auch schon berichtete, ebenfalls Schuhe anzufertigen. Nachdem wir den Preis verhandelt hatten, wird er pro Paar nun 22.000 TZS bekommen, 8,90 €, insgesamt somit rund 240,00 €, für einen Tansanier ist das ein guter Auftrag!

Man versprach mir, die Schulkleidung nebst Schuhen noch vor meiner Abreise am 31.10. fertigzustellen, damit ich mit einem entsprechenden Ergebnis nach Deutschland zurückkehren kann. Ich vertraue auf das Versprechen, denn schließlich hatte es letztes Jahr auch funktioniert.

Nachdem nun alles besprochen und geklärt war, mussten wir, das bedeutet Mama Mushi, Invocavit und ich, uns beeilen um zum Pastor zu fahren, bei dem mich Mama Mushi schon für den frühen Vormittag angemeldet hatte. Den Pastor, John Mosh, kannte ich bereits von meinem letzten Aufenthalt in Moshi. Da er Mama Mushi gut kennt und ihm die behinderten Kinder ebenfalls am Herzen liegen, kümmert er sich ein wenig mit um Problemlösungen. Wir sprachen über die Organisation BCC (Building a Caring Community), die ihm gut bekannt ist. BCC übernimmt manche Kosten für die behinderten Kinder, so z.B., soweit ich das mitbekommen habe, den halben Beitrag für die Krankenversicherung. Ich fragte John M., ob BCC keinen Schulbus hätte, mit denen Kinder wie Teo zur Schule gebracht werden könnten. BCC hat zwar Busse, wie er mir berichtete, aber diese werden ausschließlich für Mitarbeiter genutzt. Aus dem Gespräch habe ich entnommen, dass bei BCC zu viel Geld „versickert“ und insofern nicht für die wirklich Bedürftigen verwendet wird; na ja, man kennt das auch aus anderen Ländern!

John M. wird sich nun umhören, ob jemand in seiner Gemeinde einen Bus o.ä. hat, mit dem man die behinderten Kinder zur Schule abholen und wieder zurückbringen kann. Zusätzlich wird er jemanden suchen, der diesen Bus morgens und nachmittags fährt. Es wird vermutlich noch etwas dauern, bis eine Lösung gefunden wird, aber ich bin sicher, wir werden eine finden! Mit John M. bleibe ich auf jeden Fall durch WhatsApp in Kontakt. Ich werde ihn vor meiner Abreise noch einmal in der Schule treffen – vermutlich am letzten Tag, so wie im vergangenen Jahr.

Und schon war es wieder Zeit, mich von John M. zu verabschieden, da ich mit „meinen Männern“ (Sekunda, Jimmy (eigentlich heißt er Isaak), Emanuel, Abdul und Said)verabredet war um die Schulangelegenheit für die 3 der 10 Kinder zu klären. Sekunda hatte schon versucht, mich telefonisch zu erreichen, da ich die verabredete Zeit von 14 Uhr leider nicht einhalten konnte. Da ich noch keine tansanische Handykarte habe (diese wird morgen organisiert), konnte ich ihn nicht anrufen, denn WhatsApp funktioniert in vielen Teilen außerhalb des Hotels leider nicht. Wie auch immer, meine „afrikanische Pünktlichkeit“ bedeutete, dass ich mit 1 Stunde Verspätung am Treffpunkt (vor meinem Hotel) ankam. Invocavit hat mich mit Sekunda und Emanuel zur Schule gefahren, allerdings nicht zu der Privatschule, bei der wir am Tag zuvor waren, sondern zu einer staatlichen Schule. Dort warteten Jimmy und Said zusammen mit einer Kinderschar schon auf uns. Die Schule macht für tansanische Verhältnisse einen wirklich guten Eindruck. Der Schuldirektor hat sich mit uns allen ausführlich unterhalten; auf Englisch funktioniert das hier ganz gut. Die Schulgebühr kostet pro Kind 48.000 TZS pro Halbjahr, das sind umgerechnet knapp 20 €. Die Gebühr ist dafür, dass die Kinder in der Schule Essen bekommen. Es gibt nur ein Problem: die Kinder können derzeit in der Schule nicht angemeldet werden, da sie in der Stadt noch nicht registriert sind. Man sagte mir allerdings, dass dies relativ zügig ginge. Ich bin gespannt, ob das in der kommenden Woche über die Bühne geht, so dass ich das Schulgeld für das kommende Schuljahr, das im Januar 2020 startet, noch vor meiner Abreise zahlen kann.

Nachdem die Schulangelegenheit besprochen war, sind wir mit 6 Kindern zu einer Schneiderin gegangen, die täglich auf der vom Hotel gegenüber liegenden Straßenseite an ihrer Nähmaschine sitzt. Sie ist nicht die Schneiderin, die für die behinderten Schulkinder die Schuluniformen schneidert. Ich habe sie bei meinem letzten Tansania-besuch kennengelernt und da sie eine unglaublich freundliche Tansanierin ist, die gut schneidern kann, habe ich ihr den Auftrag für zunächst 6 Schuluniformen gegeben, denn nur für diese konnte am Freitag Maß genommen werden. Die anderen 4 Schuluniformen werden morgen (21.10.) in Auftrag gegeben. Wir treffen uns deshalb morgen Nachmittag zusammen mit den Kindern bei der Schneiderin, so dass sie auch bei diesen Maß nehmen kann.  Sie hat mir versprochen, dass die Schuluniformen spätestens bis zum 26.10. fertiggestellt sind.

Die Kinder haben inzwischen ihre Scheu vor mir komplett verloren. Sie nehmen meine Hand und wollen diese am liebsten nicht mehr los lassen. Sie strahlen eine so große Freude aus und man spürt und sieht, wie glücklich sie darüber sind, dass sie neue Schuluniformen bekommen und am Freitag bereits die dazugehörigen Pullover erhalten haben.

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Die Kinder mit ihren neuen Pullovern.
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Freude pur!

Jimmy, der sich um die meisten Dinge betreffend die 10 Kinder kümmert und somit mein Hauptansprechpartner ist,  hatte ich gesagt, dass der Schuster die Füße der Kinder messen wird, damit er auch für diese die Schuhe produzieren kann. Hierfür sollte möglichst bald ein Termin vereinbart werden.

Es gibt noch einiges zu tun, aber wenn man bedenkt, dass ich erst seit 5 Tagen in Moshi bin, habe ich für diese kurze Zeit schon unglaublich viel erlebt und erfahren, jede Menge Einheimische kennengelernt, viele Gespräche geführt  und schon so einige Dinge in die Wege leiten können.

Mein erster Schultag.

Erst einmal muss ich folgendes klarstellen, damit keine Missverständnisse entstehen: wenn ich Bilder veröffentliche, auf denen Personen zu erkennen sind, so habe ich vorher ihr Einverständnis eingeholt. Bei Bildern mit behinderten Menschen habe ich entweder deren Lehrer oder Angehörige um ihr Einverständnis gefragt.

So, und nun der Anschluss an meinen letzten Bericht:

am Donnerstag früh holte mich Invocavit mit seinem tuk-tuk ab. Invocavit hatte letztes Jahr sein Studium für’s Lehramt beendet und möchte eigentlich als Lehrer arbeiten, bekommt aber derzeit keine Anstellung, da nicht so viele Lehrer benötigt werden. So lange er auf eine Anstellung wartet, verdient er sich den Lebensunterhalt durch die Beförderung von Leuten via tuk-tuk, das er gemietet hat.

Wir fuhren also zusammen zur Schule und da es in der vorangegangenen Nacht heftig geregnet hatte, waren die Wege noch schlimmer, als sie sowieso schon sind!

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Mein Weg zur Schule.

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In der Schule angekommen, erfuhr ich direkt eine gute Neuigkeit: die junge Lehrerin, die letztes Jahr die Kinder „unterrichtete“, wurde durch einen Lehrer ersetzt. Er macht, soweit ich das nach dem 1. Tag in der Schule beurteilen kann, einen wirklich guten Job. Zum ersten Mal habe ich erlebt, dass ein Lehrer mit den behinderten Kindern spielt. Außerdem hat er mit den Kindern leichte „Sportübungen“ gemacht – einfach klasse, ich bin begeistert!

 

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Die Kinder mit ihrem Lehrer (rechts) beim Spielen.

In der Klasse sind einige Kinder neu hinzugekommen. Derzeit sind es 17 Schüler/-innen. Sehr, sehr traurig bin ich aber darüber, dass mein kleiner Freund Teodatus (kurz „Teo) nicht zur Schule kommen kann. Seine Mutter kann ihn nicht mehr auf dem Rücken tragen und zur Schule bringen  – so wie letztes Jahr noch – und da er im Rollstuhl sitzt und die Straßenverhältnisse katastrophal sind, hat er keine Möglichkeit, die Schule zu besuchen.  Einen Schulbus gibt es für die behinderten Kinder nicht; dazu aber noch später in meinem nächsten Bericht. Auch „mein liebster Ericki“ kommt nicht mehr zur Schule; er hatte zu viele epileptische Anfälle und ist daher immer wieder hingefallen. Nun lebt er bei seinem Großvater, der aber scheinbar nicht genug Geld für die ganzen Medikamente hat, die Ericki eigentlich benötigt. Ich werde ihn und seinen Großvater voraussichtlich in der kommenden Woche besuchen.

Nachdem ich am Unterricht teilgenommen hatte – und die Lehrerin fragte auch mich tatsächlich einmal ab  (so lerne ich ein bisschen Suaheli) – hatte ich Gelegenheit, mit dem Lehrer ausführlich über die Gegebenheiten in der Klasse zu sprechen. Derzeit finden scheinbar Veränderungen in der Weise statt, als die älteren Kinder – vermutlich die Volljährigen, aber hierzu muss ich den Direktor noch befragen – nicht mehr zur Schule kommen dürfen. Es gibt aber auch keine andere Möglichkeit für sie, irgendeine Einrichtung zu besuchen. So bleiben sie einfach zuhause. BCC, die Organisation, die sich um die behinderten Kinder kümmert, zahlt ab dann nur noch für 1 Jahr die Krankenversicherung, dann stoppen sie die Zahlungen. Außerdem werden die Zahlungen gestoppt, die monatlich von BCC üblicher Weise an die Familien gezahlt werden. Im Falle von Elisia (47 Jahre, Down-Syndrom), die bis vor kurzem noch zur Schule gehen konnte und von BCC unterstützt wurde, bedeutet dies folgendes: ihre Stiefmutter, bei der Elisia lebt (die Eltern von Elisia sind bereits verstorben), erhielt bisher monatlich 44.000 TZS, umgerechnet ca. 18 €; zusätzlich ist Elisia krankenversichert. Die Krankenversicherung wird von BCC für 1 Jahr weiterbezahlt, die monatlichen Zahlungen aber werden gestoppt. Stattdessen bekommt die Familie einmalig 2 Hühner. Vermutlich sollen sie mit dem Verkauf der Eier Geld verdienen können. Im Falle von Elisia ist es nicht ganz so tragisch, dass sie zuhause bleiben muss, da sie Hausarbeiten wie putzen und waschen verrichten kann; ihre Stiefmutter muss mit dem Verkauf ihrer selbst angebauten Bohnen Geld verdienen. Was wird aber mit den Familien, die ihre behinderten Angehörigen nicht alleine lassen können?

Zusätzlich haben wir über benötigte Schuluniformen gesprochen, die ich Mama Mushi bereits zugesagt hatte. Eine Schneiderin und ein Schuster waren am nächsten Tag in der Schule; hierzu in meinem nächsten Bericht mehr.

Mittags brachte mich Invocavit wieder in mein Hotel zurück, wo ich nur einen kurzen Aufenthalt hatte, da ich mich um 14h schon wieder mit den Männern vom Tag verabredet hatte um mit ihnen zur Schule zu gehen. Dort wollte ich mich selber über die Schule und die Möglichkeiten, drei der Kinder dort anzumelden, informieren. Die Schule (eine Privatschule) machte einen guten Eindruck, allerdings kam es zu keinem Gespräch mit der Lehrerin, obwohl wir schon zusammen an einem Tisch gesessen hatten. Man sagte mir dann nach kurzer Zeit, dass die Lehrerin nach Hause gehen müsse, da sie sich nicht wohl fühlte. Hm, alles etwas merkwürdig. Ich vermute, dass das Problem eher darin bestand, dass die Kinder, die angemeldet werden sollten, noch nicht bei der Stadt registriert sind. Eine Privatschule muss es auch nicht sein, obwohl diese hier wesentlich besser sein sollen als die städtischen Schulen; es gibt aber auch gute städtische Schulen. Eine solche haben wir am nächsten Tag aufgesucht (hierzu in meinem nächsten Bericht mehr).

Einer der Männer oder manchmal auch mehrere, bringen mich immer sicher zum Hotel zurück. Sie machen mich zwischendurch immer wieder darauf aufmerksam, dass man zwar keine Angst um sein Leben haben muss, aber dass es hier Menschen gibt, die versuchen, einem die Tasche oder den Rucksack  zu entreißen. Hält man alles aber sicher am Körper und steckt das Handy vorne oder seitlich in die Hosentasche, kann man davon ausgehen, dass nichts passiert. Da ich kaum eine Chance habe alleine unterwegs zu sein, denn ich kenne inzwischen sehr viele Leute, habe ich schon einen gewissen Schutz! Dadurch komme ich in Gebiete, in die vermutlich kaum ein Tourist gehen würde, was für meine „Mission“, armen und benachteiligten Menschen zu helfen, natürlich gut ist.

Kwa heri! Tutaonana kesho.

(Auf Wiedersehen! Bis morgen.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Nachdem ich gestern früh ein für mich in Tansania bekanntes und übliches Frühstück hatte (Toast mit Erdnussbutter und Rührei, dazu so viel Kaffee wie man mag. Und natürlich ein Stück Banane und ein Stück Orange – das gehört hier auf den Frühstücksteller), machte ich mich erst einmal auf den Weg zu einer Wechselstube. Mein Plan war es, danach – also gegen Mittag – zur Schule zu gehen, in der ich mit Hilfe von Spendengeldern behinderte Kinder unterstütze. Auf der Suche nach der Wechselstube, in der ich letztes Jahr immer mit Yvonne war, wenn wir Geld tauschen mussten, sprach mich ein junger Tansanier, Sekunda (sein Spitzname), an. Wie jeder Tansanier, versuchte er herauszufinden, woher ich komme und was ich in Moshi mache . In Tansania ist es üblich, dass man als Weiße(r) auf der Straße einfach angesprochen wird, da die Tansanier glauben, jede(r) Weiße sei reich und könne Geld geben. Da ich grundsätzlich ein offener Mensch ohne große Ängste bin (mit kleinen Ausnahmen), habe ich mit ihm ein umfangreiches Gespräch geführt, was zur Folge hatte, dass er mir half, eine Wechselstube oder Bank zu finden. Zuerst führte er mich in einen Hinterhof, wo ich doch ein wenig Bedenken hatte, ob das gut geht. In der dortigen „Wechselstube“ war ich der Meinung, dass der Kurs zu schlecht war und so scheute Sekunda es nicht, mich von Bank zu Bank zu bringen um tatsächlich den besten Wechselkurs herauszufinden. Unglaublich, das würde ein Deutscher niemals machen, schon gar nicht für einen Ausländer – und hier bin ich ein Ausländer! Nachdem ich mein Geld zu besten Konditionen gewechselt hatte, führte mich Sekunda natürlich noch zu dem Platz, an dem er mit ein paar anderen Männern Bilder malt und diese dort verkauft. Auf dem Weg dorthin erzählte er mir seine „Geschichte“ und die der anderen. Er und mind. 2 der weiteren jungen Männer sind selber auf der Straße bzw. im Waisenhaus aufgewachsen. Das ist der Grund, warum sie sich um Waisenkinder und Kinder von armen Familien kümmern. Sie bringen nachmittags nach der Schule verschiedenen Kindern das Malen bei, so dass ein Teil des Erlöses aus dem Verkauf dieser und anderer Bilder dazu verwendet werden kann um beispielsweise Schulhefte kaufen zu können. Sie erzählten mir auch, dass sie sich um sehr arme Familien in einer bestimmten Region von Moshi kümmern und zwar insofern, als sie einen Teil ihres mit dem Bildverkauf verdienten Geldes für die Zahlung von Schulgeld oder Lebensmitteln verwenden. Sie meinten, ich solle mir diese Region mit ihnen am besten direkt ansehen, damit ich mir selbst einen Eindruck von den Zuständen der armen und wirklich hilfsbedürftigen Menschen machen könne. Natürlich steckte die Intention dahinter, ich könne sie bei der Hilfe möglicher Weise unterstützen. Mir wurde zwar von verschiedenen Seiten schon öfter gesagt, ich solle vorsichtig sein, nicht reagieren, wenn ich angesprochen werde, nicht alles glauben usw., usw.,  aber schließlich möchte ich ja Land und Leute kennenlernen, und wie kann ich es denn besser, als mit Einheimischen in Gebiete zu gehen, in die normaler Weise kein Tourist kommt! Also packte ich all meinen Mut zusammen und ging mit 4 Männern in das besagte Gebiet. Obwohl ich beim Durchqueren des Gebietes ein recht beklemmendes Gefühl hatte (es ging durch Matsch und Dreck, vorbei an Häusern, die für mich eher Ruinen darstellten), so bekam ich doch einen unglaublich positiven Eindruck von den Menschen, die ich dort traf. Sie waren alle freundlich, zurückhaltend, höflich. Die Kinder sahen mich mit großen Augen an; ich glaube, so jemanden wie mich – hellhäutig und blond – hatten sie noch nie gesehen! Sie schienen etwas ängstlich zu sein, haben sich aber von den Erwachsenen für ein Foto überreden lassen.

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Was ich dann aber zu sehen bekam, überstieg meine bisherige Vorstellungskraft! Ich fragte, ob ich mir die Räume der Kinder einmal ansehen dürfte. Was ich dort vorfand, war unglaublich! Es war ein dunkler Raum (obwohl es Nachmittag war und die Sonne schien, kam kaum Licht herein), der Raum war ca. 4 qm groß und dort standen 2 Betten auf denen uralte Matratzen lagen, die in der Nacht von 10 Kindern belegt sind! Man kann dort kaum treten!

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In diesem ca. 4qm großen Raum schlafen in 2 Betten nachts 10 Kinder!

Von den 10 Kindern können derzeit 3 Kinder keine Schule besuchen, da es an der finanziellen Möglichkeit mangelt. Ein Besuch der weiterführenden staatlichen Schule kostet jährlich ca. 90 €, der Besuch einer der privaten Schulen, die wesentlich besser sind, kostet im Jahr ca. 300 €. Viele Eltern können sich nicht einmal die 90 € Schulgeld leisten, da das durchschnittliche Jahreseinkommen ca. 815 € beträgt. Wie das mit dem Schulgeld tatsächlich läuft, werde ich morgen Nachmittag in einer Schule erfragen. Möglicher Weise nehme ich die 3 Kinder mit in mein Projekt auf, denn ich muss sagen, dass die Menschen, denen ich dort begegnet bin, wirklich freundlich, herzlich und keineswegs aufdringlich oder unangenehm sind.

Bei einem kurzen Mittagessen haben mir die „Jungs“ verschiedene Verhaltensregeln mit auf den Weg gegeben und mich vor bestimmten Männern gewarnt, die betrügerisch in Moshi unterwegs sind, u.a. ein Mann mit Rastalocken, der mich vorher bereits angesprochen hatte; dass er betrügerisch unterwegs ist, hatte ich schon gemerkt, aber er tut einem nichts, man muss also keine Angst haben! Sie machten mich außerdem darauf aufmerksam, immer den Rucksack geschlossen zu halten (das ist für mich sowieso selbstverständlich), mich nicht ansprechen zu lassen und wenn mich jemand anspricht soll ich sagen:“Hapana ahsante“ , was bedeutet „Nein danke“.

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Zum Mittag gab es typisch tansanisches Essen: Impala (Antilope) mit Ugali (Getreidebrei aus Maismehl), Bananen und Salat. Gegessen wird ALLES mit den Fingern.

Sekunda begleitete mich am späten Nachmittag zurück zum Hotel, damit ich auch sicher wieder ankam. Auf dem Rückweg brachte er wir ein paar Wörter auf Kisuaheli bei; wir hatten beide Spaß daran; Fortsetzung des Sprachenunterrichtes folgt morgen, da er mich nachmittags im Hotel abholt und mich zur Schule begleiten wird, damit ich einen Übersetzer habe.

Nun ja, auch wenn mein erster Tag in Tansania für den Mittag/Nachmittag eigentlich anders geplant war – wollte ich doch mittags schon zur Schule gehen um mich beim Direktor für die nächsten 2 Wochen anzumelden – so kann ic aber nicht sagen, dass mein Tag erfolglos gewesen ist, im Gegenteil: ich habe so viele Dinge erfahren, so viele herzliche Menschen kennengelernt, die Situationen der Armen gesehen und von deren Hilfe untereinander erfahren, dass der Tag für mich wirklich eine Bereicherung war. Ich hoffe und denke aber auch, dass ich diesen Menschen helfen und den Kontakt zu ihnen aufrecht halten kann, so wie ich die bisherigen tansanischen Kontakte aufrecht erhalten konnte.

Abends kamen Mama Mushi (Köchin und beste Betreuerin der Klasse mit den behinderten Kindern) und ihr Sohn Invocavit (mein Übersetzer in allen Schulangelegenheiten) zu mir ins Hotel. War das eine Wiedersehensfreude! Und diese Herzlichkeit, Höflichkeit und Bescheidenheit – man kann das nicht in Worte fassen, man muss es einfach selber spüren!

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Wiedersehen mit Mama Mushi und Invocavit.

 

Wir haben sehr viel über die behinderten Kinder und den Dingen, die für sie derzeit benötigt werden, gesprochen. Sicher ist, dass ich Schuluniformen als auch Schuhe für 17 Kinder anfertigen lassen werde. Dank der Hilfe der o.g. 5 Männer, konnte ich heute einen Schuster finden, der mir einen Preis von 340.000 TZS für 17 Paar Schuhe macht, das sind umgerechnet ca. 8€ pro Schuhpaar! Den Preis habe ich auf Englisch verhandelt, die Übersetzung in Kisuaheli hat einer der Männer geliefert! Preisverhandlungen lernt man hier in Tansania, ansonsten würde man als Weiße(r) meist über’s Ohr gehauen werden! Den Auftrag habe ich noch nicht vergeben, werde das aber voraussichtlich am Montag in die Wege leiten.

Morgen oder am Montag kommt auch eine Schneiderin in die Schule, die bei den Kindern Maß nimmt um Schuluniformen anzufertigen. Auch hier werde ich den Preis verhandeln müssen. Als Übersetzer wird mir Invocavit zur Seite stehen. Zusätzlich steht für morgen (18.10.) ein Besuch beim Pastor auf dem Plan und ggf. bei BCC um in Erfahrung zu bringen, warum ein Transport mit dem Schulbus für die behinderten Kinder nicht möglich ist. Mehr dazu – und auch über meinen heutigen Tag in der Schule – morgen.